Konstanz Auf dem Weg zur Großbaustelle: Vorbereitungen an der Reichenaustraße laufen

Die Vorbereitungen auf einen Baustart an der Reichenaustraße laufen. Auf dem bei Konstanzern bekannten Wembleygelände sollen bis 2019 ein Hotel, ein Tagungs- und Seminarzentrum sowie ein Parkhaus entstehen.

Die Vorbereitungen laufen, der Spatenstich ist für den Sommer geplant. Nach jahrelangem Hin und Her soll an der Reichenaustraße in absehbarer Zeit das neue Tor zur Stadt entstehen. Das sagt Projektentwickler Euroconcept. Er ist bei dem mehr als 60 Millionen Euro teuren Projekt an Verträge gebunden.

Am Rande des Areals zwischen Reichenaustraße und Line-Eidstraße stehen Container der Bregenzer Firma I+R, die Euroconcept als Generalunternehmer verpflichtet hat. Ein großes Banner als Ankündigung auf das Bauvorhaben mit Hotel, Tagungszentrum und Parkhaus ist längst verschwunden. Das sind Zeichen, die als Vorboten für eine baldige Bebauung gelten. Der Projektentwickler wird "die Realisierung aller Baukörper gleichzeitig in Angriff" nehmen, lässt Euroconcept auf Anfrage durch Philipp Webler mitteilen. Der Mitarbeiter des Wirtschaftskontors Rotherbaum aus Hamburg ist zwischenzeitlich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit für das Großprojekt.

Der erste Bagger steht, die Baustelle zwischen Reichenaustraße (im Hintergrund) und Line-Eid-Straße steht vor der Einrichtung.
Der erste Bagger steht, die Baustelle zwischen Reichenaustraße (im Hintergrund) und Line-Eid-Straße steht vor der Einrichtung. | Bild: Philipp Zieger

Bis dahin hatte Euroconcept-Prokurist Kurt Breit selbst Auskünfte gegeben. Etwa darüber, weshalb er lange vom Spatenstich gesprochen hatte, auf dem Gelände aber nichts passiert ist. Das hatte unterschiedliche Gründe. Mal musste Euroconcept Ausgleichsflächen für streng geschützte und umzusiedelnde Zauneidechsen schaffen, mal musste das Schweizer Unternehmen mit Konstanzer Niederlassung Gutachten nachreichen, mal gingen Gewerbeflächen nicht mit dem Bebauungsplan konform, mal wünschten Vertragspartner "Optimierungen".

Zuletzt hatte der Gestaltungsbeirat aus Gründen einer besseren Wirtschaftlichkeit neu vorgelegte Entwürfe kritisiert. Diese beanstandeten Punkte seien abgearbeitet, erklärt Philipp Webler.

Es spricht also nichts gegen einen baldigen Baustart? Die Stadtverwaltung, genauer gesagt das Baurechts- und Denkmalamt weiß nicht viel mehr als: "Es liegen keine Informationen hinsichtlich eines geplanten genauen Baubeginns vor", erklärt die städtische Pressestelle auf Anfrage. Euroconcept ist allerdings an Zusagen gegenüber Tristar gebunden. Das Berliner Unternehmen hat im Jahr 2015 einen Kooperationsvertrag mit der weltweit agierenden und renommierten Hotelgruppe Hilton geschlossen. Tristar will in Konstanz ein Hampton-by-Hilton betreiben mit 183 Zimmern und wird wohl auf eine rasche Umsetzung des Projekts drängen. Bei Verzögerungen drohen Konventionalstrafen. Im Herbst 2018 sollen die ersten Übernachtungsgäste anreisen.

