Ein großer Schritt zur Schaffung eines neuen Wohnquartiers in Petershausen ist getan: Die Valad-Gruppe hat das Siemens-Areal an der Bücklestraße so gut wie verkauft. SÜDKURIER-Informationen zufolge ist die Übernahme des Geländes durch ein österreichisches Unternehmen nahezu in trockenen Tüchern. Die Investorenfirma will auf Anfrage nicht mehr mitteilen, als dass das "Verfahren noch nicht abgeschlossen" sei. Es soll wohl 28,6 Millionen Euro für die 70 000 Quadratmeter große Fläche erhalten.

Das ist ein großer Paukenschlag in der städtebaulichen Entwicklung. Im Westen Petershausens könnten innerhalb weniger Jahre mehrere Hundert Wohnungen entstehen und das Handlungsprogramm Wohnen zur Entspannung der Immobiliensituation ein gutes Stück voran bringen. Der neue Eigentümer hat der Stadtverwaltung bereits die Zusage gegeben, im Handlungsprogramm festgeschriebenen Kriterien zu erfüllen: Wohnen soll Vorrang haben, Gewerbe, Dienstleistungen und Einrichtungen zur Kinderbetreuung sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Beim Wohnen soll das Augenmerk auf einer sozialen Durchmischung liegen und damit auch auf gefördertem Wohnraum. Das Baudzernat wird die Entwicklung auf dem sieben Hektar großen Grundstück eng begleiten. Wobei die neuen Eigentümer dazu angehalten sind, ausreichend Frei- und Grünflächen zu berücksichtigen – anders, als es im noch jungen Neubaugebiet am Bahnhof Petershausen geschehen ist. Zudem stehen auf dem Siemens-Areal denkmalgeschützte Gebäude, die zu erhalten sind. Wesentliche Voraussetzungen, um bauen zu können, hatte wohl noch die Valad-Gruppe geschaffen. Das wird sich positiv auf den Zeitplan der neuen Eigentümer auswirken.

Bereits Ende des vergangenen Jahres sollen sich beide Vertragspartner einig gewesen sein, der formvollendete Übergang soll nun bevorstehen. Beim neuen Eigentümer handelt es sich laut SÜDKURIER-Informationen um die Vorarlberger Unternehmensgruppe i+R, die zusammen mit einem Investor die mehr als 28 Millionen Euro hingelegt haben soll. Das übersteigt den von Gutachtern ermittelte Verkehrswert von 24 Millionen Euro, wie auch aus an Gemeinderäte versandte Informationen hervorgeht. Zur Entwicklung des Siemens-Areals ist wohl eigens eine Firma mit Sitz in Lindau gegründet worden.

Die Stadt Konstanz hatte lange selbst um den Kauf der Flächen mitverhandelt. Allerdings lagen die Vorstellungen über den Preis weit auseinander, so dass das Rathaus verzichtete. Allerdings besteht nach wie vor ein Vorkaufsrecht, das sich die Stadt nach Beschluss des Gemeinderats gesichert hatte. Das Gremium soll sich nun in seiner nächsten Sitzung offiziell für einen Verzicht darauf aussprechen.

Die Stadtverwaltung Konstanz bestätigt auf Anfrage des SÜDKURIER den Verkauf des Siemens-Areals: „Wir freuen uns, dass die Entwicklung des ehemaligen Siemens-Geländes nun auf einem guten Weg ist", erklärte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn am Mittwochabend. Die neuen Eigentümer hätten sich mit ihren Projekten einen guten Namen in der Region gemacht. "Uns war es wichtig, dass das Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Konstanz ein urbanes gemischtes Quartiers realisiert und dabei die Ziele des Handlungsprogramms Wohnen mit seinen explizit formulierten sozialen Komponenten umsetzt", fügte Langensteiner-Schönborn hinzu.

Zeitplan und Eigentümer

  • Valad: Bislang war das Siemens-Areal im Eigentum von Valad Europe. Das Unternehmen gehört zur Cromwell Property Group und ist spezialisiert auf die Wersteigerung von Immobilien. Nachdem Siemens mit seinem Mitarbeitern an die Byk-Gulden-Straße umgezogen ist, ist ein Verkauf des Areals möglich geworden.
  • i+R: Bei den neuen Eigentümern handelt es sich laut Internetseite um ein im Jahr 1904 als Zimmerei gegründetes Unternehmen aus Lauterach in Vorarlberg. Die heutige Firmengruppe realisiert mit ihren Tochtergesellschaften Wohnbauprojekte, Gewerbe- und Industriebauten, hat Vermögensverwaltung, Holz- und Fensterbau, Sanierungen sowie Alternative Energien im Portfolio. In Bodman realisiert das Unternehmen die Gräfliche Seedomaine.
  • Zeitplan: Ein städtebaulicher Wettbewerb soll im Sommer 2017 vorbereitet werden. Eine Weiterentwicklung des Siegerprojekts ist im Herbst 2018 geplant, 2019 soll ein Flächennutzungs- und Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieser Zeitplan geht aus Informationen an Gemeinderäte hervor. 2020 könnte der Baubeginn sein. Das Siemens-Areal war als Fläche bislang nicht Teil des Handlungsprogramms Wohnen.