In der Nacht auf Samstag, 1. August, platzte im Stadtteil Allmannsdorf ein 40-Zentimeter-Rohr, das Wasser aus dem Speicher Friedrichshöhe in tiefer gelegene Gebiete transportierte. Nach dem Rohrbruch ergoss sich ein Sturzbach über den Ruländersteig, zwischen Elblingweg und Hardergasse, 1,5 Millionen Liter Wasser liefen aus, Teile des Hangs am Ruländersteig rutschten ab. In der Hardergasse stand das Wasser an jenem Samstagmorgen teils einen Meter hoch.

So sah es am Morgen des 1. August in der Hardergasse aus: Die Wassermassen hatten Teile eines Hangs ins Rutschen gebracht.
So sah es am Morgen des 1. August in der Hardergasse aus: Die Wassermassen hatten Teile eines Hangs ins Rutschen gebracht. | Bild: Feuerwehr Konstanz

Sie habe an einen „rauschenden Wildwasser-Fluss“ denken müssen, erzählte Anwohnerin Julia Berger dem SÜDKURIER eine Woche nach den Geschehnissen. Verletzte gab es keine, aber das Wasser füllte Keller und Garagen des Wohngebiets. Insgesamt waren sieben Häuser mit zwanzig bis 25 Bewohnern unmittelbar betroffen, zwei Wohnungen vorübergehend nicht mehr bewohnbar, wie die Stadtwerke damals mitteilten. Das Wasser aus dem Speicher Friedrichshöhe musste über andere Leitungen umgeleitet werden.

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Gut vier Monate später erinnern in der Hardergasse nurmehr Bauzäune vor der Treppe zum Ruländersteig an den Rohrbruch. Spuren der damaligen Überschwemmung sind auf den ersten Blick keine zu erkennen. Und bald soll auch das beschädigte Rohr wieder einsatzfähig sein, wie die Stadtwerke mitteilen.

Vor vier Monaten stand hier nach einem Rohrbruch alles unter Wasser: die Hardergasse im Konstanzer Stadtteil Allmannsdorf. Die Bauzäune vor der Treppe zum Ruländersteig werden ebenfalls bald verschwinden, wenn das gerissene Rohr erneuert ist.
Vor vier Monaten stand hier nach einem Rohrbruch alles unter Wasser: die Hardergasse im Konstanzer Stadtteil Allmannsdorf. Die Bauzäune vor der Treppe zum Ruländersteig werden ebenfalls bald verschwinden, wenn das gerissene Rohr erneuert ist. | Bild: Marcel Jud

Seit Mitte Oktober werde die 330 Meter lange Trinkwasser-Transportleitung erneuert, sagt Stadtwerke-Pressesprecher Christopher Pape auf SÜDKURIER-Nachfrage. Bis Ende November sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bei der Erneuerung kommt das sogenannte Close-Fit-Verfahren zur Anwendung.

Dieses setze sich aus mehreren Arbeitsschritten zusammen, wie Projektleiter Sebastian Daus von den Stadtwerken erklärt: „Zunächst haben wir das alte Rohr mit einem Kameraroboter untersucht, um zu sehen, ob es irgendwo Ablagerungen oder andere Hindernisse gibt.“ Um diese zu entfernen, wurde eine Seilwinde mit Schrauber-Aufsätzen verwendet. „Diese gleitet durch das Rohr und reinigt es mechanisch.“

Durch Heißdampf wird das Rohr wieder rund. Dafür steht auf einer Treppe bereits der „Dampfflasch“, wie Bauarbeiter erklären: Durch den „Flasch“ werde der Dampf „verschickt“.
Durch Heißdampf wird das Rohr wieder rund. Dafür steht auf einer Treppe bereits der „Dampfflasch“, wie Bauarbeiter erklären: Durch den „Flasch“ werde der Dampf „verschickt“. | Bild: Marcel Jud

Nach der Reinigung konnte das eigentlich Close-Fit-Verfahren starten. Hierzu wurde ein in C-Form gefaltetes Kunststoffrohr aus Polyethylen auf die Baustelle geliefert, wo es von einer großen Trommel abgespult und ins Altrohr gezogen wurde, erklärt Daus: „Am spannendsten ist aber der letzte Schritt: Das Kunststoffrohr wird nun durch Heißdampf, der eingeblasen wird, erwärmt.“

Durch die Temperatur und den Druck forme sich das Rohr in seine ursprünglich runde Form aus und schmiege sich dabei passgenau an die Wand des alten Rohrs an. „Im letzten Arbeitsschritt werden die Rohre dann wieder miteinander verbunden und die neue Leitung in Betrieb genommen.“

Die Baugrube im Elblingweg: Zu sehen ist das blaue Kunststoffrohr, das beim sogenannten Close-Fit-Verfahren zum Einsatz kommt. Es ist in C-Form gefaltet und wird ins bestehende Altrohr gezogen.
Die Baugrube im Elblingweg: Zu sehen ist das blaue Kunststoffrohr, das beim sogenannten Close-Fit-Verfahren zum Einsatz kommt. Es ist in C-Form gefaltet und wird ins bestehende Altrohr gezogen. | Bild: Marcel Jud

Dieses Verfahren habe den Vorteil, dass keine kompletten Leitungen ausgetauscht werden müssten, sondern die bestehende Infrastruktur genutzt werden könne, so Daus. Durch die Erweiterung der bestehenden Rohre mit stabilen Kunststoffrohren würden Ressourcen gespart, da der Boden nicht auf der kompletten Länge der Leitung aufgegraben werden müsse.