Konstanz Abschied an der Orgel: Konstanzer Kirchenmusiker Claus Biegert geht in den Ruhestand

Claus Biegert war 31 Jahre lang Kirchenmusiker. Er prägte das Musikleben und die Luthergemeinde. Im Ruhestand engagiert er sich bei den Katholiken.

Wenn er sich an die Orgel setzt, dem Chor die Anfangstöne vorsummt, ein Konzertprogramm ausarbeitet, dann ist das: Musik. Und mehr – Besinnung, Gottesdienst, Seelsorge. Claus Gunter Biegert steht mitten in der Welt und ist ein Mann Gottes zugleich. Seit 31 Jahren ist der Kirchenmusikdirektor in der Lutherkirche, Organist, Leiter des Bach-Chors und Konzertveranstalter. Am Freitag ist er 66 Jahre alt geworden, am Sonntag gibt er sein letztes großes Orgelkonzert in alter Funktion.

 

 

Die Bach-Tage in diesem Herbst sind zugleich sein Abschied. Mit einem umfassenden Programm sagt Claus Gunter Biegert Adieu und lässt noch einmal seine musikalische Handschrift aufscheinen. Im Mittelpunkt steht Johann Sebastian Bach, und Biegerts Anspruch ist es, dem Publikum nochmals richtig etwas zurückzugeben.

 

 

"Grenzüberschreitungen", antwortet er auf die Frage, ob es so etwas gibt wie eine Leitlinie in seinem 31-jährigen Wirken in Konstanz. Er knüpfte rasch Konkate in die Schweiz, arbeitete mit katholischen Chören zusammen, erweiterte den musikalischen Horizont des Bach-Chors. Wichtig ist ihm stets der Moment geblieben, in dem die Gemeinschaft Musik entstehen lässt. "Mich hat eigentlich nur der Aufführungs-Moment interessiert", sagt Biegert. Die von ihm organisierten Konzerte – 60 bis 70 im Jahr mit 11.000 bis 12.000 Besuchern – waren für ihn immer auch Momente der Vermittlung. Und Stunden der Wahrheit, weil dann ein Publikum zu überzeugen war.

 

 

 

Was nicht einfacher wurde: "Das Angebot ist in Konstanz hat sich vervielfacht", zieht Claus Gunter Biegert Bilanz. Was ihn durch die Jahre trug, das war auch Glaube. Kirchenmusik ohne Religiosität, das ist für ihn nicht vorstellbar. "Als menschliche Existenz", sagt Biegert, "hat man doch Fragen – wo kommen wir her, wo gehen wir hin?" Dass es Gott nicht gebe, habe ihm noch niemand bewiesen, aber die Anwesenheit des Allmächtigen habe oft erlebt: bei einem Flugzeugunfall oder als Motorradfahrer zum Beispiel, vor allem aber beim Musizieren selbst. Sowohl den Sängern und Instrumentalisten, wie auch dem Publikum gäben die Konzerte oft etwas, was über Töne, Akkorde, Texte und Rhythmen hinausgeht.

 

 

Dass Biegert die Musik mit dem Ruhestand nicht aufgibt, war allen klar. Der katholische Kirchenchor von St. Stefan hat ihn als Dirigenten gewonnen, künftig wird er in den katholisch weihrauchumwehten Hochämtern zu Ostern, Pfingsten oder Weihnachten mitwirken. Auch die Männerchöre in Ermatingen und Kreuzlingen behält er. Und er freut sich über mehr Zeit: Gerade einmal sechs Sonntage pro Jahr hätte er außerhalb des Urlaubs seit 1986 freinehmen können – und selbst das hat Claus Gunter Biegert, Vater von fünf Kindern und Kirchenmusiker aus Überzeugung, nicht ausgenutzt.

 

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