Peter Eitze kennt die Vorurteile. Allein schon der Begriff! Weinbruderschaft. Da sehen, räumt er ein, viele Menschen eine Szene voll älterer Herren, die in einem exklusiven Zirkel dem Tranke frönen und womöglich schlimme Lieder über den römischen Gott des Weines, Bacchus, singen. Stimmt nicht, sagt Eitze wenige Tage bevor sich Weinbruderschaften aus dem ganzen deutschsprachigen Raum in Konstanz zusammenkommen. Das Treffen der Gemeinschaft Deutschsprachiger Weinbruderschaften (GDW) ist mindestens so sehr eine Fachtagung wie ein gesellschaftlicher Anlass.

Fast 150 Gäste haben sich für den 20. bis 22. Mai angemeldet und die Erste Badische Weinbruderschaft zu Meersburg hat für sie ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Ausrichter der Jahrestagung sein zu dürfen ist eine Ehre, sagt Peter Eitze, der bei der Weinbruderschaft den Posten des Ordensmeisters bekleidet. Wer das Treffen beherbergen will, muss sich vier Jahre im Voraus bewerben und bekommt dann den Zuschlag, oder auch nicht.

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Zweimal musste die Tagung verschoben werden, jetzt kann sie stattfinden. Für die Stadt Konstanz stellt sie auch einen Wirtschaftsfaktor dar, sagt Peter Eitze, und eine Werbeplattform obendrein. Immerhin kommen Gäste auch aus weiter Entfernung wie aus Bremen, aus Wien oder aus Österreichs bekanntester Weinregion, der Wachau. Im fachlichen Teil setzen sich die Wein-Experten unter anderem mit der Frage auseinander, welchen Einfluss der Verschluss – etwa Kork oder Schraubverschluss – auf den Wein hat.

Wein boomt, die Bruderschaften noch nicht

Für Peter Eitze geht es bei dem Jahrestreffen auch um die Frage, wie sich die rund 60 Weinbruderschaften mit knapp 7000 Mitgliedern im deutschsprachigen Raum für die Zukunft aufstellen. Viele von ihnen stehen vor einem Generationenwechsel und brauchen ein Rezept, wie sie die zahlreichen Weinliebhaber auch der jüngeren Generationen ansprechen können. Wein boomt, die Bruderschaften noch nicht. „Viele wollen sich einfach nicht mehr so fest binden“, ist Eitzes Eindruck.

Peter Eitze, Ordensmeister, Erste Badische Weinbruderschaft zu Meersburg
Peter Eitze, Ordensmeister, Erste Badische Weinbruderschaft zu Meersburg | Bild: Rau, Jörg-Peter

Die Meersburger Gruppierung (deren Mitglieder mehrheitlich aus Konstanz kommen) verfolgt einen Modernisierungskurs. Jüngere Mitglieder sind willkommen und können sich in einer Probezeit von ein bis drei Jahren orientieren, ob es zwischen ihnen und der Weinbruderschaft passt. Frauen sind längst als Vollmitglieder anerkannt.

Den Weinbruderschaften geht es auch darum, Wissen um den Wein und die damit verbundene Kultur zu fördern. Deshalb kommen auch anerkannte Experten demnächst nach Konstanz; die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Uli Burchardt übernommen, auch Landrat Zeno Danner engagiert sich. Stadt und Landkreis stellen auch die Räume für die Tagung.

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Natürlich wird, wenn sich Weinbruderschaften treffen, umfassend probiert und freudvoll genossen. Aber, das ist Peter Eitze wichtig, der als Staatsanwalt viel Unglück in Folge von Alkoholmissbrauch gesehen hat: „Wir lieben die Gemeinschaft und die Heiterkeit. Aber wir treffen uns niemals, um uns zu besaufen, und niemand verlässt unsere Treffen in einem trunkenen Zustand.“