In gelber Warnjacke hockt Robin Hauser in der Baugrube und zieht sich die Mütze unterm Helm zurecht. Es ist bitterkalt, der Wind pfeift über die Baustelle der Bundesstraße 33. Mit 21 Jahren ist er der Jungspund auf der Baustelle. Und trotzdem hat er eine wichtige Aufgabe: Robin Hauser sorgt dafür, dass die Rohre für den Abwasserkanal der neuen Fahrbahn genau zusammenpassen. Ein spezieller Laser hilft ihm bei der Feinarbeit.

Bild: Lukas Ondreka

„Mit dem Laser kann ich die Rohre zentimetergenau ausrichten“, sagt der Bauarbeiter mit den weichen Gesichtszügen. Der rote Punkt trifft die Mitte der Zielscheibe, die Rohre sitzen perfekt. Robin Hauser winkt dem Kollegen im Bagger, der mit einer Ladung Baukies anrückt.

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Bevor Robin Hauser und seine Kollegen hier die Fahrbahn bauen, müssen Drainagen und Abwasserrohre verlegt werden. Wenn es regnet, kann das Wasser von der Straße abfließen. Das schützt vor Aquaplaning und hält den Asphalt in Schuss. Mit der Stampfmaschine verdichtet Robin Hauser den Kies. Das verhindert, dass sich der Kanal später einmal hebt oder senkt.

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Die Baufirma A.M. Müller aus Zimmern ob Rottweil baut die Bundesstraße im sogenannten „Abschnitt B“ vierspurig aus. Sechs Millionen Euro kostet dieser kleine Teil des Großprojekts B33-Ausbau. Das Team gräbt sich Stück für Stück voran, zwei Kilometer.

Um die Erdmassen zu bewegen, braucht es schweres Gerät. Thomas Brandt steuert den Bagger auf der Baustelle. Während die Kollegen draußen mit Wind und Schnee zu kämpfen haben, freut sich der 61-Jährige über seinen komfortablen Arbeitsplatz. „Ich hab hier Kaffee, eine Heizung und ein Dach über dem Kopf“, sagt Thomas Brandt und lacht.

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Es sieht spielerisch aus, wie der Baggerfahrer die Joysticks in seiner Kabine bewegt. Ein Stupser nach links, einen nach rechts. Eine galante Bewegung der Finger nach vorne, dann wieder zurück. Der 30 Tonnen schwere Bagger wandelt die filigranen Befehle in ausladende und krachende Bewegungen um.

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Die Grube erweitern, ein neues Rohr einlegen, mit Baukies bedecken: Wenn alles glatt läuft, schafft das Team elf Rohre am Tag. „Meine Freundin sehe ich gerade weniger als meinen Polier“, sagt Thomas und deutet lachend auf den Leiter der Baustelle, Steffen Hauser. Der 52-Jährige mit der Strickmütze ist ein Bär von einem Mann, ein Bauarbeiter wie aus dem Bilderbuch.

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Anpacken muss Steffen Hauser nur noch wenig, dafür umso mehr planen und überwachen: Keine Zementlieferung, keine Büroklammer kommt ohne sein Wissen auf die Baustelle. Verwandt sei er nicht mit Robin Hauser. Aber sein Sohn sei auch Bauarbeiter. „Liegt in der Familie“, sagt Steffen Hauser.

Im Container verschafft er sich einen Überblick, gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Rohrer und dem Projektleiter der Neubauleitung Singen, Matthias Colberg in der orangefarbenen Jacke.

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Etwa 450 große Abwasserrohre müssen auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern verlegt werden, sie bilden den Hauptkanal. Die südliche Straße hat ein Gefälle zur Fahrbahnmitte hin. Bei Regen fließt das Wasser hier über eine Rinne und eine Drainage ab. In Abständen verlaufen Rohre quer unter der Fahrbahn hindurch und führen das Wasser dem Hauptkanal zu. Von dort aus wird es in Auffangbecken geleitet.

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Für Steffen Hauser ist ein Großprojekt wie der B33-Ausbau Alltagsgeschäft. 38 Jahre Erfahrung im Straßenbau bringt er mit. Im vergangenen Jahr war er am Bau des Daimler-Prüfzentrums in Immendingen beteiligt.

„Ich bin mit allen Wassern gewaschen“, sagt er und lächelt verschmitzt. Es klingt kein bisschen arrogant. Mit seinem Transporter fährt er über die Baustelle, prüft, ob die verschiedenen Kolonnen nach Plan arbeiten.

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„Wir haben Luft“, sagt Steffen, während er sich zu den Bewegungen des Transporters auf matschigem Weg hin und her wiegt. Das Team liege gut in der Zeit. Die Bauarbeiten sind vom Wetter abhängig. Wenn es stark regnet, müssen etwa Erdarbeiten eingestellt werden.

Und die sind wichtig, weil ein großer Lärmschutzwall aus Erde errichtet werden muss. „Die Menschen in Allensbach wird es freuen“, sagt Steffen Hauser. "Die Autofahrer vielleicht weniger – die sehen den Bodensee nicht.“ Er steigt aus dem Transporter und ruft den Raupenfahrer zu sich.

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Andreas Schulz schwingt sich aus der Kabine seiner Planierraupe und steckt sich eine Zigarette an. „Bei all dem Feinstaub auf der Baustelle, da ist das Rauchen auch nicht mehr schlimm“, sagt der 50-Jährige.

Andreas Schulz errichtet den Lärmschutzwall. 45.000 Kubikmeter Erde müssen für den Damm aufgetürmt und mit der Planierraupe verdichtet werden. Der Großteil – etwa 30.000 Kubikmeter – soll vom Aushub des Tunnelbaus im Bereich Reichenau-Waldsiedlung kommen. Der gewaltige Erdwall lässt sich vorerst nur erahnen.

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Die riesige Planierraupe wirkt brachial, aber sie steckt voller intelligenter Elektronik. Ein GPS-System zeigt Andreas Schulz die gesamte Topographie der Baustelle und die Position der Raupe. Eingezeichnet sind die künftige Fahrbahn und der geplante Verlauf des Lärmschutzwalls.

„Früher haben wir den Wall mit Hilfe von gesteckten Markierungen aufgetürmt, heute fahr ich nach digitalen Daten“, sagt Andreas Schulz. Und schiebt hinterher: „Aber die beste Maschine ist nichts ohne einen guten Fahrer.“

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Ende Februar soll der Bau der Fahrbahn beginnen, wenn alles glatt läuft. Frühestens Ende 2020 können Autofahrer dann ohne Einschränkung auf dem Teilstück der B33 fahren.

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