Ein Rollbrett, jede Menge Kartons, Holzleisten, Nägel, Schrauben, Hammer, Bohrer und vieles mehr liegen auf dem Boden. Philippa (7) und Janno (7) sind in ihrem Element. Sie konzipieren ein Fasnachts-Fahrzeug für das Kärrele-Rennen. "Wir machen ein Darth-Fleda-Mobil", sagt Philippa und erläutert sofort: "Janno verkleidet sich als Darth Vader und ich bin eine Vampir-Fledermaus. Unser Mobil braucht deshalb auch eine Stange, an die ich mich hinhängen kann."

Aber auch Väter, Onkel, Patenonkel, Großväter und große Brüder müssen kräftig Hand anlegen, ebenso wie die jungen Rennfahrer – so ist es Sitte in Dingelsdorf. "Reine Männersache", betont der Dingelsdorfer Ala-Bock-Pressesprecher Thomas Keller, fügt aber unter dem Siegel der Verschwiegenheit an: "Ich muss. Es war die Idee meiner Frau. Sie meinte, ich hätte doch Zeit, ein Kärrele zu bauen. Unser Präsident bastelt übrigens auch." Das Wichtigste sei das Fahrgestell. "Dieses Mal haben wir auf ein Bobbycar zurückgegriffen und eine spezielle Achse konstruiert." Auch Lenkung und Bremsen sind wichtig, denn die abschüssige Formel 1-Strecke führt über die Straße zum Steinrennen bis zum Welsbrunnen.

Sie starten beim Kärrele-Rennen der Laugelegumper am Fasnachtsdienstag und bauen jetzt fleißig an ihrem Darth-Fleda-Mobil: Janno (7, m.) und Philippa (7, r.). Romy (1, l.) hilft mit. Bild: Aurelia Scherrer
Sie starten beim Kärrele-Rennen der Laugelegumper am Fasnachtsdienstag und bauen jetzt fleißig an ihrem Darth-Fleda-Mobil: Janno (7, m.) und Philippa (7, r.). Romy (1, l.) hilft mit. Bild: Aurelia Scherrer

"Wichtig ist das Ankommen, die Geschwindigkeit ist zweitrangig", sagt Ala-Bock-Präsident Florian Rossknecht über die Dingelsdorfer Veranstaltung. Voraussetzung ist: Das Kärrele muss von alleine rollen. Florian Rossknecht ist schon gespannt, mit welchen kreativen Fahrzeugen der Narrennachwuchs an den Start gebracht wird. "Es immer eine große Gaudi für Teilnehmer und Zuschauer", stellt Rossknecht fest. "Es ist ein Höhepunkt bei uns im Dorf. Im Prinzip kennt jeder Dingelsdorfer einen der jungen Rennfahrer und kommt, um die fünf- bis vierzehnjährigen Sportler anzufeuern", sagt Thomas Keller. Jedes Kärrele, das in Dingelsdorf an den Start geht, wird vorher dem Ala-Bock-TÜV unterzogen. "Unsere Sicherheitsprüfer checken vor allem Lenkung und Bremsen. Sie achten aber auch darauf, dass keine scharfen Teile verbaut wurden, damit sich niemand verletzt."

Alle zwei Jahre findet in Dingelsdorf das legendäre Rennen am Rosenmontag statt, während in Konstanz die Laugelegumper-Zunft jeden Fasnachtsdienstag eine derartige Veranstaltung präsentiert. Für alle Kärrelebauer und Rennfahrer lohnt sich also in diesem Jahr die Mühe, da sie gleich an zwei Rennen teilnehmen können. Janno und Philippa haben sich bereits für das Rennen der Laugelegumper entschieden, an dem sie bereits zwei Mal teilgenommen haben. "Einmal haben wir ein Boot gebaut. Philippa war die Mehrjungfrau und ich hab als Fischer das Boot gezogen", erinnert sich Janno. Den Müttern ist dieses Rennen unvergessen, denn ihnen stockte seinerzeit der Atem, weil Benno – ganz in seinem Element und angefeuert von den vielen Zuschauern – in den Geschwindigkeitsrausch geriet und das Boot sehr ins Schwanken kam. Ein Raumschiff und eine Lokomotive haben sie auch schon gebaut.

"Entscheidend ist bei uns die Originalität", stellt Elisabeth Ritzmann von der ausrichtenden Laugelegumper-Zunft fest. "Die Kinder sollen so viel wie möglich selber machen." Wichtig für das Kärrele-Rennen auf der Marktstätte ist: Hauptsache das Phantasiegefährt rollt. Aber ganz so eng sehen es die Laugelegumper nicht: "Wir hatten auch schon einen laufenden Zug mit 15 Waggons am Start", schmunzelt Ritzmann. Das Gaudi-Rennen ist für junge Mäschgerle ab drei Jahre ausgelegt. Wesentlich ist, dass die Kinder sowohl beim Wagenbau, als auch beim Drehen ihrer Runde über die Marktstätte jede Menge Spaß haben.

Ideengeberin für das Kärrele-Rennen mitten in der Konstanzer Altstadt, welches die Laugelegumper veranstalten, ist Elisabeth Ritzmann. "Ich war damals gerade acht Jahre alt, als ich nach Büsingen eingeladen war. Da gab es ein Seifenkistenrennen, bei dem ich mit meinem Pferd teilgenommen hab", erzählt sie. Beim dortigen Rennen ging es um Schnelligkeit. Da konnte Elisabeth nicht mithalten. "Dafür aber war ich originell", schmunzelt sie. Mächtig enttäuscht war Elisabeth Ritzmann, dass es seinerzeit in Konstanz keine vergleichbare Veranstaltung gab. "Ich habe lange gequengelt", gibt sie zu, war damit aber letztlich erfolgreich, denn seit nunmehr 36 Jahren können sich alle Mäschgerle an dem Plausch-Rennen der Laugelegumper vergnügen.

Jetzt ruft Elisabeth Ritzmann alle Mädchen und Jungen auf, ein phantasievolles Wägelchen zu basteln. Schließlich ist es auch für die Zuschauer viel interessanter, wenn sie mehr zu bestaunen und zu bejubeln haben. Beim Dingelsdorfer Formel 1-Rennen, geht es ambitionierter zu, weiß Elisabeth Ritzmann aus Erfahrung und meint: "Das ist eher etwas für die Größeren, während bei uns schon die Minis mitmachen können."

 

Das Rennen 2017

  • Ala-Bock Dingelsdorf: Das Kärrele-Rennen für ambitionierte Rennfahrer in Dingelsdorf findet am Rosenmontag, 27. Februar, rund um den Kronenplatz statt. Training: 13 Uhr. Rennen: 14 Uhr. Von 12 bis 13 Uhr findet auf dem Kronenplatz die Sicherheitsprüfung der Fahrzeuge durch den Ala-Bock-TÜV statt.
  • Laugelegumper Konstanz: Das Kärrele-Rennen der Konstanzer Laugelegumper-Zunft – ideal für Kinder ab drei Jahre – findet am Fasnachts-Dienstag, 28. Februar, auf der Marktstätte statt. Eintreffen der Kärrele ab 14 Uhr, Start ist um 15 Uhr. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung an info@laugelegumper.de hilfreich, aber nicht verpflichtend. (as)

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