Mein Haus, mein Auto, mein Boot.

Wer am Bodensee wohnt und über den passenden Kontostand verfügt, kann beim nächsten Klassentreffen ähnlich wie in der kultigen Werbung eines Kreditinstituts mit seinen Statussymbolen protzen.

Wenn da nur die räumliche Enge unserer herrlichen Region in und um Konstanz nicht wäre...

Der Grundstückspreis ist längst in schwindelerregende Höhe geklettert, Abstellplätze für Autos werden immer rarer, und auch das Boot muss ja zwischen den Ausflügen und im Winter irgendwo deponiert werden. Wohl dem, der einen Liegeplatz in einem der vielen Häfen hat.

Das Problem: Wer über einen Liegeplatz verfügt, gibt ihn verständlicherweise nicht mehr her. Die Wartelisten sind ellenlang, Wegzug oder Tod sind in der Regel die einzigen Gründe, warum Plätze frei werden.

Die Preise für die begehrten Anliegestellen könnten unterschiedlicher kaum sein

Wer beispielsweise in einem kommunalen Verein Mitglied ist, zahlt kaum mehr als 200 Euro – pro Jahr. Private Unternehmen, die mit ihren zum Verkauf stehenden Booten gleichzeitig Plätze vermieten, wollen schon mal 2000 bis 4000 Euro für einen Platz haben – pro Saison, also von April oder Mai bis September.

Die Nachfrage regelt auch hier den Preis.

Unternehmen wie Bodenseenautic in Dettingen bieten einen so genannten Slip-Service an. Das heißt, dass die Yachten zu einer bestimmten Uhrzeit im Hafen Wallhausen gewässert werden und zu einer bestimmten Zeit dort wieder abgeholt und zurück auf den Trockenliegeplatz in die firmeneigene Halle gebracht werden. Auch in Wallhausen ist das möglich. Hier stehen auch zeitlich beschränkte Gästeplätze in Aussicht. Inbegriffen sind in der Regel das Rundum-sorglos-Programm mit Reinigung und Wartung, was wiederum die Lebensdauer deutlich erhöht.

Udo Havixbeck vom Marine Center Diebold wird deutlich: "Natürlich hätten wir gerne mehr Plätze zur Verfügung", sagt er. "So, wie es jetzt ist, ist es ja ein Tohuwabohu. Doch es ist ja auch so: Die wenigen Plätze halten viele Menschen davon ab, sich ein Boot zuzulegen."

Udo Havixbeck vom Marine-Center Diebold in Dettingen steht vor den Booten der Ausstellung. Wer hier ein Boot kauft, hat gute Chancen auf einen Liegeplatz in Dingelsdorf – was jedoch seinen Preis hat.
Udo Havixbeck vom Marine-Center Diebold in Dettingen steht vor den Booten der Ausstellung. Wer hier ein Boot kauft, hat gute Chancen auf einen Liegeplatz in Dingelsdorf – was jedoch seinen Preis hat. | Bild: Schuler, Andreas

Was ihn persönlich ärgert, sind Personen, die seit Jahren Plätze haben, aber ihre Schiffe lange Zeit nicht bewegen – teilweise jahrelang. "Das kann man zwar nicht wirklich verhindern, doch das ist nicht fair denen gegenüber, die gerne jedes Wochenende unterwegs wären, das aber nicht machen können, da sie nicht wissen wohin mit dem Schiff."

Sein Unternehmen verfügt über vier, womöglich auch fünf Plätze am Fließhorn in Dingelsdorf – das hängt von der neuerlichen Vergabe im Frühling ab. "Das ist für uns ein gutes Verkaufsargument", gibt er offen zu. "Denn wer sich ein Boot leisten kann, ist in der Regel auch bereit, für einen Liegeplatz entsprechend zu bezahlen." Den genauen Betrag möchte er nicht nennen, aber der bewege sich in der Tat zwischen 2000 und 4000 Euro pro Liegeplatz.

Grundsätzlich gilt: Vorrang hat immer derjenige, der im Ort wohnt, in dem der gewünschte Liegeplatz ist – also in Litzelstetten, Konstanz, Dingelsdorf oder Dettingen-Wallhausen

Vor dem Eintritt in den jeweiligen Verein muss zunächst ein Antrag auf Mitgliedschaft gestellt werden. "Früher war sogar ein Bürge notwendig", erinnert sich Rudi Geiger vom Yacht-Club. "Doch das hat sich überholt."

Sollte dem Antrag auf Mitgliedschaft auf Probe entsprochen werden und damit die Hoffnung auf einen Liegeplatz verbunden sein, müssen sich die potenziellen Neuen zunächst einmal beweisen. "So ein Verein lebt ja vom Engagement der Mitglieder", sagt Rudi Geiger. "Und nur so sind Mitgliedschaft und Gebühren für Bootsliegeplätze so günstig zu halten."

Er sei immer wieder verwundert, wenn Auswärtige beim Namen Yacht-Club zusammenzucken und eine Ansammlung von Millionären erwarten: "Dabei ist das gar nicht so. Wir sind kein Eliteclub, sondern ganz normale Menschen mit Spaß am Wassersport."

Der Deutsch Schweizerischer Motorboot-Club DSMC achtet wie andere Einrichtungen genau darauf, dass Liegeplätze oder Gastliegeplätze nur an diejenigen Mitglieder vergeben werden, die sich einbringen in den Club. Folgende Aktivitäten können ausschlaggebend sein: Arbeits- und Regattaeinsätze, Bewirtungen, Traineraufgaben, Seedienst oder Teilnahme am aktiven und geselligen Clubleben.

Wer einen festen Platz hat, sich aber über drei Jahre nicht am Clubleben beteiligt oder kein Wassersport betreibt, muss damit rechnen, vom Vorstand den Platz per Kündigung zum Jahresende entzogen zu bekommen.

Der Sportverein Dingelsdorf verfügt über 116 Wasserplätze. Laut Satzung dürfen davon rund zehn Prozent mit Motorbooten besetzt sein – derzeit sind es 16. Vorstand Günther Brugger: "Es ist klar geregelt, dass 50 Prozent der Plätze Dingelsdorfern vorenthalten sind, 30 Prozent Konstanzern und die übrigens 20 Prozenten Wassersportfreunden von überall."

70 Dingelsdorfer stehen auf der Warteliste, zwischen 50 und 70 Konstanzer "und sehr, sehr viele Auswärtige", wie Günther Brugger sagt. Ein Platz kostet zwischen 600 und 900 Euro pro Saison, "womit wir wirklich günstig sind. Das wollen wir auch nicht ändern, denn jeder soll sich das leisten können", sagt der Vorstand.

Die Stadt Konstanz vermietet laut Homepage rund 300 Liegeplätze am Seerhein und am Schänzle. Liegeplatzmieter müssen die Verlängerung des Mietverhältnisses schriftlich beantragen. Die Verlängerung wird jeweils für die Zeit vom 1. April bis zum 31. März des Folgejahres beantragt.