Sicherheitslücken, digitaler Einbruch und kriminelle Machenschaften – das sind die ersten Assoziationen, die viele Menschen mit dem Thema Hacken verbinden. Die Teilnehmer des ersten Konstanzer Open Data-Hackathons im Ratssaal der Stadt haben jedoch bewiesen, dass Hacken auch eine ganz andere, sehr positive Dimension hat und im gemeinsamen Hacken nützliche und kreative Dinge entstehen können.

„Das Hacken, für das wir stehen, ist das Basteln, Tüfteln, Sachen so benutzen, wie sie ursprünglich nicht gedacht waren oder selber Sachen schaffen", erklärte Robert Jacob, Vize-Vorsitzender des Konstanzer Hacker-Vereins Hacknology, der zusammen mit der Stadt, und dem Kompetenz-Netzwerk Cyberlago im Rahmen des universitären Seminars Projektmanagement die Veranstaltung organisiert hat.

Wie funktioniert ein Hackathon?

Die Stadt hat in diesem Zuge für die etwa 30 Teilnehmer Daten aus den Bereichen Verkehr, Demographie, Veranstaltungen und Mängelmeldung auf einer öffentlich zugänglichen Plattform bereitgestellt, mit denen die Hacker in kleineren Gruppen nützliche und kreative Software-Ideen entwickelten, die Konstanz zukünftig ein bisschen smarter machen könnten.

Wer macht mit?

Vom 10-jährigen IT-Affinen bis zum jung denkenden Senior durfte jeder mitmachen, der sich für städtische Themen interessierte und zur Digitalisierung der Stadt beitragen will.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Den Spagat zwischen Informationsfreiheit und Transparenz auf der einen Seite und Datenschutz auf der anderen Seite zu schaffen, aber auch den Kontrollverlust auszuhalten, der mit den bereitgestellten Daten einhergeht, war besonders für die Stadtverwaltung im Vorfeld eine ungewohnte Herausforderung, die sie jedoch für dieses Experiment annahm: “Da muss man einfach mal etwas wagen, ohne zu wissen, was herauskommt und aus den Ergebnissen und dem Feedback der Teilnehmer die weiteren Schlüsse ziehen“, erklärte Veranstalter Eberhard Baier vom Referat Oberbürgermeister.

Dem stimmte auch Oberbürgermeister Uli Burchardt zu, der ebenfalls betonte, dass die Digitalisierung die Städte komplett verändern werde und er gespannt sei zu sehen, was bei diesem ersten Hackathon herauskommen werde.

Was kam beim Hackathon heraus?

Und tatsächlich sind zahlreiche Projekte mit viel Potential entstanden: So entwickelten zum Beispiel die beiden Uni-Studenten Konstanz Lukas Weixler und Alexander Scholl die Idee, dass die Stadt mithilfe von anonymisierten Geodaten, die Bürger über eine App passiv an verschiedenen Standorten im Laufe ihres Tages hinterlassen, geplante Bauvorhaben viel stärker an den tatsächlichen Bedarf anpassen könnte.

Eine andere Gruppe nahm sich mit ihrer App "ParkORide KN" – die bereits im Playstore für Android-Handys und im Appstore erhältlich ist – des lästigen Problems der Parkplatzsuche an. Die App nutzt dazu Echtzeitdaten der Konstanzer Parkleitsysteme und soll so dem Nutzer bei der Entscheidung helfen, das Auto oder doch lieber das Fahrrad zu nehmen.

Welche Idee hat gewonnen?

Die Sieger der Veranstaltung und der Herzen waren letzten Endes aber die IT-Kids unter der Leitung von Michael Köppl, die zusammen mit ihren Betreuern in einer Minecraft-Karte (Minecraft: englisch "mine" = Bergwerk ist ein Videospiel, bei dem Welten aus Pixel-Blöcken gebaut werden) von Konstanz die Standorte der Stolpersteine einarbeiteten. Stolz nahmen sie die vom Innovationslabor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gefertigte 3D-Schrift „#konstanzhackt“ entgegen.

Im Internet präsentiert die Stadt die Ideen und Projekte der Teilnehmer. Auch die zur Verfügung gestellten Daten bleiben für jedermann öffentlich zugänglich, sodass es für die Teilnehmer, aber auch für andere Bürger möglich ist, an den Ideen weiter zu tüfteln oder neue Projekte zu entwerfen. Wie die Stadt die Anregungen mit den Teilnehmern umsetzen will, ist noch offen.

Cyberlago-Geschäftsführer Tobias Fauth jedenfalls sieht in dem Projekt eine Art von Offenheit und Transparenz, die der richtige Weg in Richtung Open Government (offene Verwaltung) sei: „Es ist doch das Tollste für eine Stadt und für ihre Bürger, wenn man gemeinsam etwas entwickelt, wovon alle später profitieren.“

Wird es noch einmal einen Hackathon geben?

Aufgrund der positiven Resonanz und der unerwartet großen Anzahl an Teilnehmern wird der erste Konstanzer Hackathon wahrscheinlich nicht der letzte gewesen sein. Die Stadt, das Kompetenz-Netzwerk Cyberlago, der Hacker-Verein Hacknology und die Hochschulen organisierten den Hackathon gemeinsam. Viele Teilnehmer hatten noch keine Erfahrung mit derartigen Hacker-Treffen, trotzdem gab es viele kreative Ideen. Die Ausrichter hoffen nun, dass dies noch viele andere Bürger ermutigt, mit dem Open Data Portal eigene Ideen für digitale Hilfsmittel, die für das Stadtleben nützlich sind, einzubringen.