Er war immer der ruhende Pol. Seine stoische Gelassenheit, seine Zielstrebigkeit, aber auch seine Bescheidenheit zeichnen Alois Martin aus. 20 Jahre lenkte er als Vorsitzender maßgeblich die Geschicke des Vereins und zwar sehr erfolgreich: Die Zahl der Musiker wuchs von 30 auf 50, jene der Konzertbesucher von 50 auf 300 und Nachwuchssorgen treiben den Musikverein Dingelsdorf auch nicht um. "Das ist nicht mein Verdienst, sondern der Verdienst von allen. Ich habe höchstens kanalisiert", stellt Alois Martin sofort klar. Das ist typisch für den 51-Jährigen, der jetzt nach 20 Jahren seinen Posten als Vorsitzender niederlegte.

"Eigentlich war mein Ziel nur zehn Jahre", sagt Martin. Warum er sich für die Vorstandstätigkeit entschied? "Ich wollte Verantwortung übernehmen." Seinerzeit waren viele in Martins Alter ein bisschen unzufrieden. Die Konzerte waren schlecht besucht und "alles ein wenig eingefahren". Einige dieser Musiker hatten sich bereits zu "Die Originalen" formiert, um in einer kleinen Besetzung einen anderen Musikstil ausleben zu können. Mit dem Status der Unzufriedenheit wollte sich Martin nicht begnügen, sondern etwas ändern, damit die Musiker wieder zu einem Miteinander zurückfinden. Von 1996 bis 1997 war er Schriftführer. "Dann wollte der Vorsitzende aufhören. Ich war gerade mit dem Studium fertig. Das hat gerade gepasst."

Wichtig war ihm immer das Miteinander, "dass man gemeinsam Ideen entwickelt und ausprobiert und keine Gruppenbildung entsteht", sagt Martin. Die Ergebnisse demokratischer Abstimmungen im Vorstand trug er mit, auch wenn er mal anderer Meinung war. Nicht nur die Stimmung im Verein wurde richtig gut, auch die Leistungssteigerungen sind unüberhörbar. "Das war eine Entwicklungsphase", so Martin. "Mittlerweile sind die Dirigenten alle Profis, die studiert haben. Aber wir haben sie auch gebrieft, denn wir wollten bei Konzerten einen klassischen ersten Teil und einen lockeren zweiten Teil, der mehr Schmiss und Drive hat, damit es auch uns Musikern Spaß macht, denn das gehört unbedingt dazu."

Spaß und Freude vermitteln die Musiker nicht nur bei den Konzerten, sondern auch bei ihrem traditionellen Herbstfest. Das schönste Erlebnis war für Alois Martin aber die Musikvereins-Besenwirtschaft beim Narrentreffen der Dingelsdorfer Ala-Bock. "Da haben wir endlich mal alle an einem Stand zusammengearbeitet. Es war ein geniales Miteinander", sagt er. An Vorstandssitzungen hatte er immer Freude, lediglich der Aufbau der Homepage ist ihm in weniger guter Erinnerung. Damals gab es noch keine Homepages von der Stange. "Ich habe alles selbst programmiert. War das aufwändig." Besonders stolz ist er auf die Jugendarbeit, die die Vereinsmitglieder betreiben. "Entgegen dem demografischen Wandel haben wir eine gute Ausbildungsquote. Was mich besonders freut: Wir haben Lehrer für alle wichtigen Instrumente, einschließlich Schlagzeug. Der Unterricht findet direkt in Dingelsdorf statt."

Dass sich Alois Martin jetzt nicht mehr zur Wahl gestellt hat, liegt nicht nur daran, dass ihn seine Kinder mit ihren mittlerweile 18 und 20 Jahren eigentlich nur als Musikvereinsvorstand kennen und er sich jetzt einfach nur noch auf seine Schlagzeuger-Tätigkeit im Musikverein konzentrieren möchte. "Es ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Besser wird's nicht mehr", stellt Martin fest. "Meinen eigenen Anspruch an mich selbst kann ich gerade nicht so erfüllen. Da möchte ich lieber zuarbeiten." Manches schiebe er auf die lange Bank, meint er selbstkritisch und sagt: "Der Verein hat es verdient, dass man manches schneller erledigt."

Selbstverständlich bleibt Alois Martin als Schlagzeuger dem Musikverein treu. Er will auch weiter mitarbeiten und seinen Nachfolger Manfred Renz unterstützen, wenn dieser seine Hilfe braucht. "Der Vorstandposten hat ja nur ins Nachbarhaus gewechselt", sagt Martin schmunzelnd. Wie er diese Masse an neu gewonnener Zeit nutzen kann, weiß nicht nur der Musikverein, sondern wissen auch alle befreundeten Vereine, wie Narrenverein, aber auch der Löschzug der Feuerwehr: für eine Alpaka-Ranch, denn Martin ist ein Fan dieser Tiere. "Nein, das mache ich nicht gleich. Das könnte das Fernziel sein, wenn ich in den Ruhestand gehe", baut er gleich sämtlichen Gerüchten vor. Aber ein paar Alpakas, mit denen man touristische Touren machen könnte? "In Dingelsdorf würde sich das anbieten."

Der Verein

Der Musikverein Dingelsdorf wurde 1888 erstmals erwähnt. Am 16. Januar 1897 wurde er offiziell gegründet. Die jüngsten zwei Jahrzehnte der insgesamt 129-jährigen Vereinsgeschichte prägte Alois Martin als Vereinsvorsitzender. Sein Nachfolger im Amt ist Manfred Renz. Dessen Stellvertreter ist Roland Romer, Kassiererin Gerlinde Laube, Schriftführerin Britta Kaibach, Zeugwart und Chronist Thomas Mauz, Jugendleiter Sebastian Mauz, Beisitzer sind Michaela Renz und Reinhold Powietzka.

Informationen im Internet:www.musikverein-dingelsdorf.org

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