An der Friedrichstraße werden Ziegel von Dächern gefegt, eine Fußgängerampel zum Bismarcksteig wird durch den Sturm gedreht: extreme Wetterereignisse wie "Fabienne" nehmen zu. Meteorologen bezeichnen die Sturmsaison des Vorjahres als eine der heftigsten der vergangenen 50 Jahre.

Feuerwehrmänner fegen auf der Straße die Scherben zusammen, die "Fabienne" verursacht hat. In der Friedrichstraße wurden Ziegel vom Dach eines Hauses geweht und zerschellten auf dem Asphalt.
Feuerwehrmänner fegen auf der Straße die Scherben zusammen, die "Fabienne" verursacht hat. In der Friedrichstraße wurden Ziegel vom Dach eines Hauses geweht und zerschellten auf dem Asphalt. | Bild: Feuerwehr Konstanz

Vor allem für Konstanzer Rettungskräfte bedeuten sie oft stundenlange Anspannung und Einsatzbereitschaft. Der Alarm am Sonntagnachmittag löste binnen einer halben Stunde gleich mehrfach aus, an der Hauptwache der Freiwilligen Feuerwehr in der Steinstraße folgte ein Martinshorn auf das nächste.

"Die Gefahr wird schnell unterschätzt"

Als sich am Abend eine Gewitterfront näherte wurde die Wache vorsorglich erneut besetzt, erklärt Feuerwehrsprecher Christopher Kutschker. Er appelliert an die Vernunft und Vorsicht der Bürger, zum Beispiel lose Gegenstände oder Planen lieber doppelt zu sichern. An der Seestraße, so berichtet er, konnten die Feuerwehrleute tagsüber etliche Surfer beobachten, die den Sturm für ihre Zwecke nutzten.

"Die Gefahr wird schnell unterschätzt", kommentiert Kutschker. Ähnlich äußerte sich Clemens Menge, Vorsitzender der DLRG, über Segler. Die Gefahren und Tücken von heftigen Böen auf und Wellen von bis zu 1,50 Meter auf dem Bodensee überstiegen die Fähigkeiten von Hobby-Seglern mitunter.

Bild: Achim Mende

"Fabienne" mit ihren Windspitzen von bis zu 150 km/h kündigte sich frühzeitig an. Ganz planbar sind Einsätze durch Wetterextreme für die freiwillig organisierte Konstanzer Feuerwehr oder DLRG jedoch nie. Einen festen Bereitschaftsdienst gibt es, außer für bestimmte Personen wie die Einsatzleiter, weder unter der Woche, noch an Wochenenden.

Privatleben vs. ehrenamtliche Verpflichtung

"Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau verpflichtet sich, bei einem Alarm anzurücken, sofern es irgendwie möglich ist", sagt Christoph Kutschker. Im Zweifel müsse aber abgewogen werden: zwischen Freizeit, Familie und Privatvergnügen auf der einen Seite und ehrenamtlicher Verpflichtung auf der anderen.

Wie weit ein Sturm sich auf die Feuerwehr auswirken kann, beweisen die beiden Rauchmelder, die genau zum Eintreffen von "Fabienne" in Konstanz auslösten. Ein Zufall? Nicht unbedingt. "Eine Böe, die durch ein geöffnetes Fenser Staub aufwirbelt, kann ausreichen, um die empfindlichen Geräte zum aktivieren", erklärt Christopher Kutschker.

Das könnte Sie auch interessieren

Zwar können die Feuerwehrleute dann schnell wieder abrücken, gebunden sind sie dennoch erst einmal. In den kommenden Tagen verschafft zumindest das Wetter eine Verschnaufpause für Feuerwehr und DLRG. Angekündigt ist eine sanfte Brise und viel Sonnenschein.