Bei seiner schönsten Fahrt sangen zuletzt alle Passagiere im Bus. So hat das jedenfalls Wolfgang Frick in Erinnerung. Dieser berichtet, wie er am Steuer des Stadtbusses saß, als Besucher eines Festivals im Bodensee-Stadion einstiegen und begannen, sich schon mal warm zu singen. Sie trafen dabei voll den Geschmack des Fahrers. Er bekennt, er habe über Lautsprecher ein paar Takte mitgesungen.

Am Freitag tritt der Mann, der auf 37 Jahre hinter dem Lenkrad von Bussen der Stadtwerke zurückblickt, den letzten Dienst vor seinem Ruhestand an. Generationen von Passagiere sind mit dem heute 63-Jähigen schon durch die Stadt gefahren. In den ersten 16 Jahren war er auf allen Linien unterwegs, später vor allem auf den Linien 908, 13/4, 6 und 5.

Schon der Vater hat Konstanzer Busse gesteuert

Wolfgang Frick hat Spaß daran, unter Menschen zu sein, und er steuert gern große Fahrzeuge. Der gelernte Fernmeldemonteur hatte nach seiner Ausbildung 1974 keine Stelle gefunden – und schon damals die Idee, in die Stapfen seines Vaters zu treten. Dieser war in den 50er- bis 70er-Jahren 25 Jahre lang Busfahrer bei den Konstanzer Stadtwerken gewesen.

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Der junge Frick hatte bei der Bundeswehr den Lastwagenführerschein gemacht, und liebäugelte mit dem Beruf des Stadtbus-Fahrers: "Das ist ein Beruf, mit dem man alt werden kann. Busfahrer werden immer gebraucht." Doch schnell wurde klar: Ohne vorgewiesene Fahrpraxis würde er keine Chance bekommen. Also änderte er seinen Plan und bewarb sich erfolgreich als Betonfahrer. Nach zwei Jahren habe er auf eigene Kosten den Busführerschein gemacht. 2000 Mark habe er damals in die Sache gesteckt. Und wurde tatsächlich bei den Stadtwerken genommen.

Was braucht ein Busfahrer? Ruhe und Sanftheit!

Wolfgang Frick ist sich sicher: Jeder kann lernen, ein Großfahrzeug zu steuern. Ein besonderes Talent brauche es dafür nicht, wohl aber einen vorausschauenden Fahrstil und die Fähigkeit, frühzeitig und sanft zu bremsen. So kommen Passagiere am besten sicher ans Ziel.

Genau so fahre ihr Mann, beteuert Ehefrau Christa Frick, und Bekannte bestätigen das. Wolfgang Frick selbst sagt, er komme so leicht nicht unter Druck – nicht durch Staus, Verspätungen und Verkehrs-Tohuwabohu. Dieses habe es auch schon in den Anfangszeiten seiner Tätigkeit gegeben. Damals sei man halt an den innerstädtischen Grenzen im Stau gestanden. Inzwischen allerdings habe der Verkehr um gefühlt 500 Prozent zugenommen und die Geduld der Menschen auf der Straße deutlich abgenommen.

Die Sitten um Straßenverkehr haben sich verschlechtert

"Heute trifft man so viele Ich-Menschen", sagt Frick. Er meint damit die Leute, die nur an ihre eigenen Ziele denken. Es werde heute auch schneller gehupt, wenn einer nicht gleich reagiere, etwa wenn die Ampel auf Grün springt.

Dreimal in seinem Berufsalltag, so sagt er, habe er wirklich schlechte Erfahrungen gemacht, doch darüber möchte er nicht reden. Warum alte Geschichten aufwärmen? Er habe die Erlebnisse schon längst abgehakt. Im Vergleich zu den vielen Tagen, an denen er mit Freude in der Stadt unterwegs gewesen sei, sei das gar nicht so wichtig.

Der Busfahrer ist ein Menschenfreund – aber er pocht auf die Regeln. Ziegen zum Beispiel sind in seinen Bussen nicht erwünscht.

Wolfgang Frick ist ein den Passagieren zugewandter Busfahrer, der Touristen auch mal Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Spazierrouten durch die Stadt gibt. In einem aber ist er streng: Er achtet darauf, dass das Essens- und Eisverbot in seinen Bussen beachtet wird. Er sagt dann zum Beispiel: "Von einem müssen Sie sich trennen: entweder vom Eis oder vom Bus." Und auch den Mann, der mit einem Ziegenbock in den Bus wollte, habe er abgewiesen.

Nach dem großen Hagel in Konstanz, als die Unterführung am Sternenplatz voller Wasser stand, und der Verkehr zur und in der Altstadt zum Erliegen kam, habe er sich schon über die vielen Menschen gewundert, die am Bahnhof in seinen Bus sprangen und immer wieder fragten, wann er denn endlich losfahren wolle.

Viermal verfahren in 37 Jahren

Wolfgang Frick hat ein dickes Buch, in denen alle Details der Dienste aufgelistet sind – auch die Fehler.

Wolfgang Frick und sein dickes Buch mit den Dienstblättern: 37 Jahre lang steuerte er Linienbusse der Stadtwerke durch Konstanz. Nun geht er in den Ruhestand.
Wolfgang Frick und sein dickes Buch mit den Dienstblättern: 37 Jahre lang steuerte er Linienbusse der Stadtwerke durch Konstanz. Nun geht er in den Ruhestand. | Bild: Claudia Rindt

Vier Mal in seinem langen Berufsleben, so sagt er, sei er bei seinen Touren falsch gefahren, darunter bei einer Fahrt gleich zwei Mal. Eine Dame, die als Fahrgast im Bus saß, und ihn auf die Patzer aufmerksam machte, habe es mit Humor genommen und gemeint: Sie steige jetzt aus, er müsse jetzt auch mal allein zurecht kommen. Am Freitag wird auch Frick zum letzten Mal aus dem Roten Arnold steigen – zumindest als Fahrer.

Pläne für den Ruhestand? Kaum, sagt Frick. Er wolle sich um die Enkel im Alter von zwei und vier kümmern, regelmäßig schwimmen gehen. Und in der Fasnacht als Blätzlebue schnurren. Denn das tut er noch länger als Bus zu fahren – seit 46 Jahren.

Wolfgang Fricks letzte Fahrt

Seinen Dienst beginnt Wolfgang Frick am Freitag, 31. August um 5.30 Uhr. Bei seiner letzten Runde durch die Stadt fährt er um 12.47 Uhr mit der Linie 13/4 vom Bahnhof ab. Um 13.48 sollte er am Sternenplatz sein, dort endet dann die Frick-Ära bei den Stadtwerken.