„Geld regiert die Welt.“ Dieser Spruch gilt, seit vor mehr als 2000 Jahren in Rom allmählich die Geldwirtschaft den Tauschhandel ablöste. Die Erfindung des Geldes war eine die Welt verändernde Erfindung.

Die Römer nutzten schon vor rund 2400 Jahren Münzen am See

Römische Münzen aus 400 Jahren nach Christi Geburt, als Römer am Bodensee siedelten und dann das Kastell Constantia errichteten, fand man bei Grabungen. Das Tauschen von Waren blieb jedoch damals und nach der Einwanderung der Alemannen auf lokalem und regionalem Gebiet die vorherrschende Form der Versorgung.

Eine mittelalterliche Münze aus Konstanz mit Bleisiegel von Papst Johannes XXIII.
Eine mittelalterliche Münze aus Konstanz mit Bleisiegel von Papst Johannes XXIII. | Bild: Amt für Archäologie Thurgau

Geldmünzen dienten allenfalls dem Austausch über weite Entfernungen. Im 7. Jahrhundert sollen in der Pfalz zu Bodman und in Zürich bereits Münzstätten bestanden haben. Das deutet auf beginnenden Fernhandel hin.

Geschützte Mauern ließen Geschäftsleben entstehen

Damit rückte auch die Bischofsstadt Konstanz in den Blickpunkt. Mit ihren festen Mauern bot sie einen geschützten Platz für Geschäfte und mit der Lage am See und am Weg zu den Alpenpässen eine günstige Verkehrslage. Kaufleute siedelten sich an und Konstanz wandelte sich zu einer Handelsstadt. Stadtherr blieb der Bischof, doch die Händler erkämpften sich zunehmend mehr Rechte.

Eine Münze aus der Keltenzeit, gefunden in Ackerboden im Tägermoos: Auf der Vorderseite ist ein nach rechts gedrehter Kopf zu erkennen. Auf der Rückseite ist ein Gespann aus zwei Pferden und einem Lenker auf einem Wagen dargestellt. Weltweit gibt es von diesen Exemplaren nur rund 100 Stück.
Eine Münze aus der Keltenzeit, gefunden in Ackerboden im Tägermoos: Auf der Vorderseite ist ein nach rechts gedrehter Kopf zu erkennen. Auf der Rückseite ist ein Gespann aus zwei Pferden und einem Lenker auf einem Wagen dargestellt. Weltweit gibt es von diesen Exemplaren nur rund 100 Stück. | Bild: ZVG

Handel über weite Strecken funktioniert nicht gut mit Hin- und Hertransportieren von Tauschwaren, Münzen aber konnte man im Beutel mit sich führen. Münzen zu prägen war das Recht des Königs. Alsbald wurde das Münzrecht auf Bischöfe übertragen, später auch weltlichen Herren.

Das Münzrecht erhielt die Stadt wahrscheinlich vor mehr als 1000 Jahren

Es war vermutlich der Konstanzer Bischof Salomon I., der Anfang des 9. Jahrhunderts von König Ludwig dem Frommen das Münzrecht für seine Stadt erhielt. Die älteste bekannte Konstanzer Münze trägt dessen lateinischen Namen HLUDOVICUS PIUS, auf der Rückseite ist SALOMON eingeprägt. Sie wurde 1854 in Basel gefunden.

Sie stießen im Tägermoos auf den kostbaren Schatz der Keltenmünzen (von links): Giuseppe Prete, Franco Formica und Bruno Weber, Helfer des Amts für Archäologie.
Sie stießen im Tägermoos auf den kostbaren Schatz der Keltenmünzen (von links): Giuseppe Prete, Franco Formica und Bruno Weber, Helfer des Amts für Archäologie. | Bild: Amt für Archäologie Thurgau/Urs Leuzinger

Weitere Münzen aus dem 9. und 10. Jahrhundert wurden in England gefunden, im Gebiet der Graubündner Pässe, aber auch in Finnland und Norwegen, wieder ein Beleg für die weitreichenden Handelsbeziehungen. Konstanz übernahm zunehmend die Rolle der führenden Handelsstadt im Bodenseeraum und weit darüber hinaus.

