Es war eine Situation, die so gar nicht zu Konstanz passte. Zu einer Stadt, die die Diskussion nicht scheut, die in diesen Punkten doch liberal ist.

Es war eine Situation, bestehend aus einer Mischung aus "Das wir man ja noch sagen dürfen" und "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich".

Die Bühne: Samstagmittag, am Ende der Rosgartenstraße

Ein Mann hat große Tafeln umgehängt, auf denen er seine Meinung und seinen Unmut geschrieben hat. Ansichten, die man nicht teilen muss, durchaus nicht teilen kann oder gar darf.

Soeben hatte sich der – nennen wir ihn Demonstrant – noch in einem Wortwechsel mit einem Passanten befunden, als ein junger Mann auf ihn losgeht. In der Hand ein Skateboard, auf dem Kopf türkisgefärbtes Haar. Er schreit auf den Demonstranten ein, dieser sei ein Faschist, er solle die Tafeln abnehmen. Andernfalls werde er ihm sein Brett, in Skaterkreisen heißt es eigentlich Deck, über den Kopf ziehen. Er bedrängt den Demonstranten, sodass dieser weicht.

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Ein Versuch, die Gemüter zu beruhigen, scheitert. Kaum den Appell an beide gerichtet, sich zu beruhigen, schaltet sich ein weiterer Passant ein. Das sei faschistisch, was auf den Tafeln stehe, sagt auch er. Keine Chance. Und da hat der junge Mann mit den türkisfarbenen Haaren bereits sein Skateboard erhoben.

Die Zuschauer: Filmen, wo sie reden sollten

Richtig zugeschlagen hat er nicht. Er hat aber klar eine Grenze überschritten. Der Demonstrant bleibt ruhig. Etliche Menschen beobachten die Szene, die sich lange hinzieht. Manche filmen mit ihren mobilen Endgeräten mit. Dass sie damit das Recht am eigenen Bild anderer verletzen, interessiert sie nicht.

Der junge Mann lässt nicht locker, auch nicht im körperlichen Angriff auf den Demonstranten. Längst ist die Polizei gerufen. Und die Diskussion geht selbst dann noch hitzig weiter, als die Beamten eingetroffen sind.

Doch dann haben sich etliche weitere Zuschauer hinzugesellt, eine Frau tauscht mit dem jungen Skater heftig Argumente aus. So, wie es eigentlich sein muss. Ohne körperlichen Angriff.

Das passt zu Konstanz.

Die Moral von der Geschicht': Das bedeutet Demokratie

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass Demokratie schmerzhaft sein kann: Man muss, egal welch eigener politischer Gesinnung, die Meinung des anderen ertragen können, tolerieren – nicht akzeptieren. Und dem anderen zugestehen, was man für sich selbst einfordert. Ob es einem passt oder nicht.

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