Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Konstanz glänzte in den 1950er-Jahren mit herausragenden Mitgliederzahlen, das geht aus den zusammengetragenen Materialien von Arnulf Moser hervor. Dieser hatte mit einer mageren Quellenlage zu kämpfen. Die Awo selbst hat kein zusammenhängendes Archiv zum Ortsverein seit dessen Gründung am 1. September 1946. Im SÜDKURIER allerdings fanden sich immer wieder Berichte über die Entwicklungen. Moser wertete sie aus. Der frühere Geschichts- und Französischlehrer an der Wessenbergschule arbeitet seit Jahren historisch zu regionalen Sozialthemen. Aktuell befasst er sich mit den Besatzungskindern in Konstanz. Zum 70-jährigen Bestehen legt die Awo auch ein neues Internet-Handbuch zu den sozialen Einrichtungen in Konstanz vor (siehe unten).

Nach den von Moser ausgewerteten Daten zählte Konstanz in den Jahren 1957 und 1958 zu den größten Awo-Ortsverbänden in Südbaden. Der lokale Verband zählte damals 710 und 833 Mitglieder. Allerdings hatte er schon früh ein Strukturproblem: Ihn trugen vor allem ältere Menschen. Im Jahr 1978 soll das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 68 Jahren gelegen haben. Heute hat die Awo nicht einmal mehr 100 Mitglieder. Wie auch andere Wohlfahrtsorganisationen hat sie eine professionelle Führung und eine eher kleine Mitgliederbasis.

Bis in die 80er-Jahre kamen die Vorsitzenden aus handwerklich-gewerblichen Berufen, sie waren Zimmerpolier, Maler, Schreinermeister. Die enge Verbindung zur SPD, die Awo Deutschland wurde 1919 als Unterorganisation der Partei gegründet, 1933 mit Organisationen des NS-Regimes gleichgeschaltet und 1945 als selbstständige Wohlfahrtsorganisation wieder gegründet, zeigte sich auch bei den Awo-Engagierten in Konstanz. Zahlreiche Akteure des Ortsvereins waren für die SPD aktiv, darunter etwa die Ex-Stadträte Roland Schöner, Brigitte Leipold und Helga Jauss-Meyer sowie der Ex-Minister Peter Friedrich.

Zu den zentralen Themen in den Gründerjahren gehörten die Notlage von Kindern und Jugendlichen sowie elementare Hilfen für Flüchtlinge. Die Awo setzte sich für Erholungsaktionen ein, bei denen Kinder etwas erlebten und sich satt essen konnten. Im Flüchtlingslager in Egg verteilte sie in Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen Lebensmittel und Kleider an Bedürftige. Der Ortsverein vermittelte auch Kuren und Erholungsaufenthalte für Mütter und setzte sich für ältere Menschen ein. Er organisierte für letztere Weihnachtsfeiern, Ausflüge und Nachbarschaftshilfen. 1974 bis 1979 unterhielt er einen Altenclub am Zähringerplatz.

Räumlich war die Awo in Petershausen verwurzelt, sie hatte Sitze im ehemaligen Militärlazarett in der Friedrichstraße 21, an und in der Schule Petershausen, am Zähringerplatz und in der Steinstraße. Die Friedrichstraße 21 spielte eine besondere Rolle. Der Verein mietete ab Sommer 1981 das gesamte Gebäude, stürzte sich allerdings wegen hoher Sanierungskosten in finanzielle Abenteuer. Es folgen jahrelange Ringkämpfe um das Haus, das damals dem Bund gehörte. Weder dem Orts- noch dem Kreisverband gelang der Kauf. Die Awo mit ihren Einrichtungen blieb dort immer Mieterin, anfangs beim Bund, inzwischen bei der Wohnungsbaugesellschaft Konstanz. 1997 zog der Ortsverein ins neue Haus des Kreisverbands im Chérisy-Areal. "Sie deckt ein wichtiges Segment der Sozialpolitik ab", sagt Moser über den Wohlfahrtsverband.

 

Sozial-Datenbank

Der Awo-Ortsverein hat in einem Internet-Handbuch alle sozialen Einrichtungen in Konstanz erfasst. Es informiert über den Zweck der Einrichtung, Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Standort und Internetseite. Die Datenbank bietet mehrere Suchkategorien. Der Ortsverein trägt den Großteil der Kosten für die Entwicklung der Internetseite, Zuschüsse haben die Sozialstiftung der Awo Baden, die Stadt und die Liga-Verbände der Stadt gegeben. Die Mitarbeiter der Awo im Treffpunkt Chérisy pflegen die Daten. Änderungen und Bitten um Neuaufnahmen sind per Mail möglich: cherisy@awo-konstanz.de.

Die Datenbank der Arbeiterwohlfahrt: www.awo-ov-konstanz.de