Seit Jahren besitzt Margit Schmeckenbecher eine Saisonkarte bei den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB). Ihre Freizeit auf dem heimischen See genießt die Rentnerin wie viele tausend Touristen, die Jahr für Jahr nach Süddeutschland reisen. In diesem Sommer jedoch wurde trotz besten Wetters ihre Laune des Öfteren schwer getrübt.

„Es wird immer unverschämter mit der Gastronomie auf den Schiffen“, schrieb Schmeckenbecher an die BSB, nachdem sie auf einer Fahrt von Konstanz nach Langenargen „massiv des Platzes im Mitteldeck verwiesen“ worden sei, weil sie nichts bestellen wollte.

"Es ist eine Frechheit, wie mit den Fahrgästen umgegangen wird"

„Man wird zu einem Spielball der Gastronomie gemacht“, schimpft die Konstanzerin, die nach eigener Aussage noch nie Probleme auf einem der Schweizer Ausflugsschiffe auf dem Bodensee gehabt habe. Auf der Rückfahrt von Langenargen sei dann das komplette Mitteldeck für das Eindecken und den Buffet-Aufbau für eine „Grill&Chill“-Fahrt reserviert gewesen.

„Es ist schon eine Frechheit, wie mit den Fahrgästen umgegangen wird“, fährt Schmeckenbecher fort, die auch ein Gewitter erlebt haben will, bei dem die Leute unter Dach dicht gedrängt im Eingangsbereich gestanden hätten, während das leere Mitteldeck für einen Pasta-Plausch mit Reserviert-Kärtchen freigehalten worden sei.

Margit Schmeckenbecher ärgert sich über Zweiklassengesellschaft auf den Schiffen

Gastronomie-Pächter Dieter Wäschle versteht die Aufregung nicht. „Im Schnitt sind 30 bis 35 Prozent der Plätze für die Restaurantfläche reserviert, das ist von Schiff zu Schiff verschieden“, sagt er. „Der Rest ist Freifläche.“ Darunter seien Schattenplätze, Sonnenplätze, windgeschützte Bereiche. „Fast immer hat man eine 360-Grad-Sicht, innerhalb und außerhalb der Restaurantbereiche“, fährt Wäschle fort. „Jeder findet ein Plätzchen, wo es ihm gefällt.“

Während Margit Schmeckenbecher sich über eine Zweiklassen-Gesellschaft auf einem regulären Kursschiff ärgert, vergleicht Dieter Wäschle die Boots-Gastronomie mit einem normalen Restaurant. „Auch im Stadtgarten dürfen Sie sich auf alle Bänke setzen, aber nicht ohne zu konsumieren auf die Konzilterrasse“, erklärt er.

Und weiter: „Ganz viele Gäste finden es klasse. Wenn man konsumiert, herrscht eine ganz andere Atmosphäre. In der Bahn ist es im Speisewagen auch entspannter als auf den nicht reservierten Plätzen.“ Im Übrigen akzeptiere die große Mehrzahl die Situation. „Man muss es ihnen nur erklären.“

Nicht jede Ansprache wird als freundlich empfunden

Eine Frage allerdings scheint nicht eindeutig beantwortet: Dürfen Gäste, die nichts konsumieren, in bewirteten Bereichen sitzen, falls dort noch Plätze frei sind? Die Gastronomiebereiche „sind allen Fahrgästen zugänglich und der Aufenthalt dort ist auch ohne Verzehr gestattet, wobei sich das Personal vorbehält, Gästen, die etwas verzehren möchten, bevorzugt Plätze anzubieten und gegebenenfalls auch nicht konsumierende Fahrgäste höflich zu bitten, den Platz freizumachen“, umschreibt es die Presseabteilung der Stadtwerke Konstanz. Dieter Wäschle sagt: „Dort sollte man schon etwas verzehren. Unsere Mitarbeiter weisen die Gäste ansonsten freundlich darauf hin.“

Die Konstanzerin hofft, dass die einheimischen Saisonkartenbesitzer nicht vergessen werden

Als freundlich hat Margit Schmeckenbecher die Ansprache auf dem Schiff jedenfalls nicht empfunden. Dennoch wird sie auch weiterhin ihre Freizeit an Bord der BSB-Schiffe genießen. „Ich liebe den Bodensee und unsere tolle Region“, sagt sie, „man darf aber die einheimischen Saisonkartenbesitzer einfach nicht vergessen.“