Eine Mutter sitzt Anfang Januar im Zeugenstand des Amtsgerichts. Ihr Sohn steht vor Gericht, weil er einen Raub begangen haben soll. "Ich konnte mich super in sie hineinversetzen", sagt Silvia Baumann, neue ehrenamtliche Richterin für Jugendliche am Amtsgericht. "Natürlich ist keine Mutter glücklich, wenn ihr Kind vor Gericht steht."

Die Verhandlung im Januar war ihr erster Termin als Hilfsschöffin. Damit ist sie eine von aktuell 32 Jugendschöffen am Amtsgericht. "Ich war total gefesselt", erinnert sich Baumann. Gemeinsam mit Franz Klaiber, Direktor des Amtsgerichts und Jugendrichter, und einem weiteren Schöffen habe sie an diesem Tag zwei Fälle verhandelt.

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"Man muss mit der Entscheidung abends gut schlafen können", habe Klaiber zu den Schöffen gesagt. "Das ging bei mir gut", zieht Baumann ihr Fazit.

Silvia Baumann ist sei Januar als Hilfsschöffin am Amtsgericht tätig.
Silvia Baumann ist sei Januar als Hilfsschöffin am Amtsgericht tätig. | Bild: Oliver Hanser

Das Ehrenamt ist wichtig für die Gesellschaft

Die 54-Jährige ist in Dingelsdorf geboren und aufgewachsen. "Ich bin eine echte Konstanzerin", sagt sie. Bei den Maltesern Konstanz ist sie für die Integrationsprojekte für Geflüchtete zuständig. Im Alter von 18 Jahren hat sie eine Ausbildung zur Justizfachangestellten gemacht, war in dem Beruf aber nur drei Jahre tätig.

Als Hilfsschöffin geht es für sie nun zurück in den Gerichtssaal: "Auch ich hatte schon ein Knöllchen oder wurde geblitzt. Niemand ist ohne Fehler", sagt Baumann. Sie habe in ihrer Zeit als Jugendliche selbst viel ausprobiert.

Außerdem wolle sie sich ehrenamtlich engagieren. Anders als ihr früheres Engagement im Sport- oder Musikverein sei die Arbeit als Schöffin ein verantwortungsvolles Amt. "Ich bin ein Fan vom ehrenamtlichen Engagement, weil ich denke, dass unsere Gesellschaft nur darüber funktioniert."

Erfahrung spielt eine große Rolle

Barbara Hahn hat sich schon immer ehrenamtlich engagiert. Zunächst in der Altenpflege tätig, wollte sie sich danach für Jugendliche einsetzen. Zehn Jahre lang hat sie das als Hauptschöffin für Jugendliche am Amtsgericht getan, seit diesem Jahr ist sie als Hilfsschöffin tätig.

Damit blickt sie auf viel Erfahrung zurück: Die 56-Jährige war bereits an rund 80 Verhandlungstagen als Schöffin dabei.

Sie sagt zwar: "Jede Verhandlung und jeder Jugendliche ist anders", trotzdem spiele die Erfahrung eine große Rolle, um das Gesamtpaket betrachten zu können. "Mit der Zeit merkt man, wer es wirklich ernst meint", sagt Hahn.

Barbara Hahn ist seit zehn Jahren als Schöffin am Amtsgericht Konstanz tätig. Seit Januar arbeitet sie als Hilfsschöffin.
Barbara Hahn ist seit zehn Jahren als Schöffin am Amtsgericht Konstanz tätig. Seit Januar arbeitet sie als Hilfsschöffin. | Bild: Wiebke Wetschera

Die Schöffen bekommen direkt vor der Verhandlung einige Informationen zum Fall. Die Akten lesen sie allerdings nicht. Das soll Neutralität garantieren. Im Anschluss an die Verhandlung beraten sich die Schöffen mit dem hauptamtlichen Richter. Die Schöffen dürfen ihre Meinung dabei gleichwertig einbringen.

"Menschen auf den richtigen Weg zu bringen, macht Spaß"

Hahn trifft ihre Entscheidungen beim Verfahren aus dem Bauch heraus. "Es kommt auch darauf an, worum es geht", sagt Hahn. Wenn jemand drogensüchtig sei und deshalb stehle, sei das nachvollziehbar. "Falsch ist es trotzdem." Fälle wie eine räuberische Erpressung, bei denen auch Menschen verletzt werden, beschäftigen sie mehr.

Hahn wuchs als eines von sechs Kindern in Konstanz auf, ist Mutter eines 30-jährigen Sohnes. Ihre Erziehung weist dabei eine Parallele zur Arbeit als Schöffin auf: "Ich habe meinem Sohn früher immer seine Strafen erklärt."

Hahn arbeitet als Verwaltungsfachangestellte beim Betreuungsverein SKM in Konstanz. Für die Arbeit als ehrenamtliche Richterin wird sie dann freigestellt. "Menschen auf den richtigen Weg zu bringen, macht Spaß", sagt Hahn. Das zumindest, sei ihre Hoffnung – dass sie mit den verhängten Strafen zu einer Besserung beitragen könne.

Hoffnung auf richtige Entscheidung

Ein Wunsch, den Silvia Baumann teilt. Schon nach ihrem ersten Verhandlungstag sagt sie selbstsicher: "Wir haben allen Angeklagten ein Stück für ihr Leben geholfen. Was sie daraus machen, ist ihre Sache." Noch hat sie nicht so viel Erfahrung wie Barbara Hahn. Für die nächsten fünf Jahre, die ihre Amtsperiode dauert, hat sie sich vorgenommen "in die Schuhe des anderen zu schlüpfen".

Um am Ende der Verhandlung gemeinsam mit dem Richter das richtige Urteil zu fällen.