Die Haare ein wenig verstrubbeln und die Hände geschickt vors Gesicht halten, und plötzlich war da der Schattenriss eines Gorillas zu sehen. Günter Fortmeier, Träger des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg, zauberte sich mit seinen Fingern durch die Welt der Schattentiere. Kinder und Erwachsene hatten ihren Spaß. So war dies bei fast allen Programmpunkten auf der Kantinale im Neuwerk. Die Mischung aus Lokalkultur, Gästen aus der Kleinkunstszene sowie Mitmachaktionen sprach alle Generationen an. Hunderte Gäste drängten zu den Aufführungen, die fürs Publikum gratis waren.

Pünktlich zum Start ballten sich dunkle Wolken über Konstanz. Regen hing in der Luft. Harald Kühl, Moderator von der mitorganisierenden Agentur Die Regionauten, behielt recht mit seiner Prognose, dass die Kantinale allen Schlechtwetter-Prognosen trotzen werde. Schon nach der ersten Aufführung hallten die ersten Zugabe-Rufe durch den Innenhof des Neuwerks. Sechs Mädchen des Humboldt-Gymnasiums hatten als Band Sunday begeistert. Amelie Roscher und Luzia Klenk demonstrierten, dass Blockflöten ganz schön poppig klingen können. Die Mädchen unterstützten in den Spielpausen den Gesang. Amelie Roscher war auch am Saxophon zu hören. Doppelrollen hatten Maya Klein, die sang und Gitarre spielte, sowie Emilia Onea, die sang und am Elektroklavier zu hören war, für die Begleitung sorgten Nina Haake (Schlagzeug) sowie Carla Baumgartner (Bass). Die Mädchen spielen erst seit knapp einem Jahr unter der Leitung des Lehrers Wolfgang Feucht zusammen. Einige der Mädchen waren schon als kleine Kinder Gäste auf dem Fest.

Stürme von Applaus erntete der Tanzclub des Jungen Theaters mit seiner Wiederaufführung von Walk of Fame – Stürzen oder fliegen. Im Tanzstück unter der Regie von Tanja Jäckel geht es ums harte Geschäft des professionellen Showtanzes. Die Jugendlichen auf der Bühne zeigten in Tanzchoreografien, wie sich der Konkurrenzkampf in den Alltag der Talente frisst, und wie diese es doch schaffen, sich gemeinsam gegen die unmenschlichen Anforderungen aufzulehnen.

Einfach nur HipHop tanzen, das wollten die Jungs um Bali Ibraimi. Was Zuschauer zunächst für eine Vorführung hielten, war der spontane Zusammenschluss von Kindern und Jugendlichen, die Rap, Breakdance und HipHop mögen. "Ich habe hier nur ein bisschen animiert", sagte der Freizeit-Tanztrainer Bali. Eine Gruppe von Kindern folgte seinen Bewegungen, darunter auch syrische Flüchtlinge. Tanzen kenne eben keine kulturellen Grenzen, sagte Bali. Zu den Kleinkunst-Gästen auf den Bühnen der Kantinale gehörten auch Max von Falkowski vom Wangener Puppentheater, der mit einem klassischen Kasperle-Stück die Kinder mitfiebern ließ. Er spielte mit mehr als 80 Jahre alten Figuren, die von ihm neu eingekleidet wurden. Die Angebote der Musikgruppen auf der Bühne reichten vom Gipsy-Jazz über Folk-Rock zum Rap.

"Das Programm hier ist anders, man wird überrascht", schwärmte Hanna Kasper, die mit ihrer vier Jahre alten Tochter Mathilda aufs Fest gekommen war. Über das "tolle gemischte Programm und die netten Leute, die man hier so trifft", freute sich Carola Jehle.

 

Das Fest

Die Kantinale im Neuwerk ging zum achten Mal über die Bühne. Das Kulturfest hat inzwischen viele Stammbesucher. Die Mischung aus einheimischen Talenten und Gästen aus der Kleinkunstszene spricht viele Menschen an. Die Kantinale findet traditionell am ersten Samstag nach Beginn des neuen Schuljahres statt. (rin)