Wenn der Alarm runtergeht, ist die Konstanzer Feuerwehr in aller Regel blitzschnell zu Stelle. Mit einer – gemessen an der Größe der Stadt – erstaunlich kleinen Anzahl von Hauptamtlichen mit dem geballten Engagement von 270 Freiwilligen hat sie vielfach bewiesen, dass sie auch schwierige Lagen meistern kann. Ob Altstadtbrand oder Schwaketenbad, ob gefährliche Brände in Dehnfugen oder das ganz normale Alltagsgeschäft: Auf die Feuerwehr ist Verlass. Um so sonderbarer mutet an, dass es in der strategischen Entwicklung der Wehr so viel langsamer vorangeht. Denn der neue Feuerwehrbedarfsplan wird, wie alle kundigen Beobachter einmütig sagen, einen erheblichen Investitionsstau zutage fördern.

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War die Feuerwehr also über Jahre und Jahrzehnte das Stiefkind von Politik und Verwaltung? Sicher nicht. Alle Stadträte und alle Verantwortlichen im Rathaus wissen, wie wichtig die Feuerwehr für die Stadt ist. Doch die Wünsche und Forderungen, die dort erhoben wurden, haben sich oft auf technische Ausstattung wie Fahrzeuge und weitere Hilfsmittel beschränkt. Mit dem Resultat, dass mit dem Kauf eines weiteren Drehleiterfahrzeugs die Hausaufgaben gemacht schienen. Eine Ursache dafür liegt sicher in der sparsam-pragmatischen Amtsführung des früheren Stadtbrandmeisters Klaus-Dieter Quintus. Er profilierte sich eher als Schaffer denn als Stratege.

Neue Verantwortliche, neue Aufgaben, neue Bedürfnisse

Jetzt ist die Lage eine andere. Der neue Kommandant kommt von einer großen Berufsfeuerwehr. An den wichtigen Posten des Kreis- und des Bezirksbrandmeisters sitzen Verantwortliche aus einer neuen Generation. Und sie machen deutlich: Konstanz hat mit mühsamen und letztlich erfolglosen Debatten über den kompletten Neubau einer neuen Feuerwache, diskutiert wurde unter anderem das Areal nördlich der Schänzlebrücke, viel wertvolle Zeit verloren. Denn seither ist es zunehmend schwieriger geworden, dass Freiwillige bei Alarm ihre Arbeitsplätze verlassen können, und die Gerätehäuser haben mit dem Wachstum der Stadt nicht Schritt gehalten.

Alle haben etwas von der Feuerwehr, also müssen auch alle zahlen

Wenn 2020 der Ausbau an der Steinstraße abgeschlossen ist, beginnt die Arbeit also erst richtig. Dabei geht es nicht nur um die Suche nach Standorten, nicht nur um Hochbauplanung und nicht nur um die Einbindung der Ehrenamtlichen. Konstanz wird allein für Bauten eine zweistellige Millionensumme in die Hand nehmen müssen. Aufbringen müssen das Geld die Bürger – sofort zum Beispiel über die Grundsteuer oder später über Zinsen und Tilgung für neue Schulden.

Ja, neue Gerätehäuser kosten Geld – aber das muss es uns einfach wert sein

Beides ist vor zwei wichtigen Wahlen (2019 Gemeinderat, 2020 Oberbürgermeister) politisch nicht einfach. Doch es gibt wohl nur wenige Bereiche, in denen sich zusätzliche Ausgaben so gut begründen lassen wie bei der Feuerwehr. Wer für uns dorthin geht, wo alle anderen flüchten, braucht Top-Bedingungen. Sie herzustellen, ist brandeilig geworden.