Mit dem Mobilfunk und dem Internet ist es ähnlich wie mit der Autobahn: Jeder will eine gute Anbindung haben und schnell sein, aber niemand will die Infrastruktur oder Strahlung in seiner Nähe haben.

Mit eben diesem Problem schlägt sich die Gemeinde Hohenfels in Bezug auf das Thema Mobilfunk seit etlichen Jahren herum. Denn auf der Gemarkung Hohenfels gibt es bis jetzt noch keinen Funkmast. Die Telekom verfolgt jedoch die Absicht, dort mindestens einen Mast zu platzieren.

Das gefällt nicht allen, weshalb es in der Vergangenheit bereits etliche Klausurtagungen, Beratungen, Bürgerbeteiligungsprojekte, kontroverse Diskussionen und eine Bürgerinitiative gegeben hatte. Diese wollte insbesondere verhindern, dass ein Funkmast in der Nähe von Grundschule und Kindergarten gestellt wird, setzt sich aber vor allem für eine strahlungsfreie Gemeinde ein.

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Um der Lösung des Dilemmas näher zu kommen, hat es nun wieder eine Informationsveranstaltung gegeben, als Online-Veranstaltung mit rund 40 Teilnehmern.

Reduzierung der Strahlenbelastung als gemeinsames Ziel

Hans Ulrich hat das Immissionsgutachten vorgestellt, das im Zuge des Dialogverfahrens mit der Telekom von seinem unabhängigen Münchener Fachbüro Funktechanalyse erstellt wurde. Hans Ulrich war ehemals tätig für das Umweltinstitut München, machte sich aber 2017 selbständig, um Gemeinden in ihrer Auswahl für Mobilfunkstandorte unabhängig zu unterstützen.

Hierbei ist es ihm ein besonderes Anliegen, die Strahlenbelastung für die betroffenen Anwohner zu reduzieren. Dieses Ziel verfolgt auch die Hohenfelser Gemeindeverwaltung. Und aus diesem Grund ringt sie mit einer Entscheidung. Das Immissionsgutachten lag bereits zwei Wochen vor der Informationsveranstaltung zur Einsicht bereit.

Gute Ergebnisse für Standort auf dem Josenberg

Die wichtigsten Ergebnisse des Immissionsgutachtens des Fachbüros Funktechanalyse lauten für Liggersdorf und Mindersdorf: Der mögliche Standort auf dem Josenberg könne eine geringe Strahlungsimmission und gute Versorgung bieten, sogar in Richtung Selgetsweiler. Der Mast stünde nicht auf freier Fläche, sondern im Wald.

Die Vergleichsmessung eines möglichen Standortes auf einem Dach in Liggersdorf ergab eine um 70 Prozent höhere Strahlenbelastung.

Viele freuen sich über eine gute Mobilfunkanbindung, aber niemand möchte einen Funkmast in seiner Nähe haben, so wie diesen bei ...
Viele freuen sich über eine gute Mobilfunkanbindung, aber niemand möchte einen Funkmast in seiner Nähe haben, so wie diesen bei Allensbach am Bodensee. | Bild: Constanze Wyneken

In Mindersdorf wurde für den möglichen Standort auf dem Kühneberg eine Messung durchgeführt, die jedoch keine guten Ergebnisse aufwies. In Mindersdorf wären die besten Alternativen der Standort an der Kläranlage oder am Sportplatz. Zwar liegt die dortige Strahlungsimmission etwas höher, ist aber dennoch um 50 Prozent niedriger als auf einem Dach in Mindersdorf.

Bau mehrerer Maste wäre schwierig

Die vom Fachbüro Funktechanalyse berechneten Standorte sind laut Ulrich künftig durchaus für mehrere Anbieter geeignet. In Bezug auf Deutwang könnten die betrachteten Standorte in der Versorgung wohl nicht weiterhelfen – die Versorgung müsste über das Tal hinweg passieren.

Der mögliche Bau mehrerer Maste könnte zwar die Strahlung grundsätzlich reduzieren, allerdings würde der künftige Mehrbedarf auch zu einer höheren Belastung führen. Hans Ulrich schätzte, dass die Thematisierung eines weiteren Mobilfunkmasts eine Entscheidung weiter in die Länge ziehen könnte. Allerdings könnte dieses Thema für den Ortsteil Liggersdorf aufgrund dessen Größe und aufgrund der Versorgung der umliegenden Ortsteile durchaus auf den Tisch kommen.

Einfluss nur mit Standort-Empfehlung möglich

Für viele Teilnehmer der Veranstaltung gab es eine unangenehme Erkenntnis.

Hans Ulrich erläuterte das Vorgehen bei Entscheidungen: Das jeweilige Telekommunikationsunternehmen (im Fall Hohenfels die Telekom) muss mit dem Eigentümer der möglichen Standorte, also der Gemeinde Hohenfels, das Gespräch suchen, solange die Gemeinde Empfehlungen zu möglichen Standorten abgibt. Ergeben die Gespräche positive Ergebnisse, ist das Dialogverfahren beendet, das ist laut Ulrich in 90 Prozent der Fälle so.

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Gibt die Gemeinde jedoch keinerlei Empfehlung ab, weil sie sich beispielsweise nicht einig wird, dann gibt der Gemeinderat seine kommunale Einflussmöglichkeit komplett aus der Hand. In diesem Fall bestimmt das Kommunikationsunternehmen den Standort selbst. Das Ergebnis wäre unter Umständen eine ungünstigere Option inmitten eines Ortsteils und hätte unter Umständen einen teuren Rechtsstreit zur Folge.

Einer der Teilnehmer des Online-Gesprächs bezeichnete diese Vorgehensweise während des Onlinechats gar als Erpressung, was Bürgermeister Florian Zindeler jedoch abschwächte.

Rat zur Kompromisslösung

Hans Ulrich riet deutlich zu einer Kompromisslösung, da sonst in Stuttgart für die Gemeinde Hohenfels entschieden werden würde.

Bürgermeister Florian Zindeler ist auf der Suche nach der besten Lösung für alle.
Bürgermeister Florian Zindeler ist auf der Suche nach der besten Lösung für alle. | Bild: Doris Eichkorn

Zindeler sagte abschließend: „Es wird Mobilfunk herkommen in unsere Gemeinde und wir müssen versuchen, die beste Lösung für alle zu finden.“ Dies dürfte in der Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch keine leichte Entscheidung werden.