Konstanz 600 Demo-Teilnehmer, schrille Kostüme und eine politische Botschaft: So war der Christopher Street Day in Konstanz

Es kamen doppelt so viele wie vor zwei Jahren, und trotz der Ehe für Alle Demo bleiben viele Forderungen offen – das zeigte der Christopher Street Day in Konstanz.

Selbst Bärte leuchteten in den Farben des Regenbogens: Rund 600 bunt Gekleidete zogen nach Polizeiangaben am Wochenende gegen Diskriminierung wegen sexueller Orientierungen durch Konstanz und Kreuzlingen. Im Anschluss feierten sie gemeinsam mit Tausenden Zuschauern bei Shows, Musik und Party im Konstanzer Stadtgarten und im Konzil. Der Aktionstag Christopher Street Day (CSD) am Bodensee unter dem Motto „Liebe an allen Ufern“ zog dieses Jahr gegenüber der vorigen Auflage von 2015 mehr als doppelt so viele Menschen an. Stefan Baier, Vorsitzender des Vereins CSD Konstanz, geht davon aus, dass die Gleichstellung Homosexueller bei der Ehe in Deutschland der Bewegung neuen Schwung verliehen hat.

Im Zug der Lesben, Schwulen, Bi- und Intersexuellen liefen Männer mit, die sich mit Lust an künstlerischer Gestaltung und Augenzwinkern als Frauen verkleidet hatten, und Frauen, die mit männlichen Attributen wie dem Waschbrettbauch spielten. Auf Plakaten forderten Demonstranten: „Fällst Du aus der Norm, dann spreng’ mit uns die Form“, „Anders sein ist normal“ oder „Steh zu Dir“. Das bunte Erscheinungsbild stand im Kontrast zu den ernsten Themen, die das Vorstandsteam des Vereins CSD Konstanz bei der Kundgebung auf der Marktstätte ansprach. Vorsitzender Stefan Baier, die Stellvertreterin Nick Schlossberger und der dritte Vorsitzende Christof Stelz wiesen darauf hin, dass in noch immer 70 Staaten Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung strafrechtlich verfolgt werden, in sieben drohe sogar die Todesstrafe. „Wir fordern Akzeptanz weltweit“, sagte Baier. Stelz forderte Deutschland und die Schweiz auf, für die Einhaltung der Menschenrechte einzutreten.

Die Redner begrüßten die Gleichstellung der Lesben und Schwulen bei der Ehe in Deutschland, vermissen diese aber weiterhin in der Schweiz. Sie plädierten in Deutschland wie in der Schweiz für Adoptionsverfahren, in denen allein das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht, und nicht die sexuelle Orientierung der Lebenspartner. Sie forderten weiter die Reform des Transsexuellen-Gesetzes, Selbstbestimmung von Menschen, die ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale geboren wurden, und kritisierten den generellen Ausschluss von Homosexuellen bei Blutspenden. Entscheidend, so die Aussage, sei schließlich nicht die sexuelle Orientierung, sondern das Risikoverhalten beim Geschlechtsverkehr.

 
 

Die Redner forderten Bildungspläne, die die Toleranz fördern und über sexuelle Vielfalt aufklären. An den Gott, der jeden so annimmt, wie er ist, erinnerte Karl Menger, Pfarrer der evangelischen Studentengemeinde in der Lutherkirche. Für den CSD-Gottesdienst sich Simon Lamowski stark gemacht: „Wir wollen zeigen, dass es auch Christen gibt, die nicht ausgrenzen.“ Für Spaß und gute Stimmung beim CSD sorgten Showauftritte von Travestie-Künstlern wie Ryan Stecken, die mit abgeklebten Brüsten als Mann auftritt. Das Publikum feierte sie für ihre tolle Stimme als Superman. Auch Künstler wie der italienische Popsänger Alex Palmieri unterhielten die Zuschauer.

90 Helfer im Einsatz

Der eingetragene Verein CSD Konstanz organisiert seit vielen Jahren den grenzüberschreitenden Christopher Street Day. 90 ehrenamtliche Helfer unterstützen ihn, ebenso rund 30 Künstler aus der Szene. Die Kosten für Parade und Kulturprogramm belaufen sich nach Angaben von Stefan Baier, Vorsitzender des Vereins CSD Konstanz, auf rund 50 000 Euro. Über monatliche Benefizpartys, Sponsoren, einen Zuschuss von 7000 Euro durch die Stadt Konstanz, den Einnahmen aus der Party im Konzil und den Verkauf von Getränken, die von ehrenamtlichen Helfern ausgeschenkt werden, kann sich nach Angaben Baiers der CSD Konstanz-Kreuzlingen finanzieren. (rin)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren