Konstanz Auf die Gemeinschaft kommt es an: Weihbischof appelliert an Gläubige zum Abschluss der Konradiwoche in Konstanz

Die katholische Kirche schließt mit dem Konradifest die Woche im Zeichen des Stadtheiligen Konrad ab. Der Weihbischof Paul Wehrle forderte die Christen auf, mehr gesundes Selbstbewusstsein zu zeigen.

"Wir beten auch für eine gute Regierung in Berlin, auf die wir warten", sagte Dekan Mathias Trennert-Helwig eingangs des Pontifikalamts zum Abschluss der Konradifestwoche im Münster. Mit zwei großen Gottesdiensten ehrte die Münsterpfarrei ihren Schutzpatron, den heiligen Konrad von Konstanz. Jener habe im geistlichen und wörtlichen Sinne Fundamente gelegt, erläuterte Trennert-Helwig.

Das imposante Konradslied sei ihm eines der liebsten Heiligenlieder, bekannte Christian Heß, Leiter des Erzbischöflichen Priesterseminars Collegium Borromaeum in Freiburg, in seiner Predigt. Die beiden Schöpfer – Conrad Gröber (1872-1948) und Franz Philipp (1890-1972) – bezeichnete er als ambivalente Protagonisten. Gröber sei zunächst vom sogenannten Tausendjährigen Reich beeindruckt gewesen, bevor er sich, wie Heß sagte, zum "größten Feind der NSDAP und des nationalsozialistischen Staates" gewandelt habe. Im Lied selbst komme die kämpferische Haltung Gröbers ebenso zum Tragen wie seine dichterische Begabung.

Zwischen Kunst und Nazi-Vergangenheit

"Franz Philipp hat wunderbare Orgelwerke und schöne Chormusik geschaffen, aber er hat sich auch dem NS-Regime angedient. Der Komponist im Dienst der Diktatur blieb zugleich gläubiger Katholik", beschrieb Heß die Zwiespältigkeit des Musikers. "Seine Vertonung des Konradsliedes bleibt dennoch grandios. Wenn beim 'Sankt Konrad bitt für uns' die Melodie eine ganze Oktave nach oben springt, hören wir daraus die Sehnsucht des gläubigen Musikers nach einem barmherzigen Gott im Himmel, der über die Irrungen und Wirrungen der Zeit hinweg in seiner Kraft und Liebe treu bleibt", ergänzte er.

Mit dem Vers "O führ zurück, was lang getrennt!" schlug Heß den Bogen zur Reformation. Damals sei viel Gutes über Bord geworfen worden, aber "im Jahr des Reformationsgedenkens sind wir in Deutschland Gott sei Dank weiter: Wir sind gemeinsam auf dem Weg."

Bischof Konrad sei nicht nur ein Erbauer von Kirchen gewesen, sondern er sorgte dafür, dass die Geistlichen untereinander eine gute Gemeinschaft bildeten. "Ein eifriger Seelsorger und geschickter Politiker", erklärte der Regens. "Damals reiste Konrad in die weite Welt, heute reist die weite Welt nach Konstanz, um die Schönheit dieser Stadt und ihrer Region zu bewundern", erklärte Christian Heß.

"Gesundes Selbstbewusstsein" für Christen

In seiner Festpredigt während der Konradifeier am Abend forderte Weihbischof Paul Wehrle die Christen auf, wieder mehr gesundes Selbstbewusstsein zu zeigen, "identisch Kirche zu sein, erkennbar und unterscheidbar in weltanschaulich pluraler Gesellschaft". Dies sei kein Programm oder Statut, sondern die Person Jesus Christus. "Für die Lebenskraft heißt dies: Der Beitrag der Kirche in heutiger Zeit ist eine Spannkraft, die Kraft zu langem Atem, die Kraft zum Dranbleiben und Durchhalten – auch bei Enttäuschungen."

Leider sei es jedoch im Alltag so, dass langfristiges, von Nachhaltigkeit geprägtes Handeln – obwohl in verschiedensten Lebensbereichen dringlich angezeigt – immer schwieriger werde oder gar unterbleibe. "Entsprechend breiten sich Unbehagen und Unzufriedenheit aus bis hin zu resignierenden oder gar extremen Reaktionen", mahnte der Weihbischof. Menschen können einen verantwortlichen Lebensstil entwickeln, der inmitten vieler Probleme frei werden lasse, ohne dabei unverbindlich zu sein, sagt er überzeugt. "Kirchliches Handeln ist sehr wohl engagiert, aber nicht fixiert", betonte Wehrle.

 

Der heilige Konrad

Konrad wurde um 900 in Altdorf, heute Weingarten, geboren. Im Alter von acht Jahren kam er in die Konstanzer Domschule. Später studierte er Philosophie. Konrad wurde 934 zum Bischof gewählt. Als kirchliches Oberhaupt von Konstanz förderte er eine rege Bautätigkeit. Konrads Sorge galt auch den durchreisenden Pilgern. Am Obermarkt errichtete er das erste Spital. Bei Kirchengründungen dienten ihm die Patriarchalbasiliken Roms als Vorbild. Zahlreiche Klöster und weitere Spitäler gehen auf seine Initiative zurück. Konrad entwickelte eine städtebauliche Vision für die kleine Marktsiedlung am Bodensee. Er starb am 26. November 975 in Konstanz. Konrad wird seit 1123 als Heiliger verehrt.

 

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