Der Auftritt von Norbert Wannenmacher und Frank Fischenich wirkt etwas skurril: Sie tragen Fahrrad-Funktionshemden mit der Aufschrift „Bike Police“ und haben Helme mit Blaulicht auf dem Kopf. Die beiden Aktivisten des Ciclo-Aktionsbündnisses haben sich am späten Dienstagnachmittag vor dem Polizeipräsidium Konstanz eingefunden, um für ihr Anliegen zu werben: Sie wünschen sich, dass die Polizei mit Fahrrädern auf Streife geht und haben deshalb eine symbolische Übergabe zweier Fahrräder an die Polizei geplant.

Andreas Breuning, Leiter des Polizeireviers Konstanz, weiß von der geplanten Aktion und wartet bereits auf dem Vorplatz. „Sie wissen bestimmt, dass wir das nicht annehmen dürfen“, sagt er den Aktivisten. Aus der geplanten Übergabe wird dann ein Gespräch zwischen Konstanz‚ oberstem Polizisten und den beiden Ciclo-Mitgliedern.

Laut Andreas Breuning gibt es nicht genügend Personal, um regelmäßig Polizisten mit dem Fahrrad Streife fahren zu lassen.
Laut Andreas Breuning gibt es nicht genügend Personal, um regelmäßig Polizisten mit dem Fahrrad Streife fahren zu lassen. | Bild: Jonas Schönfelder

Frank Fischenich lobt, dass die Polizei die Ciclo-Demonstration am vergangenen Samstag nur mit Motorrädern und Elektro-Fahrrädern begleitet hat. Ob die Polizei also Fahrräder habe, fragt er. „Klar haben wir Fahrräder„, antwortet Breuning, „wir haben aber keine Fahrradstaffel und die wird es in absehbarer Zeit auch nicht geben.“ Der Grund für die Absage an die Fahrradstreife: Es sei nicht genug Personal vorhanden. Trotz der derzeitigen Einstellungsoffensive werde vor 2020/21 kein Zuwachs beim Personal zu spüren sein, da viele ältere Kollegen in den Ruhestand gingen und neu eingestellte Polizisten durch die Ausbildung erst mit zeitlicher Verzögerung zur Verfügung stünden.

Die Ciclo-Aktivisten versuchen dennoch, mit ihren Argumenten zu punkten: Im Streifenwagen seien Polizisten „in einem abgeschirmten Bereich“, wenn sie beispielsweise durch den Herosépark fahren, so Wannenmacher. Mit dem Fahrrad könnten sie eher auf Augenhöhe mit den Bürgern agieren, findet er. Außerdem seien sie wendiger und mit dem Rad könne der CO2-Ausstoß verringert werden.

Revierleiter Breuning erklärt, dass bei bestimmten Einsatzszenarien wie der Rad-Demo bereits Polizisten auf Fahrrädern eingesetzt werden. Außerdem würden die E-Bikes der Polizei bei administrativen Fahrten im Stadtgebiet genutzt. Er weist aber auch darauf hin, dass die Polizisten teilweise schnell zu weiter entfernten Einsätzen fahren müssten. „Da kann ich nicht zwischendurch zum Präsidium kommen, um das Fahrrad gegen das Auto zu tauschen“, so Breuning. Streifenfahrten ohne festes Ziel seien zudem selten. Meistens fahre die Polizei „von Auftrag zu Auftrag.“

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Frank Fischenich von Ciclo schlägt deshalb vor, den freiwilligen Polizeidienst mit dem Fahrrad loszuschicken. Das sind ehrenamtliche Polizisten, die nach einer zweiwöchigen Ausbildung zum Beispiel Aufgaben im Bereich der Prävention übernehmen. „Ja, darüber könnte man vielleicht nochmal nachdenken“, erwidert Breuning. Die beiden Ciclo-Mitglieder sind zufrieden mit dem „reflektierten und konstruktiven“ Gespräch, auch wenn sie ihr Ziel – die regelmäßige Fahrradstreife – nicht erreicht haben. Sie wollen es nun auch beim Kommunalen Ordnungsdienst und dem Gemeindevollzugsdienst versuchen.