Von der Außenstelle zur Hauptstelle: Vor 25 Jahren hätte niemand gedacht, dass die als Ableger des Archäologischen Landesmuseums (ALM) gedachte Einrichtung einst die Hauptrolle in Baden-Württemberg übernehmen würde. Mit der Gründung des ALM sind laut Direktor Jörg Heiligmann zwei Personen untrennbar verbunden: Judith Oexle und Lothar Späth. Oexle, damalige Stadtarchäologin, habe ihr Umfeld für die Archäologie begeistern können, und der damalige Ministerpräsident habe für dieses Thema sehr viel übrig gehabt, berichtete Heiligmann. So fiel 1990 schließlich die Entscheidung ein Archäologisches Landesmuseum zu gründen. Geplant war, die Zentrale in Stuttgart anzusiedeln und in Konstanz eine Außenstelle einzurichten. Während erstere bis heute nicht verwirklicht wurde, zog der Konstanzer Ableger ins Konventgebäude der ehemaligen Benediktinerabtei Petershausen (Klosterkaserne) ein.

"Die Stadt hatte das Gebäude gekauft und renoviert", blickt der Direktor zurück. "Sie wollte dort ein großes Kulturzentrum einrichten", berichtet er. Aber es sei wohl zu große gewesen, denn schließlich müsse es ja auch bespielt werden. So zog das Stadtarchiv in den Westflügel des u-förmigen Baus, das ALM bekam den Mittelteil und den Ostflügel. Erster Direktor wurde Dieter Planck, der auch Präsident des Landesdenkmalamtes mit Sitz in Esslingen war. Jörg Heiligmann leitete ab 1993 das Konstanzer ALM und war Plancks Stellvertreter. Nachdem Planck 2009 in den Ruhestand gegangen war, wurde Heiligmann zum Direktor und Konstanz auf Empfehlung des Rechnungshofes zur Hauptstelle ernannt.

Eine markante Änderung erfuhr das Konstanzer Gebäude im Jahr 2000 mit dem Anbau, der einen mittelalterlichen Lastensegler von rund 20 Meter Länge beherbergt. Eigentlich hätte er seinen Platz unter dem Dach finden sollen. Aber als er ausgegraben war, sahen die Archäologen, dass der Bug gut zwei Meter in die Höhe stieg. "Damit hätte die Spitze ins Dachgebälk geragt", erklärt Heiligmann. Schließlich sei ihnen ein Glückfall zu Hilfe gekommen. Mit einem Teil einer Erbschaft konnte der Neubau realisiert werden.

Ausgesprochen bekannt ist das ALM für seine geschichtlichen Darstellungen mittels Playmobil-Figuren. Bei einer Geburtstagsfeier hätten sie festgestellt, dass "über den Jahreswechsel gar nichts los sei" und beschlossen, dass man da etwas tun sollte, erzählt Heiligmann. Ihnen sei bekannt gewesen, dass in Aalen die römische Weihnachtskrippe historisch nachgestellt wurde. Etwas Ähnliches hätten sie mit vorhandenen Wachsfiguren nachmachen können. Diese hätten jedoch erst aufwändig restauriert werden müssen.

So entschloss sich das ALM, mittels Playmobil-Figuren durch die Zeit zu reisen, wie Heiligmann erklärt. 2006 bauten sie im Turmzimmer die erste Playmobil-Ausstellung auf. 2010 zog sie in den Dachstuhl, der zudem mehr Platz bietet. Alljährlich gab es eine neue Schau. "Die Spitze haben wir mit der Konzil-Ausstellung erreicht", berichtet der Direktor. Sie dauerte von 2013 bis 2015. Ein Versuch um zu sehen, wie die Ausstellung im Sommer ankommt. Und was ist aus den ursprünglichen Plänen geworden, eine Zentrale in Stattgart zu verwirklichen? "Darüber wird derzeit nicht geredet", sagt Direktor Heiligmann bestimmt.


Das Archäologische Landesmuseum

  • Zweigmuseen: Zum ALM gehören sieben Zweigmuseen: Römermuseum Osterburken, Römerhaus Walheim, Römischer Weinkeller Oberriexingen, Landesmuseum Aalen, Urgeschichtliches Museum Blaubeuren, Römische Abteilung des Dominikaner-Museums Rottweil und Federseemuseum Bad Buchau. Das Zentrale Fundarchiv befindet sich in Rastatt.
  • Dauerausstellung: Das ALM zeigt in seiner Dauerausstellung auf rund 3000 Quadratmeter Funde und Erkenntnisse der Landesarchäologie in Baden-Württemberg. Die Dauerausstellung ist auf drei Stockwerke verteilt.
  • Sonderausstellungen: Ausstellungen zu besonderen Themen richtet das ALM oft mit anderen Einrichtungen aus. So wurde die große Landesausstellung zu "4000 Jahre Pfahlbauten" gemeinsam mit dem Federseemuseum Bad Buchau und den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg veranstaltet.
  • Museumspädagogik: Für Kinder und Erwachsene gibt es ein abwechslungsreiches Begleitprogramm. Für Kinder sind die Taschenlampenführung und "Kinder führen Kinder" in der Playmobil-Ausstellung gedacht.
  • Festakt: Staatssekretärin Petra Olschowski hält die Festansprache zum 25-jährigen Bestehen des ALM. Die morgige Feier im Landratsamt ist wegen der begrenzten Platzanzahl nur für geladene Gäste.
Weitere Infos zum ALM unter: www.konstanz.alm-bw.de