Konstanz Anwohner wollen Neubau in Allmannsdorf stoppen

Ein kleines Siedlungshäuschen soll einem großen Neubauprojekt weichen. Das sorgt in Allmannsdorf für ordentlichen Ärger unter den Anwohnern. Jetzt soll der Neubau im Technischen und Umweltausschuss diskutiert werden.

Bettengasse Nr. 18, hier steht ein kleines, gelbes Siedlungshäuschen auf einem rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück. Doch seine Tage sind gezählt: Die Eigentümer, ein älteres Ehepaar, haben eine Bauvoranfrage für ein größeres Neubauprojekt gestellt. Vorne ein Sechs-Familienhaus, hinten im Garten zwei Doppelhäuser mit Attika, rund zehn Meter hoch, darunter eine große Tiefgarage. Maximale Grundstücksauslastung lautet die Devise. Im Hintergrund agieren zwei Konstanzer Baugesellschaften, die sich noch nicht in der Öffentlichkeit präsentieren wollen, bis das Vorhaben in trockenen Tüchern ist.

„Dieses Projekt zeigt wieder, welcher Spekulationsdruck hier herrscht“, sagte Sven Martin, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS), bei einem Ortstermin mit rund 40 verärgerten Anwohnern. Für sie steht fest: Diese „dreiste Nachverdichtung“ muss mit allen Mitteln verhindert werden.

Die Geschichte des einfachen Häuschens in der Bettengasse Nr. 18 ist beinahe schon typisch für die Wohngegend in Allmannsdorf-Staad, die noch von vielen Einfamilienhäusern geprägt ist. Die Häuser sind klein, oft sanierungsbedürftig, die Gärten sind groß, die Bewohner im Rentenalter. So auch in der Bettengasse Nr. 18. Die Eigentümer tauschten ihr Häuschen gegen eine altersgerechte Eigentumswohnung – und gaben dem Konstanzer Immobilienbüro Reimann den Auftrag zum Verkauf. 1,2 Millionen Euro sollte das Häuschen samt Grund mindestens einbringen. Viel Geld, zu viel Geld für die meisten. „Wir haben mehrere Interessenten“, sagt Michael Reimann, „aber für Familien ist das Haus nicht passend aufgeteilt.

Die unteren Zimmer sind zu klein, oben gibt es nur einen bewohnbaren Raum. Und wer will heutzutage schon so einen Riesengarten bewirtschaften?“ Unter den Interessenten seien deshalb auch zwei Konstanzer Baugesellschaften, die es vor allem auf das große Grundstück abgesehen haben. „Jetzt muss erstmal geklärt werden: Was ist überhaupt machbar?“, erklärt Reimann.

Das herauszufinden ist Aufgabe der Stadtverwaltung, genauer des Baurechtsamts. Es existiert zwar ein Bebauungsplan, doch der stammt aus den 60er Jahren. Darin steht, dass sich Neubauten in Baulücken den Nachbargrundstücken angleichen sollen. Der Blick nach links und rechts zeigt: Hier stehen ähnliche Einfamilienhäuser, die möglicherweise das gleiche Schicksal erwartet. Ein Nachbar hat bereits einen Teil seines Grundstücks zum Verkauf angeboten. Dahinter ein Block aus elf Reihenhäusern, deutlich höher, aber in Energiesparbauweise.

Eine, die dort wohnt, ist Alexandra Forster – und sie würde das geplante Projekt besonders hart treffen. „Unser Haus ist zur Südseite komplett verglast, da unser Energiekonzept eine Nutzung der Sonnenwärme vorsieht“, berichtet sie, „wenn wir zwei zehn Meter hohe Doppelhäuser direkt vor die Südseite gestellt bekommen, haben wir ein großes Problem mit der Beschattung.“ Ihr Nachbar fürchtet, im Winter gar keine Sonne mehr abzubekommen.

Eine andere Nachbarin hat große Angst vor Schimmelproblemen, da die Häuser ohnehin auf einem Feuchtgebiet stehen. Aber auch mögliche Lärmbelästigung, Verkehrsprobleme und Nachbarschaftsstreitigkeiten werden heftig diskutiert. „Wir werden Einspruch gegen die Bauvoranfrage erheben“, sagt Forster, „das geht doch so nicht!“

Noch bis Ende Februar haben die Anwohner Zeit, ihre Bedenken gegenüber der Bauvoranfrage zu äußern. Die Stadträte Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste) und Heinrich Fuchs (CDU), die bei dem Ortstermin in Allmannsdorf dabei waren, versprachen, das Thema im Technischen und Umweltausschuss (TUA) zu diskutieren. Zudem stehe es auch schon auf der Tagesordnung des nächsten Gestaltungsbeirats, so Müller-Neff. Man wolle prüfen, ob das Projekt wirklich in der Größe umsetzbar sei – und ob beispielsweise ein Rahmenplan (Infokasten), wie er derzeit für den Staader Berg erstellt wird, Abhilfe schaffen könnte.

„Man muss allerdings davon ausgehen, dass an dieser Stelle hinterher mehr steht als vorher“, erklärte Heinrich Fuchs pragmatisch, „denn heute kann sich in Konstanz keiner mehr ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück leisten.“ Makler Michael Reimann sieht das ähnlich – und so hat er neben den Baugesellschaften noch weitere Interessenten an Land gezogen: Zwei Konstanzer Familien wollen sich zusammen tun, um auf dem großen Grundstück zwei Einfamilienhäuser zu bauen. Eine Lösung, die den meisten Allmannsdorfern wohl besser gefallen würde.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
SÜDKURIER-Serie: Report Wohnen:

Das Thema Wohnen bewegt die Menschen im Kreis Konstanz. Deswegen setzt der SÜDKURIER mit der Serie "Report Wohnen" Akzente. In den Artikeln geht es um Mieter und Immobilienbesitzer, um Familien und Singles, um alte und junge Menschen und immer um die Frage: Wie wohnen sie? Was erwarten sie sich von der Stadtentwicklung? Und wer entscheidet, wie es weitergehen soll?

Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Allensbach
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Kommentar
Die besten Themen
Kommentare (2)
    Jetzt kommentieren