Auf der Großbaustelle an der Laube geht es voran. Der Rückbau des Vincentiuskrankenhauses wird voraussichtlich Mitte Oktober beginnen. „Das hängt unter anderem vom Stand der archäologischen Ausgrabungsarbeiten ab“, sagt Brigitte Reibenspies, Pressesprecherin der LBBW Immobilien Management GmbH, die das Areal für rund zehn Millionen Euro gekauft hat.

Der Rückbau des Gebäudes dauert rund drei bis vier Monate, danach steht der Aushub der Baugrube auf dem Programm. Doch bevor das Projekt in die Zukunft starten kann, sind noch die Archäologen fleißig auf dem Gelände, unter dem ein Teil des früheren Schottenfriedhofs liegt – einst einer der Konstanzer Hauptfriedhöfe.

Teilnehmer des Konzils liegen auf dem ehemaligem Friedhof

„Wir untersuchen den Friedhof und was darunter liegt. Vielleicht finden wir dort noch ältere Bereiche, die interessant sein könnten“, sagt Markus Wolf, Gebietsreferent für Stadtarchäologie in Konstanz vom Landesamt für Denkmalpflege. „Der Friedhof bietet ein sehr interessantes Abbild der Bevölkerung vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Da liegen sicherlich auch noch Teilnehmer des Konzils“, fährt Wolf fort.

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Anthropologin Carola Berszin kümmert sich derzeit um ein Grab mit sechs Personen. „Das könnten Pest-Opfer sein oder Opfer von der Schlacht auf der Rheinbrücke im Jahr 1548“, erklärt sie. Die Konstanzerin berät das externe Unternehmen Archaeograph, das seit Februar die Grabungen durchführt. Wolfs Behörde überwacht die Arbeiten. „Da es ein eingetragenes Kulturdenkmal ist, gehören die Funde grundsätzlich dem Land“, sagt Wolf. Wenn er und seine Kollegen alle Funde erfasst haben, werden sie ins zentrale Fundarchiv nach Rastatt gebracht.

Sperrungen oder Baustellen auf der Laube sollen vermieden werden

Der neue Besitzer des Areals geht davon aus, dass der an die Grabungen anschließende Rückbau „ohne größere Behinderungen der Anwohner bewältigt werden kann“, sagt Pressesprecherin Brigitte Reibenspies. Der Abbruch werde mit modernstem Gerät und ausschließlich auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Grundstück selbst realisiert. „Auf Sperrungen oder eine Baustelleneinrichtungsfläche entlang der Unteren Laube kann verzichtet werden“, verspricht die Pressesprecherin. „Die Einschränkungen für Anwohner, Passanten und Verkehrsteilnehmer sollten sich damit auf ein Minimum beschränken.“

Wohnungen für Familien, Paare und Singles sollen entstehen

Während des Kunstprojekts Visite habe es laut Reibenspies „ein reges Interesse an den Wohnungen“ gegeben. „Zahlreiche Konstanzer nutzten die Gelegenheit, um sich vor Ort in die Interessentenliste aufnehmen zu lassen“, ergänzt sie.

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Im neuen Wohnquartier mit dem Namen Laubenhof werde es einen Mix aus Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen geben. „Die Wohnungsgrößen reichen von 40 bis 160 Quadratmeter“, sagt Reibenspies, die „Familien mit Kindern, Paare sowie Singles“ als Zielgruppe angibt.

 

Die Geschichte hinter dem Projekt Laubenhof

 

  • 12. Jahrhundert: Auf dem Gelände erbauen irische Mönche das Schottenkloster St. Jakob erbaut.
  • 1530: Das Kloster wird aufgelöst und abgerissen. Die Stadt richtet an der Stelle den neuen Hauptfriedhof ein. Aus diesem Grund sind Wissenschaftler dort auf Gräber gestoßen.
  • 1870: Der alte Friedhof wird nicht mehr gebraucht und aufgelöst.
  • 1888: Das Vincentius-Krankenhaus geht in Betrieb.
  • 2016: Die Landesbank Baden-Württemberg, genauer gesagt eine Immobiliensparte des Unternehmens, hat das Areal des früheren Vincentiuskrankenhaus an der Laube für rund zehn Millionen Euro erworben.
  • 2019: Spatenstich für das neues Quartier namens Laubenhof. Die nicht denkmalgeschützten Gebäude des Krankenhauses werden dafür abgerissen und neu bebaut. 650 Quadratmeter sind für Gewerbe und eine Nutzung mit 126 Wohnungen, Büros und vielleicht auch Gastronomie im historischen Altbau des Krankenhauses geplant. Etwa 160 Stellplätze sollen in einer Tiefgarage unterkommen.