Konstanz Anas Semo und die lange Suche nach vier Wänden in Konstanz

Fleiß und Ehrgeiz ebnen zwar den Weg zu einer guten Integration, sind aber noch lange keine Garant für eine Wohnungszusage. Und die fehlt Anas Semo aus Syrien ganz dringend, während sein Cousin bei einem älteren Ehepaar schon Glück hatte.

Wieder eine Absage. Diesmal wäre es eine kleine Wohngemeinschaft mit Jura-Studierenden gewesen, von der Anas Semo nur zu gerne ein Teil geworden wäre. Bisher hatte der 31-jährige Flüchtling aus Afrin in Syrien wenig Glück bei der Wohnungssuche in Konstanz und auch die Aktion "83: Konstanz integriert" konnte ihm noch nichts Passendes vermitteln. Seit einem Monat lebt Anas daher bei seinem Cousin Haval Samo und dessen vierköpfiger Familie in einer 36 Quadratmeter großen Einliegerwohnung auf der Couch.

Die Eheleute Hans und Marianne Auer, welchen die über die Aktion "83: Konstanz integriert" vermittelte Einliegerwohnung gehört, freuen sich, der Familie Samo helfen zu können und betonen, dass sie sich jederzeit wieder dafür entscheiden würden: "Sie sind sehr freundlich und zuvorkommend und wir kommen sehr gut miteinander aus", so der 93-jährige Hans Auer. Im Gegenzug zur Miete unterstützt Haval das betagte Ehepaar im Alltag, indem er unter anderem alle paar Tage den Komposteimer leert, nach Einkäufen sieht, oder darauf achtet, dass sie genug Wasser trinken. Dass das Leben von Semo auf der Couch seines Cousins keine Dauerlösung sein kann, da sind sich Anas, Haval, seine Familie und auch Rüdiger Schulz einig.

Vermittelt durch Marion Mallmann-Biehler von der Konstanzer Flüchtlingskampagne "Save me" begleitet der pensionierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler die beiden Männer seit einiger Zeit. Der ehemalige Mitarbeiter am Institut für Demoskopie in Allensbach musste nach dem Zweiten Weltkrieg selbst aus Ostpreußen fliehen und kann daher die schwierige Situation der Flüchtlinge nachvollziehen. "Wenn man mal so etwas erlebt hat und weiß, wie das ist, hilft man gerne anderen", erklärt Schulz. Vom Weg durch den Irrgarten der deutschen Bürokratie über die individuelle Weiterbildung und kulturelle Diskussionen bis zum Spaziergang im Wollmatinger Ried steht Schulz der Familie im Alltag zur Seite und freut sich über offene Türen bei den Behörden: "Alle Kontakte, ob Jobcenter oder Industrie- und Handelskammer, sind sehr hilfsbereit und freundlich gegenüber den Flüchtlingen und ich bin positiv überrascht, was ihnen für Möglichkeiten geboten werden."

So hilft er auch Anas Semo bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in Konstanz. Der Syrer hat im September 2015 – zusammen mit seinen Cousins Joan und Ronas – Havals Frau Lorin und deren damals dreijährige Tochter Tirheva über die Balkanroute nach Deutschland gebracht. Nun wohnt er nach zwei Jahren und etlichen Umzügen seit knapp anderthalb Monaten als anerkannter Flüchtling in Konstanz. Hier arbeitet Semo in einem Supermarkt an der Kasse. Schon mit sechs Jahren hat er bei einem Gemüsehändler in seiner Heimatstadt gearbeitet. Er ist stolz, bereits nach kurzer Zeit alle Sorten und Artikelnummern auswendig zu können. "Ananas 100" nennen ihn seine Kollegen manchmal scherzhaft. Für ihn sei aber auch wichtig, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und sein schon gutes Deutsch zu verbessern.

Vor etwas mehr als einem Jahr schloss er neben einem Integrations- auch einen Sprachkurs mit 97 von 100 Punkten ab und durfte daraufhin für die lokale Flüchtlingshilfe als Begleiter bei Behördengängen und als Dolmetscher für Arabisch und Kurdisch arbeiten, sowie einmal in der Woche das "Café mittendrin" leiten. Durch seinen Fleiß und Ehrgeiz eröffneten sich für den Flüchtling schon viele Chancen in Form von kleineren Praktikas und Jobs, für die er sehr dankbar ist. Andererseits ist er auch etwas enttäuscht, dass seine betriebswirtschaftliche Ausbildung in Deutschland bisher kaum Anwendung fand. Ein Studium komme für ihn momentan aber nicht in Frage, da seine in Afrin verbliebene Familie auf seine finanzielle Hilfe angewiesen sei. Das Haus seiner Eltern sei vom Krieg völlig zerstört worden, sein Vater habe einen schweren Schlaganfall erlitten und Medikamente sowie Nahrungsmittel seien in der immer wieder belagerten nordsyrischen Provinz teuer. Von Semos Lohn bleibt also wenig übrig und selbst eine durchschnittliche Miete einer Konstanzer Wohnung wird nahezu unbezahlbar. Rüdiger Schulz legt trotz allem großen Wert darauf, dass Anas Semo seine beruflichen Fähigkeiten weiter ausbaut. So hat er zum Beispiel dem jungen Mann einen gebrauchten Laptop besorgt, auf dem er Buchhaltungsprogramme trainieren kann.

Wohnung im Angebot?

Auch Anas Semo hofft in naher Zukunft eine angemessene Unterkunft zu finden. Er könne sich sowohl eine kleine Wohnung oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft als neues Zuhause vorstellen. Wer zu Anas Semo Kontakt aufnehmen möchte, kann sich beim Vermittlungsteam der Aktion "83: Konstanz integriert" per E-Mail unter info@83integriert.de oder telefonisch unter (0152) 28 99 67 41 melden. (lar)

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