Konstanz Awoli-Festival: Ein bisschen Afrika mitten in Konstanz

Der Konstanzer Verein Awoli erwartet bis zu 3000 Gäste beim dreitägigen Afrika-Festival auf dem Münsterplatz mit Musik, Essen und Diskussionen.

Afrika kommt für drei Tage nach Konstanz. Von Freitag, 29. September, bis Sonntag, 1. Oktober, sind der Münsterplatz und die Domschule zum zweiten Mal Schauplatz für das Awoli-Festival. Die Abkürzung Awoli stammt aus dem Englischen: african way of life, also die afrikanische Art zu leben. Der Konstanzer Hilfsverein Awoli organisiert die Afrika-Tage in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbüro der Stadt Konstanz. Auf dem Programm stehen unter anderem Konzerte, Trommel-, Tanz- und Kochkurse, ein afrikanischer Gottesdienst, eine Ausstellung, eine Lesung, Kinderspaß und eine Debatte darüber, wie Afrika Europa sieht. Die Organisatoren erwarten rund 3000 Besucher. Nach dem Überraschungserfolg im Jahr 2015 legt der Verein Awoli das gleichnamige Festival erneut auf. Damals zogen die Afrikatage unerwartet viele Besucher an. Vielen ging es wie der Integrationsbeauftragten Elke Cybulla: "Ich habe gesagt, ich komme eine halbe Stunde, und dann bin ich nicht mehr runter vom Platz."

Zu den Glanzlichtern des diesjährigen Festivals gehört unter anderem eine Dokumentation von Marlene Gärtner und Gilbert Mbeh, die am Samstag um 14 Uhr in der Domschule zu sehen ist. Der Film zeigt die Europabilder von Menschen aus Kamerun. Im Anschluss ist eine Diskussion mit den Gästen geplant. Julien Kono Kono, der zu den Mitorganisatoren des Festivals gehört, weiß aus eigener Erfahrung, wie eingefahren auch in Afrika die Bilder von Europa und Deutschland sind, auch bei Menschen aus dem Mittelstand. So sei beispielsweise seine Tante geschockt gewesen, als sie beim ersten Aufenthalt in Deutschland Obdachlose sah. Dies passte so gar nicht ins Bild vom reichen Deutschland.

Die Integrationsbeauftragte Elke Cybulla weiß, wie stark auch europäische Köpfe von Klischees über Afrika geprägt sind. Das Nachdenken darüber sei wichtig: "Ich denke, die Bilder werden sich in den nächsten Jahren ändern." Denn langsam versuche man die Ursachen von Schwierigkeiten zu analysieren, um Antworten auf die Frage zu bekommen, wie die Menschen Afrikas in ihren Ländern Perspektiven für die Zukunft erhalten. Mit einer Ausstellung im Gebäude St. Johann von der Künstlerin Yenatfenta Abate bringt sich auch der Deutsch-Äthiopische Verein Bodensee (Dabo) beim Festival ein. Er holt die in Hamburg und Berlin lebende Künstlerin nach Konstanz. Diese bietet im Rahmen des Festivals auch einen Koch-Kurs an. Weitere Workshops widmen sich dem sinnlichen afrikanische Paartanz Kizomba oder dem Trommeln.

Eric Kamguia, der mit seinem Hilfsverein Awoli (früher nannte sich dieser Génération du Tiers Monde e.V.) hinter dem Festival steht, will nicht nur afrikanische Lebensfreude und Lockerheit auf den Münsterplatz bringen. Er möchte die Menschen über die Kulturen hinweg ins Gespräch bringen und freilich auch für die sozialen Ziele seines Vereins werben. Awoli unterhält in Kamerun eine Akademie zur Bäckerausbildung, die derzeit zwölf Jungen und zwei Mädchen besuchen. Mit der Akademie werde die Lehre in Kamerun erstmals systematisiert, sagt Eric Kamguia. Ziel sei es, dem afrikanischen Nachwuchs Berufschancen im Bäckerhandwerk zu eröffnen. Bisher seien die Bäckereien in Kamerun in europäischer Hand, dabei gäbe es viele Möglichkeiten für Einheimische, sich dort beruflich zu etablieren.

Eric Kamguia selbst hat als Laboringenieur an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung mit dem Bäckerhandwerk nichts zu tun, organisiert mit dem Verein aber die Kontakte und den Aufbau der Akademie. Aktuell kämpft er gerade mit den bürokratischen Anforderungen, damit Jugendliche aus der Awoli-Akademie in Kamerun die Bäckereifachmesse Südback in Stuttgart besuchen und zu einer Präsentation zum Afrika-Festival nach Konstanz kommen können.

Interkulturelle Woche

Das afrikanische Awoli-Festival auf dem Münsterplatz ist eingebunden in die Veranstaltungen der Interkulturellen Woche ab dem 22. September in Konstanz. Im Rahmen des Festivals präsentieren sich am Samstag, 30. September, ab 10 Uhr auf dem Münsterplatz und im Pfalzgarten interkulturelle Vereine aus Konstanz und Kreuzlingen. In Konstanz lebten im Jahr 2016 laut der Statistik der Stadt 12 777 Ausländer (15 Prozent der Wohnbevölkerung), darunter 523 Afrikaner.

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