„Pedelec entwendet“, „Fahrrad aus Tiefgarage entwendet“, „E-Bike entwendet“ – so lauten Polizeimeldungen über Zweirad-Diebstähle in den vergangenen Wochen in Konstanz. Allein drei Anwohner aus der Bruder-Klaus-Straße meldeten in der zweiten Augusthälfte ihre Fahrräder als gestohlen. Die Polizei habe keine Ermittlungsansätze und könne deshalb nicht sagen, ob möglicherweise ein Zusammenhang zwischen den Taten besteht. Das teilt Oliver Weißflog, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, mit.

Die Zahl der angezeigten Fahrraddiebstähle ist in den vergangenen Jahren indes zurückgegangen. Für das laufende Jahr liegen dem SÜDKURIER noch keine Daten vor.

Bild: Cornelia Müller

Martin Meyer ist oft mit dem E-Bike in Konstanz unterwegs. Er ist wegen der jüngsten Diebstähle nicht beunruhigt. Doch Meyer achtet stets darauf, sein E-Bike nur auf belebten Plätzen abzustellen. Und er hat in ein gutes Schloss investiert.

Mit diesen Tipps machen Sie es Fahrraddieben besonders schwer:

Wie schütze ich mein E-Bike oder Fahrrad vor Diebstahl?

„Anschließen statt nur abschließen“ empfiehlt Ralf Seuffert als Grundregel für alle Zweiradbesitzer. Seuffert, der als Vorstandssprecher im Konstanzer Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) aktiv ist, betreibt den Fahrradladen „Kultur-Rädle“ am Bahnhof. Immer wieder berichteten Opfer von Fahrraddiebstählen, dass sie „nur kurz zum Bäcker“ wollten und das Fahrrad gar nicht gesichert oder nur Rahmen und Reifen miteinander verbunden hätten, sagt Seuffert bei einem Besuch in seinem Geschäft. Es sei jedoch wichtig, das Fahrrad immer an einem festen Objekt wie einem Fahrradbügel oder einem Laternenpfahl anzuschließen.

Das richtige Schloss

Fahrradschlösser gibt es in unzähligen Varianten: Mit flexibler Kette oder starrem Stahlbügel, in verschiedenen Schutzklassen, teilweise sogar mit integrierter Alarmanlage. Die Faustregel, nach der das Schloss etwa zehn Prozent des Fahrrad-Neupreises kosten soll, findet Seuffert bei Rädern ohne Elektromotor durchaus sinnvoll. „Bei E-Bikes passt die Regel aber nicht“, meint er, da diese häufig mehr als 2000 Euro kosten und sehr gute Schlösser für weniger als 150 Euro zu haben seien.

Ein Bügelschloss ist nicht flexibel. Dafür finden sich in dieser Kategorie die sichersten Schlösser.
Ein Bügelschloss ist nicht flexibel. Dafür finden sich in dieser Kategorie die sichersten Schlösser. | Bild: Jonas Schönfelder

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E-Bike: Display und Akku mitnehmen

Fahrräder mit Elektromotor sind nicht nur bei Neukäufern beliebt: Preise von oft mehreren tausend Euro machen sie auch für Diebe zu einem attraktiven Ziel. Deshalb gibt Ralf Seuffert den Tipp, das Display und den Akku immer mitzunehmen, wenn das Elektro-Rad abgestellt wird. So lohnt sich das Klauen weniger und Verbrecher können damit ohne die elektrische Unterstützung auch nicht so schnell wegfahren.

E-Bike-Fahrer sollten das Display immer mitnehmen, wenn sie das Rad stehenlassen.
E-Bike-Fahrer sollten das Display immer mitnehmen, wenn sie das Rad stehenlassen. | Bild: Jonas Schönfelder

Fahrrad codieren lassen

Wer noch mehr für die Sicherheit seines Fahrrads tun möchte, kann es codieren lassen. Bei diesem Verfahren wird eine individuelle Buchstaben- und Zahlenkombination in den Rahmen eingraviert oder mit einem Spezialaufkleber aufgebracht. Anhand dieser können die Polizei oder Fundbüros den Eigentümer ausfindig machen. Da diese Codierung nicht spurlos entfernbar ist, wird der Weiterverkauf des Diebesguts erschwert. Durch auffällige Codier-Hinweise am Rad sollen so potentielle Diebe abgeschreckt werden. Codierungen werden für rund 15 Euro von Fahrradhändlern, der Polizei und dem ADFC angeboten.

Neben dieser Möglichkeit empfiehlt die Polizei auf ihrer Webseite für Kriminalprävention zudem das Anlegen eines Fahrradpasses. Darin lassen sich wichtige Merkmale wie die Rahmennummer, eine Beschreibung und ein Foto des Rads vermerken, um diese Informationen im Fall eines Diebstahls direkt parat zu haben. Den Fahrradpass gibt es auch als App für Android und iOS.

Ralf Seuffert in seinem Fahrradladen am Bahnhof. Er empfiehlt, bei Elektro-Rädern auch den Akku mitzunehmen, wenn es abgestellt wird.
Ralf Seuffert in seinem Fahrradladen am Bahnhof. Er empfiehlt, bei Elektro-Rädern auch den Akku mitzunehmen, wenn es abgestellt wird. | Bild: Jonas Schönfelder

Versicherungen gegen Diebstahl

Für den Fall, dass ein Langfinger doch zuschlägt, kann das Fahrrad oder E-Bike versichert werden. Eine Hausratversicherung greift in der Regel, wenn das Rad aus dem Haus, der Wohnung oder der Garage entwendet wurde. Soll das Zweirad auch ohne Einbruchdiebstahl versichert sein, wenn es also draußen angeschlossen war und gestohlen wurde, müsse eine Zusatzprämie abgeschlossen werden, erklärt Anke Bauer, Pressesprecherin des ADFC Baden-Württemberg. Hier würden die Beiträge entsprechend des Diebstahlrisikos am Wohnort ausfallen.

Spezielle Fahrradversicherungen böten darüber hinaus noch einige Vorteile wie die Erstattung bei Unfällen oder Raub, seien dafür aber an ein bestimmtes Rad gebunden. Deshalb lohne sich die Spezialversicherung möglicherweise für Menschen, die ein teures Rad haben. „Eine Familie, die mehrere weniger wertvolle Fahrräder hat, ist mit einer Hausratversicherung mit zusätzlichem Fahrradschutz besser bedient“, so Bauer.

Waches Auge auf die Umgebung haben

Ralf Seuffert nennt vor Ort in seinem Fahrradgeschäft noch einen anderen Aspekt, mit dem der Fahrraddiebstahl verhindert werden könne: Das Fahrrad sollte an möglichst hellen und belebten Orten abgestellt werden. Und wenn sich jemand an einem Fahrrad zu schaffen macht, „einfach zart nachfragen.“ Vielleicht schreckt das den ein oder anderen Täter ja ab.