Was lange währt: Im Jahr 2010 ging die Geschäftsführung mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit. Sie wolle mit ihrer Kreuzlinger Herzklinik, dessen Pendant in Konstanz steht, nach Münsterlingen umziehen. Sie hatte die Rechnung ohne Anwohner gemacht – oder das zwar abgesehen, jedoch nicht in dieser Intensität. Der Bürger ist bis vors Schweizer Bundesgericht gezogen und ist nun unterlegen. Oder fast: Eine Auflage haben die höchsten Richter dem Herz-Neuro-Zentrum erteilt.

Bauherren müssen in der Schweiz gute Nerven haben. Anwohner haben die Möglichkeit, recht einfach juristische Wege zu beschreiten, um ihre Kritik an einem Bauvorhaben vorzubringen. Ob diesseits oder jenseits der Grenze, zumeist geht es um die komplette Verhinderung eines Projekts, auch wenn sich die Argumente scheinbar auf Marginalien beziehen. Die eine Beschwerde aus Münsterlingen aus dem Jahr 2015, die anschließende Frage nach gerichtlichen Zuständigkeiten und Revisionen haben sich über drei Jahre hinweg gezogen.

Der Anwohner kritisierte, von der neuen Klinik gingen zu große Lichtemissionen aus und er werde sich dadurch gestört fühlen, geht aus dem Urteil (Urteil 1C_475/2017) hervor. Die Richter haben Gutachten und Einschätzungen ausgewertet und befunden, dass sich Anwohner im Umkreis von 100 Metern mit direkter Sicht beeinträchtigt werden könnten. Allerdings wohne der Kläger 280 Meter entfernt, somit sei der Störfaktor für ihn gering.

Allerdings wies das Gericht die Geschäftsführung des Herz-Neuro-Zentrums an, nachts Jalousien zu schließen. Das hatte die Klinik zuvor als Option genannt. Anfang 2019 soll Baubeginn sein, im Laufe des Jahres 2020 werde er abgeschlossen sein, erklärte die Klinik in einer Pressenotiz. Ihr neuer Standort mit 54 Betten und drei OP-Sälen bildet mit dem Kantonsspital nebenan und der Integration von acht Betten der Rehaklinik Zihlschlacht ein Gesundheitszentrum in Münsterlingen.