 

Die Pläne

  • Das Gelände: Bei vielen älteren Konstanzern ist die Fläche zwischen Reichenau- und Line-Eid-Straße als Wembleygelände bekannt. Im Süd-Osten des Areals hat im vergangenen Jahr ein B&B-Hotel eröffnet. Im Westen, anschließend an das Großprojekt von Euroconcept, gibt es weitere Grundstücke. Was künftig darauf erlaubt sein soll, soll ein überarbeiteter Bebauungsplan regeln: unter anderem flächensparende Ansiedlung hochwertiger Arbeitsplätze. Dies betrifft das laufende Vorhaben nicht, weil es schon im Grundsatz genehmigt worden ist.
  • Das Projekt: Etwa 63 Millionen Euro beträgt das Bauvolumen und beinhaltet das Maxx-e-Motion als Gebäude mit Tagungs- und Seminarräumen, Gastronomie, Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen sowie Büros für externe Unternehmen. Daneben steht ein Hotel für 366 Gäste unter der Marke Hilton sowie ein Parkhaus mit bis zu 420 Stellflächen.
 

Für Tristar ist der Konstanzer Markt lohnenswert: "Für uns ein attraktiver Hotelstandort für Businessgäste und Touristen", erklärt das Berliner Unternehmen auf Anfrage. Es rechnet mit einer 70-prozentigen Auslastung der Hotelzimmer, die unter 100 Euro die Nacht inklusive Frühstück kosten sollen. Einen schnellen Rückzieher bei einer Auslastung unter den Erwartungen soll es nicht geben: "Wir planen auf jeden Fall langfristig in Konstanz."

Sechs Monate länger, bis Frühjahr 2019, werde der Bau des Maxx-e-Motion in Anspruch nehmen, das vor wenigen Monaten noch Car-Emotion-Center hieß. Innen wie außen werde die Architektur für ein solches Objekt neue Maßstäbe setzen, heißt es auf Anfrage vollmundig. Der konzeptionelle Fokus konzentriert sich längst nicht mehr auf ein Angebot für Autoliebhaber nach dem Stil der Meilenwerke in Böblingen und Berlin, sondern auf Tagungen und Seminare. Prospekte für das Projekt zeigen zwar immer noch Ausstellungsflächen für Oldtimer. Seinen Wagen über einen Aufzug bis zum Hotelzimmer mitnehmen zu können, war eine Idee vergangener Jahre. Im Erd- und im Dachgeschoss werde Gastronom Pino Arena aus Überlingen die Restaurants führen. Verhandlungen mit Firmen aus der IT- und Kommunikationsbranche sowie Softwareentwicklung liefen. Sie sollen sich auf drei Etagen einmieten können. Eine von Euroconcept gegründete Betriebsgesellschaft übernehme Centermanagement und werde Gobalmieter für die multifunktionalen Ausstellungs- und Seminarräume sein.

Und noch ein neues Hotel: So soll das Maxx-e-Motion Center am Rand von Stromeyersdorf aussehen. Die Tourismusbranche wird zunehmend nervös, und jetzt fühlt sie sich auch noch von Plänen zur Erhöhung der Kurtaxe überrumpelt.
Und noch ein neues Hotel: So soll das Maxx-e-Motion Center am Rand von Stromeyersdorf aussehen. Die Tourismusbranche wird zunehmend nervös, und jetzt fühlt sie sich auch noch von Plänen zur Erhöhung der Kurtaxe überrumpelt. | Bild: Euroconcept

Das Parkhaus mit 420 Stellplätzen wird die Gewerbebaufirma Goldbeck errichten. Euroconcept-Prokurist Kurt Breit hatte es dem Gestaltungsbeirat als "Wohlfühl-Parkhaus" angekündigt. Gremiumsvorsitzender Jörg Aldinger warf Breit daraufhin vor, er erzeuge Bilder, die durch die Planung nicht gewährleistet seien: Die Breiten der Stellflächen etwa orientierten sich an Mindestanforderungen. Inwieweit das Parkhaus nach einer angekündigten Optimierung zum Wohlfühlen anregen soll, dazu erklärt Pressesprecher Webler, die Flächen seien erheblich vergrößert worden und hell ausgeleuchtet.

Euroconcept habe auf weitere Kritikpunkte reagiert. Public Viewing wird es auf dem Platz zwischen den drei Gebäuden nicht geben, "außerdem ist eine sehr umfangreiche Bepflanzung und Begrünung des gesamten Bau-Ensembles gewährleistet", erklärte Philipp Webler.

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