"Zwischen Bildung und Bau" – so beschreibt Schulleiterin Elke Großkreutz ihren gegenwärtigen Alltag. Noch immer sind die Handwerker und Bauarbeiter am Campus 1 der Gemeinschaftsschule zugange und werkeln im Erdgeschoss. Zu Beginn des Schuljahres haben Schüler und Lehrer die neuen Räume an der Pestalozzistraße bezogen. Nun hat Andreas Stoch (SPD), Fraktionsvorsitzender im Landtag, zum ersten Mal die Gemeinschaftsschule in Konstanz besucht und staunte nicht schlecht: "Sie haben hier wirklich etwas auf die Beine gestellt und tolle Voraussetzungen für die Schüler geschaffen", sagte er und sprach von einem wahnsinnig hohen Energieaufwand für alle, der sich auszahlen werde. Als Kultusminister hat er den Aufbau dieser Schulart vorangetrieben. Nun will er sich als Fraktionsvorsitzender für die Gemeinschaftsschule einsetzen.

Konstanz soll als Standort der größten Gemeinschaftsschule Wegbereiter für die anderen Bildungsstätten im Land sein. Dabei geht es vor allem um die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe, die Gemeinschaftsschulen ab 2017 beantragen können. "Es ist wichtig, dass es in Konstanz gut läuft, denn Konstanz ist Orientierungspunkt für die Gemeinschaftsschulen im Land", sagte der Politiker. Und: "Wenn wir es in Konstanz nicht hinkriegen, wird’s echt schwierig für andere." Schulleiterin Elke Großkreutz ist optimistisch: "Wir müssen mit niemandem in Konkurrenz treten, da es nur darum geht, ob wir eine Oberstufe anbieten." Die Schüler brauchten die Option, bis zum Abi zu kommen. Der Vorteil an der Gemeinschaftsschule: Auch Realschüler ohne zweite Fremdsprache könnten an die Schule wechseln, um den höchsten Schulabschluss zu erreichen. "Wir brauchen dringend eine Oberstufe. Das bestätigen die Anmeldezahlen", erklärte Stadtrat Jürgen Ruff (SPD).

Um eine gymnasiale Oberstufe genehmigt zu bekommen, braucht die Schule mindestens 60 Schüler im Jahrgang, die den Weg zum Abitur gehen wollen. Dass diese Zahl erreicht werde, darum mache man sich keine Sorgen. Es gebe eine stabile Basis für das Erreichen der 60 Schüler, erklärte Schulamtsleiterin Waltraut Liebl-Kopitzki. Das Problem ist allerdings Raum, der fehlt für eine gymnasiale Oberstufe. "Planerisch können wir nicht arbeiten, was die Oberstufe betrifft, da kein Raumprogramm vorliegt", erläuterte die Schulamtsleiterin.

Ein anderes Problem ist die Lehrerversorgung. Zurzeit sei die in Ordnung, erklärte Großkreutz gegenüber Andreas Stoch. Der Pflichtbereich sei abgedeckt, sie sei zufrieden. Doch in Hinblick auf eine mögliche Oberstufe könne die Versorgung mit Gymnasiallehrern noch eine Herausforderung sein, warnte Konrektorin Charlotte Dreßen. "Es ist wichtig, in der Politik rechtzeitig den richtigen Weg einzuleiten, damit es genug Lehrer für die gymnasiale Oberstufe, aber auch für die Klassen darunter gibt", gab sie Andreas Stoch mit auf den Weg. Vorher allerdings müssen noch die Schulträger in und um Konstanz entscheiden, ob sie den Antrag für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Gebhardschule befürworten.

Balance-Akt

Andreas Stoch, ehemaliger Kultusminister des Landes, erklärte bei seinem Besuch, dass es ein Anliegen sei, mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule die Schule nach außen hin zu öffnen. Die Kinder sollten sich nicht nur anhand eines Schulabschlusses im Leben verorten. "Die Balance zwischen Schulbildung und Persönlichkeitsbildung ist wichtig", sagte er. (lur)