Konstanz Ärger um Bauplanung eines Mehrfamilienhauses in der Mainaustraße

Wenn Neubauten stets zu Ärger führen: Der Spar- und Bauverein plant ein Mehrfamilienhaus in der Mainaustraße, direkt hinter der bestehen bleibenden Reinigung. Doch die Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad kritisiert das Projekt massiv.

Vor Ralph Buser, dem Vorstandsvorsitzenden des Spar- und Bauvereins Konstanz (SBK), liegen drei Baupläne. Sie alle zeigen ein und dasselbe Mehrfamilienhaus: zehn Meter breit, 13 Meter hoch, vier Stockwerke, acht Wohnungen, verteilt auf 769 Quadratmeter, in zweiter Reihe zur Mainaustraße, direkt hinter der bestehen bleibenden Reinigung. Doch in einem Punkt unterscheiden sich die Pläne: bei den Dächern. Zunächst wurde das 8,6-Millionen-Euro-Projekt in der Mainaustraße 152 mit einem Flachdach geplant – und so auch vom Baurechtsamt genehmigt. Doch kurz bevor die Bagger anrücken sollten, trat die aktive Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS) mit massiver Kritik auf den Plan.

Geplant ist das Mehrfamilienhaus mit einem Flachdach. Doch die Bürgergemeinschaft Allmannsdorf will ein Satteldach.
Geplant ist das Mehrfamilienhaus mit einem Flachdach. Doch die Bürgergemeinschaft Allmannsdorf will ein Satteldach. | Bild: SBK

„Es ist skandalös, dass so ein großes Projekt, das zentral in der Allmannsdorfer Ortsmitte liegt, ohne Bürgerbeteiligung geplant wurde“, sagt BAS-Vorsitzender Sven Martin. Ralph Buser reagierte, stellte sich der Diskussion, ließ die Pläne erneut überarbeiten und präsentierte zwei verschiedene Satteldach-Lösungen. „Das ist eine immens kostspielige Umplanung“, sagt Buser, „aber wir sind kein gewinnorientierter Bauträger und ich will in einem friedlichen Umfeld bauen.“
 

Ein „friedliches Umfeld“ ist Allmannsdorf-Staad allerdings, zumindest für viele Bauträger und Investoren, längst nicht mehr. Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige sogar schon von „vermintem Gebiet“, von dem sie lieber die Finger lassen. Die Bürgergemeinschaft ist aktiv, will sich einbringen, hält dagegen. Ob Nestgasse, Bettengasse oder Jungerhalde – wer hier baut, muss diskussions- und kompromissbereit sein. „Es kann nur im Interesse aller liegen, dass wir nicht bei jedem Bauvorhaben in Allmannsdorf-Staad einen Volksaufstand haben“, sagt Alexander Gebauer, Ehrenvorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad (BAS). Und das sei nur möglich, indem man die Bürger so früh wie möglich in die Planung einbeziehe. Auch Sven Martin ist bitter enttäuscht, dass die SBK das Bauprojekt nicht früher kommuniziert hat. „Die drei Angrenzer wurden selbstverständlich informiert“, rechtfertigt sich Buser. „Es gab keinen einzigen Einspruch.“
 

Dieser kommt jetzt von Seiten der BAS. „Der Flachdach-Block passt nicht in die Allmannsdorfer Ortsmitte mit ihren Satteldächern“, sagt Alexander Gebauer, Ehrenvorsitzender der BAS. „Wir müssen jetzt retten, was noch zu retten ist.“ Man befürchte, dass Allmannsdorf seinen Dorfcharakter verliere und sich zur Vorstadt entwickle, meint auch Christoph Blomeier, Architekt, BAS-Mitglied und gebürtiger Allmannsdorfer. „Hat Allmannsdorf denn überhaupt noch dörflichen Charakter?“, fragt Ralph Buser und trifft dabei einen heiklen Punkt.
 

Denn wer auf der Mainaustraße Richtung Fähre unterwegs ist, sucht das Dorf vergeblich. Links und rechts der Mainaustraße reihen sich Mehrfamilienhäuser aneinander, es gibt etliche Einkaufsmöglichkeiten, Bushaltestellen und Bausünden aus den 1960er-Jahren, darunter auch Flachdachbauten. Was ist Allmannsdorf? Dorf, Vorort, Wohngebiet? Seit Herbst 2014 gibt es für die Ortsmitte einen Rahmenplan, der vor allem das Gebiet rund um die Grundschule, den Kindergarten St. Georg und die Jungerhalde umfasst. Und auch für den Staader Berg gibt es einen solchen Rahmenplan, der aber erst ab der Nestgasse gilt. „Offenbar reichen diese Instrumente nicht“, sagt Martin resigniert. Immerhin sei man jetzt froh, dass der SBK die Pläne überarbeitet. Sind die Angrenzer einverstanden, will Buser eine Änderung der Baugenehmigung beantragen. Bis Herbst 2016 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

 

Ortsmitte Allmannsdorf

Seit Ende November gibt es einen Rahmenplan für die Ortsmitte Allmannsdorf. Damit werden die städtebaulichen Leitlinien für die weitere Entwicklung für den Bereich westlich der Mainaustraße zwischen St.-Georg-Kirche, der Grundschule und der Gemeinbedarfsfläche Jungerhalde Nord festgelegt. Vorausgegangen sind Bürgerworkshops, bei denen rund 100 Allmannsdorfer dabei waren. Der Rahmenplan zeigt zwar Tendenzen auf, ersetzt aber keine Bebauungspläne, die genaue Baufenster vorgeben. (sab)

Der Plan auf den Seiten der Stadt Konstanz uner: www.konstanz.de

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