Bis zu 200 neue Wohnungen pro Jahr: Das ist das Kontingent, das die Stadt nach ihren aktuellen Berechnungen schaffen muss, um die Flüchtlinge unterzubringen, die bleiben dürfen. Während für die Erstaufnahme der Landkreis zuständig ist, ist die Anschlussunterbringung nach spätestens 24 Monaten Sache der Stadt. Zwei Standorte in Egg und im Zergle mit Baubeginn im März sind bereits beschlossen. Jetzt sollen sieben weitere Unterkünfte dazukommen.

Kleine Einheiten, dezentrale Verteilung, transparente Bürgerinformation, schnelle Umsetzung und soziale Durchmischung: Das ist das Konzept, das die Verwaltung dem Gemeinderat am 25. Februar zur Entscheidung vorlegt. Gibt der Rat grünes Licht, könnte bereits im Herbst das Pilot-Gebäude an der Schottenstraße stehen. Vorgesehen sind insgesamt 70 bis 90 Wohneinheiten im Stadtteil Paradies, am Sportplatz Dingelsdorf, in Litzelstetten West, am Friedhof Konstanz, in der Allmannsdorfer Ortsmitte sowie am Längerbohl. Die Flächen gehören größtenteils der Stadt, der Kirche und privaten Eigentümern, mit denen man in Verhandlung stehe. Ausgewählt wurden in erster Linie schnell verfügbare Standorte, die planungsrechtlich geeignet und schnell bebaubar sind, erklärt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn beim Pressetermin. Was die Größe der Einheiten und die Forderung nach sozialer Durchmischung anbelangt, habe die Stadt von den Diskussionen um die Standorte Egg und Zergle gelernt. Zwischen zwei und 36 Wohnungen auf ein bis maximal vier Geschossen sollen pro Standort entstehen – mit der Option, dass die Einheiten auf den regulären Wohnungsmarkt kommen, wenn die Anschlussunterbringung für Flüchtlinge nicht mehr notwendig sein sollte.

Auf der folgenden Karte sind alle derzeit bestehenden sowie geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Konstanz verzeichnet. Für Gemeinschaftsunterkünfte ist der Landkreis zuständig. Die Gemeinde kümmert sich um Anschlussunterkünfte für anerkannte Flüchtlinge. Ein Klick links oben über der Karte öffnet die Legende.

Möglich ist auch eine gemischte Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen und Konstanzern in den Quartieren. Zudem komme es zu keiner Konkurrenz mit den Flächen, die im Handlungsprogramm Wohnen vorgesehen sind, so der Baubürgermeister.

Noch im Juli vergangenen Jahres hatte das Thema Anschlussunterbringung bei der Stadt nicht oberste Priorität – obwohl bereits damals im Gemeinderat Stimmen nach der Dringlichkeit laut wurden. Dass die Projektgruppe „Wohnraum für Flüchtlinge“ jetzt doch ein Sofortmaßnahmen-Konzept vorlegt, liege vor allem daran, dass man auch schon eine „preisgünstige, aber nicht billige“ und schnelle Bebauung hätte. Gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobak und dem Vorarlberger Architekten Johannes Kaufmann wurde ein Holz-Wohnmodul entwickelt, das innerhalb von drei Monaten stehen könnte. Über den Preis sei die Stadt noch in Abstimmung mit der Wobak. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die 25 Prozent Fördermittel vom Land bewilligt bekommen“, so Langensteiner-Schönborn.