Die gebräuchlichste Währung des Mittelalters war der Konstanzer Pfennig ab 1250. Der Konstanzer Pfennig, wie er in der bischöflichen Münzstätte seit etwa 1250 geprägt wurde. Nun kam eine Zeit, als die Stadtbürger sich mehr und mehr von der Herrschaft des Bischofs befreiten und die Macht auf den Stadtrat überging.

Ein Bischof macht das Konstanzer Vermögen zunichte

Konstanz, mit damals etwa 6000 Einwohnern eine der größeren Städte im deutschen Süden, erlebte danach einen Aufschwung von Handel und Gewerbe. Der Reichtum wuchs, man gönnte sich Ausgaben für Kunst, Kultur und einen repräsentativen Lebensstil.

Aber Bischof Heinrich von Brandis, seit 1356 im Amt, häufte durch Misswirtschaft Schulden in Höhe von 100.000 Gulden an. Er verschacherte das Amt des Münzmeisters zu hohem Preis an einen Konstanzer, der sich dafür an den Bürgern schadlos halten sollte. Diese besetzten daraufhin gewaltsam die bischöfliche Münzstätte und nahmen sie in städtische Regie.

Wie das Münzhaus an der Münzgasse entstand

1463 bauten die Bürger ein eigenes Münzhaus an der Ecke Münzgasse/Wessenbergstraße. 1891 brannte es ab, eine Aufschrift am heutigen Bau weist auf die frühere Nutzung hin. Ein großer Münzschatz aus der Zeit vor 1400 wurde 1905 beim Umbau eines Hauses in der Rosgartenstraße gefunden.

Der ehemalige Hausbesitzer, ein jüdischer Bankier aus Winterthur, hatte dort um die 1450 Goldmünzen vergraben, vermutlich wegen der damaligen Judenverfolgungen. Darunter befanden sich 1120 Venezianer Dukaten, Münzen aus Genua, Mailand, Florenz, Bologna, Rom, Ungarn, Böhmen, Frankreich und 25 deutsche. Die Herkunft zeigt, wie weit die Konstanzer Handelsbeziehungen damals reichten.

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Während der Konzilszeit wurde Konstanz zu einem Zentrum des internationalen Kapitalverkehrs. Die Teilnehmer aus allen Ecken Europas brauchten ständig neuen Nachschub an Geld aus der Heimat, das hier in einheimische Währung gewechselt werden musste.

Ungefähr 130 Geldwechsler und Bankiers von überall her besorgten dieses Geschäft, für den Papst war es ein Medici aus Florenz. Am Ende des großen Ereignisses stand das Ansehen der Stadt auf dem Höhepunkt.

Nach dem Konzil ging es bergab

Doch die inneren Verhältnisse der Stadt entwickelten sich ungünstig. Vom Reichtum, den das Konzil der Stadt beschert hatte, profitierten nicht alle gleich. Mehrfach kam es zu Unruhen und Kämpfen zwischen Zünften und Patriziern. Der Handel ging zurück, die Ordnung des Münzwesens zerfiel.

1535 änderte König Ferdinand das Konstanzer Münzwesen, von nun an prägt man Zwaygerly (Zweipfennigstücke), Kreuzer (Wert vier Pfennig), Taler (27 Gramm Feinsilber). Der erhoffte neue Wirtschaftsaufschwung blieb jedoch aus.

„Notgeld“ der Inflation von 1923

Am 17. Februar 1541 wurde die letzte Konstanzer Münze, ein Taler, geprägt. Als Konstanz 1548 unter österreichische Herrschaft kam, bedeutete dies das Ende einer eigenen städtischen Geldwährung. Die danach noch in Konstanz geprägten Münzen blieben für den internationalen Handel bedeutungslos.

Nur einmal, in der Inflation 1923, druckte die Stadt wieder eigenes Geld: „Notgeld“ mit Geldscheinen im Wert von Milliarden und Billionen.