Bei Tobias Engelsing muss man nicht wirklich Bedenken haben, dass er auf Wolke Sieben davon schweben könnte. Dabei hätte er am Mittwochabend guten Grund dazu gehabt. 600 Menschen kamen ins Konzil zur offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung des Rosgartenmuseums „Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei“. Obwohl es eben um jene zwei Kantone Appenzell Außerrhoden sowie Appenzell Innerrhoden und ihre im wahrsten Sinne des Wortes malerische Schönheit ging – im Mittelpunkt des Abends stand Museumsdirektor Tobias Engelsing.

Roland Inauen, der Vize-Landammann von Appenzell Innerrhoden und Leiter des Museum Appenzell, erinnerte sich an den ersten Moment, nachdem Engelsing ihm den Vorschlag unterbreitete, die Bauernmalerei der Region in Konstanz zu präsentieren: "Oje, dachte ich, schon wieder eine Lücke in einem Ausstellungsprogramm." Doch dann erzählte er von der Begeisterung des Deutschen. Davon, dass Engelsing sehr gut vorbereitet ins erste gemeinsame Projektgespräch ging und mehr Informationen hatte als er selbst. "Heimat ist zwar dort, wo Identität entsteht", sagte Roland Innauer. "Doch ich habe gelernt, dass Identität auch außerhalb entstehen kann. Nämlich jetzt hier in Konstanz." Tobias Engelsing verglich er mit dem Schriftsteller und Dichter Joseph Victor von Scheffel, der für die Recherche seines Werkes Ekkehard eine Woche im weltberühmten Berg­gasthaus Äscher im Alpstein verbrachte. Dazu muss man wissen, dass Scheffel in einem Atemzug mit Goethe oder Schiller genannt wird. Er, Roland Innauer, werde vorschlagen, die berühmte Kapelle in Appenzell mit den singenden Engeln in Engelsing umzutaufen. Das Publikum spendete lachend Beifall. Auf jeden Fall lohne die Lektüre des von Engelsing herausgegebenen Buches zur Ausstellung mehr als die des Ekkehard, sagt er augenzwinkernd.

Oberbürgermeister Uli Burchardt dankte seinem Museumschef dafür, "dass ich durch seine Idee in meine Kindheit zurückversetzt wurde. Mir fallen die imposanten Naturbilder und Stimmungen ein, die ich als Kind auf den Wanderungen mit meinen Eltern am Seealpsee und zum Säntis hinauf erlebt habe". Wann schmecke ein Vesper aus dem Rucksack besser als nach einem vierstündigen Aufstieg Richtung Rotsteinpass? Er geriet ins Schwärmen: "Zwischen hoch aufragenden Felsen und samtig grünen Wiesen zu lagern: Das sind Momente des Glücks, die man nicht vergisst."

Es herrschte eine ungezwungene Lockerheit im Konzil. Engelsing waren die Reden über ihn fast schon ein wenig unangenehm: "Das übermäßige Lob war zum Glück in so feinen ironischen Humor gekleidet, dass ich es nicht ganz wörtlich nehmen muss, denn im Ernst: Wir haben eine gegenseitig großartige Zusammenarbeit mit den Museen, Institutionen und Regierungen des Appenzellerlandes erlebt und sind unseren Appenzeller Partnern sehr dankbar." Die letzten neun Monate für ihn und sein gesamtes Team waren neben dem normalen Geschäft geprägt von konzentrierter Arbeit an diesem Ausstellungskonzept, der baulichen Gestaltung, der Finanzierung und dem Schreiben des Buchs. Froh war er, wenn er mal nach Zehn-Stunden-Tagen die Arbeit ruhen lassen konnte.

 

Heimat Alpstein

Der farbenfrohen Kunst der Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei widmet das Rosgartenmuseum 2017 seine Jahresausstellung bis 30. Dezember 2017. In Kooperation mit den Museen Urnäsch, Appenzell, St. Gallen und Stein werden im Kulturzentrum am Münster bedeutende Vertreter dieser naiven Malerei vorgestellt.

Tobias Engelsing lässt im Video Appenzeller Kuhglocken läuten

Aus dem Konzil erklingt das stimmungsvolle Musikstück "Gruess vo de Hondwilerhöchi"

Die neue Ausstellung"Heimat Alpstein"

  • Worum es geht: Der Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei widmet das Rosgartenmuseum 2017 seine Jahresausstellung. In Kooperation mit den Museen Urnäsch, Appenzell, St. Gallen und Stein werden bedeutende Vertreter dieser naiven Malerei vorgestellt. Geöffnet ist die Ausstellung bis 30. Dezember von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 und am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Achtung: Sie findet im Kulturzentrum am Münster und nicht im Museum selbst statt. Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Kombiticket Ausstellung und Rosgartenmuseum 7 Euro.
  • Was es kostet: Die reinen Sachkosten der Ausstellung, also Bauten, Versicherungen, Transporte, Grafiker oder Druckkosten betragen und 170 000 Euro. Rechne man die Personalkosten, kalkulatorische Mieten und die Verwaltungspauschalen mit ein, "dann liegen wir bei Vollkosten von rund 350 000 Euro", so der Museumschef.
  • Wie es sich rechnet: Den Kosten stehen laut Engelsing erwartete Einnahmen von 90 000 Euro entgehen. Er rechne mit mindestens 12 000 Besuchern, zudem hat er nach eigenen Angaben Drittmittel und Sachleistungen in Höhe von rund 60 000 gewonnen. Zum Zuschussbetrieb Museum bekennt sich Engelsing ausdrücklich: "Museen sind keine Wirtschaftsbetriebe, sondern öffentliche Einrichtungen mit dem traditionellen Auftrag, Zeugnisse der Kultur und Geschichte zu sammeln, zu erhalten, zu erforschen und dem Publikum zu vermitteln."