Das Thema Funkmasten treibt die Gemeinde Hohenfels schon seit mehreren Jahren um. Nun fragte die Telekom erneut an. Es geht um zwei Standorte in Liggersdorf und Mindersdorf. Wieder begann eine rege Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Nach Stellungnahmen der Zuhörer und einem Meinungsaustausch zwischen den Gemeinderäten fasste Bürgermeister Florian Zindeler zusammen, es sei wichtig, alle Informationen zu sammeln. Er werde die Telekom bitten, in diesem Jahr nicht auf dem freien Markt nach einem Standort zu suchen.

Man werde sich Referenten vor Ort gemeinsam anhören und nach der Sommerpause eventuell eine erneute Befragung der Bürger starten, um thematisch weiterzukommen und zu beschließen, in welche Richtung es gehen solle.

Vorbereitung für 5G-Standard

Bei den neuen Anfrage der Telekom sei das Thema 5G, das vor allem die Mitglieder der Bürgerinitiative um Silvia Figel mit Sorge betrachten, gar nicht enthalten, so dass die diesbezüglichen Fragen wahrheitsgemäß verneint worden seien, so Zindeler.

In einem Telefonat mit der Telekom habe man ihm erklärt, wenn eine Standortanfrage gestellt würde, dauere es normalerweise zwei bis drei Jahre bis zur Umsetzung eines solchen Projekts. Einzelstandorte im ländlichen Raum würden bislang nicht mit 5G ausgestattet, aber neue Standorte würden üblicherweise als „5G ready“ (bereit für 5G) vorbereitet. Damit sei eine Nachrüstung möglich.

„In der Corona-Krise wird auch dem Letzten klar, wie wichtig Telekommunikationssysteme sind“

Einwohner Roland Effinger bekannte sich als Mobilfunkbefürworter: „Jetzt in der Corona-Krise, wo viele Homeoffice machen, wird auch dem Letzten klar, wie wichtig schnelle, zuverlässige und redundante Telekommunikationssysteme sind.“ Er würde es begrüßen, wenn der Mobilfunkausbau vorangetrieben würde, sodass die Möglichkeit bestehe, künftig 4G oder 5G zu empfangen.

Er fragte, ob sich die Gemeinde und der Gemeinderat um einen neuen Standort oder Alternativstandort bemüht hätten. Dies verneinte der Bürgermeister. Er verwies auf die unterschiedlichen Ergebnisse der zurückliegenden Umfrage und betonte, er sei kein Wissenschaftler, der die Auswirkungen auf den Körper kenne. Es gehe auch um die Auswirkungen für den Arbeitsplatz zuhause und den Empfang in einzelnen Bereichen der Gemeinde.

Lehmann: Je mehr Masten, desto geringer die Strahlung

Rat Karlheinz Lehmann (FUW) berichtete, der Gewerbeverein wolle im August oder September einen Referenten einladen, der Fragen, die im Raum stünden, neutral beantworten könne. Er fügte hinzu, je mehr Handymasten es gebe, desto näher wäre jedes Handy an einem Masten dran und die Strahlung verringere sich.

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Man dürfe nicht der Illusion verfallen, zu diskutieren, was im Haus passiere. Da werde Glasfaser verlegt und im Haus sei alles gut. Aber auf dem Feld, im Garten oder auf dem Weg nach Stockach funktioniere Glasfaser nicht. Da sei man auf Mobilfunk angewiesen – und jeder wisse, dass die Abdeckung in Hohenfels nicht gut sei. „Guter Handyempfang ist die Zukunft. Man mag sich dem verweigern, aber dann verweigert man sich auch der Zukunft“, schloss er.

Schutz für die Bürger

Karl Schmid (FUW) betonte, man müsse die Digitalisierung voranbringen und zusehen, dass das Glasfasernetz ausgebaut werde. Zu den angefragten Funkmasten sagte er: „Es geht in der Hauptsache um eine möglichst geringe Strahlenbelastung der Bevölkerung. Wenn die Masten die ganze Gemeinde, jeden Bürger bestrahlen, geht es uns schon was an.“

Als Gemeinderäte hätten sie die Aufgabe, den Bürger zu betrachten und in Schutz zu nehmen und nicht die Aufgabe, einen kommerziellen Konzern irgendwie zu fördern und zu unterstützen.

Florian Zindeler bestätigte, die Aufgabe seien Schutz und Daseinsfürsorge: „Wir schaffen aber auch die Infrastruktur und können bei Bedarf die Möglichkeit für das Homeoffice nicht verwehren.“ Das mache die Abwägung so schwierig und man müsse alle Optionen diskutieren. Wenn die Gemeinde auf die Telekom-Anfrage nicht reagiere und das Unternehmen dann den freien Markt nach einem Standort frage, habe man kaum noch Einflussmöglichkeiten.