Das Bodenseeforum weist laut erstem Quartalsbericht ein Defizit von 166.000 Euro bezogen auf das angestrebte Jahresergebnis des Veranstaltungshauses auf. Damit liege das Ergebnis um 14,1 Prozent unter dem angestrebten Plan, berichtete Jochen Lohmar, Geschäftsführer des Bodenseeforums, im Haupt- und Finanzausschuss.

Eine Ursache des Defizits sei unter anderem der Wegfall einer geplanten Veranstaltung im Sommer 2018, die 35 Auslastungstage für das Haus bedeutet hätte. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt die fehlenden Hotelkapazitäten in der Stadt, begründete der Geschäftsführer den Ausfall. Trotzdem bleibt Lohmar optimistisch: "Wir haben noch neun Monate vor uns, ich bin daher positiv, das Jahresergebnis doch noch zu erreichen."

Kunden aus dem Unterhaltungsbereich sind Bezahlung der Miete schuldig geblieben 

Alarmierend für Geschäftsführer und Stadträte: Lohmar berichtete außerdem von Kunden aus dem Unterhaltungsbereich, die die Bezahlung der Miete schuldig geblieben seien. Inzwischen habe man sich von zwei Kunden für die zukünftige Nutzung getrennt.

Die Stadträte bestanden allerdings auf eine solidere Grundlage für etwaigen Optimismus. Roger Tscheulin (CDU) wollte wissen, was die Geschäftsführung unternehme, um eine Kehrtwende hinzubekommen. Jan Welsch (SPD) und Jürgen Faden (FW) regten an, dass das Bodenseeforum und das Konzil, sobald die Pacht dafür neu ausgeschrieben werde, enger zusammen arbeiten könnten, etwa im Bereich des Caterings.

Zu wenig Hotelkapazitäten?

Joachim Filleböck (CDU) wollte wissen, ob es zu wenig Hotelkapazitäten gebe oder diese zu teuer seien. Holger Reile (Linke Liste) wiederholte seine grundsätliche Kritik: "Es ist verantwortungslose Geldvernichtung. Ehrlicher wäre es zu sagen: wir haben uns getäuscht, lieber Bürger, es tut uns leid." Günter Beyer-Köhler (FGL) wies mit Sorge darauf hin, dass man zum Abschluss 2017 einen Trend zur Verbesserung ausgemacht habe, das Ergebnis nun aber wieder abgestürzt sei.

Das sind die drängenden Themen 

  • Fehlende Kapazitäten: Beim Ausfall des Großkunden, der aus der Automobilindustrie stammte, habe die Absage definitiv mit zu geringen Bettenkapazitäten zu tun gehabt, betonte Lohmar. "Hätten wir ein Hotel mit der Kapazität von 200 bis 250 Betten, liefen wir nicht Gefahr, solche Veranstaltungen zu verlieren." Insgesamt habe man seit 2016 sechs Großveranstaltungen verloren mit einem Umsatz von 1,2 Millionen Euro. Alle Veranstaltungen seien jenseits der Hochsaison geplant gewesen
  • Säumige Zahler: Ein Kunde habe versucht, das Zahlungsziel über sieben Monate zu strecken. Aus dieser Erfahrung habe die Geschäftsführung Konsequenzen gezogen: "Wir gehen stärker in die Bonitätsprüfung", solche Kunden werde es nicht mehr geben.
  • Preisgestaltung: Dies ist ein wunder Punkt des Veranstaltungshauses, räumte Jochen Lohmar ein. Man sei nicht so flexibel wie ein freier Unternehmer, der auf eine Gewinnmarge verzichten könne, wenn ihm ein Kunde aus Marketingzwecken besonders wichtig sei. Ein kommunaler Eigenbetrieb sei an die Entgeltordnung gebunden, erinnerte Lohmar. Deshalb sei es wichtig, jeden möglichen Handlungsspielraum zu nutzen. Lohmar schlug eine Änderung der Entgeltordnung vor, die es Kunden ermögliche, eine Halbtagespauschale zu nutzen. Dies steigere die Attraktivität für Kunden mit kurzer Verweildauer. Die Stadträte stimmten der Änderung einstimmig zu.
  • Zusammenarbeit mit dem Konzil: Der Idee begegnete Lohmar aufgeschlossen: "Ich bin mir sicher, dass langfristig Synergien vorhanden sind. Ich finde den Gedanken charmant."
  • Vergleich zu anderen Häusern: Lohmar verwies darauf, dass auch die Stadthalle Singen nach 20 Jahren noch bezuschusst werde. Das Konstanzer Bodenseeforum brauche zunächst Zeit, sich am Markt zu etablieren. Die Häuser hätten jeweils unterschiedliche Aufträge, so habe die Stadthalle Singen die Aufgabe, sich im Kulturbereich zu engagieren. Beim Bodenseeforum seien viele kulturelle Angebote jedoch unmöglich, weil die Bühne nicht als Theaterbühne geeignet sei.
  • Marketing: Lohmar berichtete, dass die Geschäftsleitung das Bodenseeforum verstärkt auf Messen präsentiere, um die Bekanntheit zu steigern. Man investiere viel zeit, um regionale Kunden zu gewinnen. So sei ein Musical-Projekt der Niederburg "Die Fischerin vom Bodensee" im Gespräch.