Konstanz Bahnübergang Inselhotel: Defekte Schranke, hupende Züge und genervte Anwohner

Kaum eingeschlafen, da weckt einen das Hupen eines Zuges. Ein Defekt an einer Schranke in der Konstanzer Altstadt beeinträchtigt den Bahnverkehr. Lokführer müssen halten, hupen und dürfen erst dann weiterfahren.

Anwohner dürften inzwischen genervt sein, aber auch in weiten Teilen der restlichen Stadt ist das laute Tuten der Züge seit Montag zu hören. Grund dafür sind die defekten Schranken am Bahnübergang Inselhotel. Seit Montag gegen 11.30 Uhr stehen sie offen, obwohl der Zugverkehr weiterläuft. Das könnte zu gefährlichen Situationen führen, doch laut Christian Wehrle, Pressesprecher der Bundespolizei Konstanz, ist bislang nichts passiert.

Grund für die technische Störung ist eine explodierte Batterie in der Anlage. "Das defekte Teil ist so selten, dass wir es nicht auf Lager haben", erklärt Werner Graf, Pressesprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart. Er erläutert: "In Deutschland haben wir ganz unterschiedliche Schrankentypen verbaut, die unterschiedlich alt sind. Dafür gibt es tausend verschiedene Teile, so dass wir im Konstanzer Fall den passenden Ersatz nicht sofort beschaffen können." Erst Ende kommender Woche rechnet er damit, dass der Schaden repariert werden kann. Werner Graf ist die Situation unangenehm: "Das Hupen Tag und Nacht ist für die Anwohner keine schöne Sache. Wir bitten herzlich um Entschuldigung und hoffen auf das Verständnis der Konstanzer."

So werden die Zugführer noch einige Tage lang laute Signale geben müssen, sobald sie sich dem Inselhotel nähern. Dazu werden sie von den Fahrdienstleitern angewiesen, sobald eine technische Störung vorliegt. Denn normalerweise bedeuten offen stehende Schranken für die Passanten, dass ein Übergang frei ist. Bei einer Störung aber kann der Bahnverkehr trotzdem weiterlaufen. Der Zugführer erhält dann kein grünes Signal, sondern muss sich selbst davon überzeugen, dass keine Menschen über die Gleise laufen. Dafür muss er vor dem Bahnübergang anhalten, hupen, überprüfen, ob die Strecke frei ist, und erst dann im Schritttempo weiterfahren.

Inzwischen ist das Personal längst instruiert, auch die meisten Konstanzer wissen Bescheid. Doch damit auch in den ersten Minuten nach Eintreten der Störung kein Unglück geschieht, sollte die Bundespolizei den Übergang sichern. Eigentlich. In diesem Fall sei aber kein Wagen der Bundespolizei im Einsatz gewesen, sagt Christian Wehrle. Er vermutet, dass ein Notruf bei der Landespolizei einging und deshalb diese Beamten ausrückten. Tatsächlich bestätigt Markus Sauter, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz: "Über die 110 meldeten am Montag gegen 14.50 Uhr ein Taxifahrer sowie ein Bürger, dass ein Zug den Bahnübergang trotz offener Schranken passierte." Dennoch sei auch kein Fahrzeug der Landespolizei zur Sicherung gekommen, da die Störung bereits am Vormittag auftrat. Sauter glaubt: "Es wird die Wasserschutzpolizei gewesen sein.

" Die Wapo rückt an, wenn Schranken kaputt sind? Andreas Dummel von der Wasserschutzpolizei Konstanz bejaht: "Grundsätzlich ja. Wir helfen überall, wo wir können." In diesem Fall aber sei kein Team vor Ort gewesen. Dummel fügt an: "Ich war vorhin privat in der Stadt. Das mit dem ungesicherten Bahnübergang ist wirklich kein Spaß!"

Das Stellwerk und der Fahrplan

  • Die Überwachung: Die Fahrdienstleiter, die den Zugführern bei einer Störung Bescheid geben und auf das richtige Verhalten hinweisen, sitzen im Konstanzer Stellwerk. Hoch über den Schienen am Bahnhof haben sie in einem vieleckigen Turm den Überblick. Agieren können sie an einem Schalttisch, auf dem alle Gleise des Konstanzer Zuständigkeitsbereichs zu sehen sind, alle 30 Signale und die unzähligen Weichen. Sobald sich eine Bahn ankündigt, muss ein Fahrdienstleiter auf dem Schalttisch zwei Knöpfe drücken: Einer markiert die Einfahrt des Zuges in das Konstanzer Gebiet, der andere den Endpunkt seiner Reise, zum Beispiel Gleis 1 im Konstanzer Bahnhof. Und schon färbt sich die betreffende Strecke auf seinem Modelltisch gelb; Fahrstraße einstellen nennt sich dieser Vorgang. Im Normalfall gehen nun alle Weichen in diesem Bereich von selbst in die richtige Position, die Schranken senken sich, das Rotlicht leuchtet. Bei einer Störung reagiert das System laut Bahnsprecher Roland Kortz sofort: Je nach Defekt bleiben die Schranken entweder unten oder der Zugführer erhält bei offenen Schranken kein grünes Signal zur Weiterfahrt und muss jedes Mal anhalten und hupen.
  • Der Fahrplan: Die defekten Schranken am Inselhotel haben laut Roland Kortz keine Auswirkungen auf den Fahrplan. "Bei solch vergleichsweise kleinen Schäden kommt es nicht zu Verspätungen im Bahnverkehr", so Kortz. Denn es seien immer gewisse Reserven im Fahrplan eingerechnet – zum Beispiel für den Fall, dass eine größere Reisegruppe mit Fahrrädern einsteigen möchte. Ein Zug aus Baden-Baden sei gestern mit wenigen Minuten Verzögerung in Konstanz eingetroffen. Das lag aber nicht an den Schranken, sondern der Zug musste in Petershausen den Gegenverkehr abwarten.

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