Ein großer Wurf für das zweite halbe Jahrhundert in der Geschichte der Universität Konstanz: Was den eher unaufregenden Namen Bebauungsplanverfahren trägt, soll die Weichen für die weitere Entwicklung der Hochschule stellen. Zur Debatte stehen etliche Neubauten auf dem Gießberg: Die Uni rechnet in einer Prognose damit, dass sie bis zum Jahr 2060 rund 55 000 Quadratmeter Nutzfläche zusätzlich braucht. Diese Zahl nennt Rektor Ulrich Rüdiger. Thomas Steier, der Leiter des für den Hochschulbau zuständigen Amts Konstanz von Vermögen und Bau Baden-Württemberg erklärt, dass über die nächsten Jahrzehnte zusammen mit den Neben- und Erschließungsflächen zwischen 100 000 und 120 000 Quadratmeter neu gebaut werden sollen. Das entspricht in etwa der achtfachen Verkaufsfläche des Lago.

Aber wofür braucht die Uni so viel Platz? Eine erhebliche Steigerung der Studentenzahlen sei nicht geplant, betont Ulrich Rüdiger. Die Universität wolle das Niveau von derzeit rund 11 700 Studierenden in etwa halten. Doch "die Fläche, die man heute braucht, um international wettbewerbsfähige Forschung zu betreiben, ist eine ganz andere als vor 50 Jahren", so Rüdiger. Laborplätze, Geräte, Seminarräume: Überall seien die Anforderungen gestiegen.

Der Wald soll tabu bleiben: Die Universität Konstanz will sich auf den bisherigen Parkplätzen erweitern. Für die Autofahrer soll ein platzsparendes Parkhaus errichtet werden.
Der Wald soll tabu bleiben: Die Universität Konstanz will sich auf den bisherigen Parkplätzen erweitern. Für die Autofahrer soll ein platzsparendes Parkhaus errichtet werden. | Bild: Alexander Bernhardt

Mehrere Umweltgutachten haben nach Aussage von Rüdiger, Steier und Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn ergeben, dass für die Erweiterung nur die Fläche der bisherigen Parkplätze zur Verfügung steht. Die im gültigen Bebauungsplan von 1969 vorgesehenen Baufenster seien fast gefüllt, und auch die Möglichkeiten für eine weitere Verdichtung seien bald ausgeschöpft. Eingriffe in den sensiblen Mainauwald sind ihnen zufolge tabu, das ist auch das Ergebnis von Studien, bei denen Tierarten von Haselmaus bis Schmetterling untersucht wurden. "Die Naturschutzverbände sind mit im Boot", betont Bauamtsleiter Steier.

Damit ist klar: Die Universität muss die bisher nur zum Parken genutzten Areale künftig anders nutzen. Dazu will sie zunächst ein Parkhaus auf dem bisherigen Parkplatz Nord errichten und die frei gewordenen Flächen für die ersten Lehr- und Forschungsgebäude nutzen. In einer zweiten Runde würde dann das bisherige Parkhaus Süd durch Neubauten ersetzt. Auf dem Campus soll es auch künftig keinen Autoverkehr geben. "Es bleibt eine Universität der Fußgänger", betont Steier. Für die beiden neuen Gebäudekomplexe könne es aber eigene Bushaltestellen geben, so dass der Rote Arnold künftig nicht mehr einmal vor dem Haupteingang, sondern auf einer Art großen Schleife an drei verschiedenen Orten hält.

Die Details zu Verkehrserschließung, Gebäudegrößen, Geschosszahlen, Freiflächen und weiteren Eckpunkten soll ein Masterplan ausloten, der bereits in Arbeit ist. Das Papier, so Baubürgermeister Langensteiner-Schönborn, soll öffentlich diskutiert werden, bevor der Gemeinderat voraussichtlich im Jahr 2018 das Bebauungsplanverfahren weiterführt. Nachdem der Prozess bereits 2011 angestoßen wurde, ist es für Ulrich Rüdiger jetzt Zeit zu handeln: "Wir brauchen Perspektiven. Eine Universität, die anfängt statisch zu sein, ist keine Universität mehr."

Hochschul-Ausbau

Nicht nur die Universität Konstanz (bisherige Fläche nach eigenen Angaben: 208 449 Quadratmeter) will wachsen, sondern auch die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung:

  • Neues Seminargebäude: Im Bau ist das Seminargebäude III der HTWG am Rand des Campus am Seerhein, die Gebäude I und II sind bereits fertiggestellt. Nach Westen schließt sich ein weiteres Baugrundstück an.
  • Sanierung und Neubau: Das Gebäude G an der Ecke Paul-und-Gretel-Dietrich-Straße/Rheingutstraße ist laut HTWG-Präsident Casten Manz zum Teil erheblich Sanierungsbedürftig. Es gibt Ideen, an dem Eckgrundstück auch ein Parkhaus zu errichten.
  • Wessenbergschule: Die HTWG würde gerne die denkmalgeschützten Blomeier-Bauten der Wessenbergschule übernehmen. HTWG-Präsident Manz würde dort gerne auch Existenzgründer unterbringen. Die Schule (Träger ist der Landkreis) soll einen Neubau in Petershausen erhalten. (rau)