„Unerlaubte Tanzveranstaltung„ – das klingt zunächst nach einem dramatischen Verstoß gegen die Corona-Vorschriften. Eine solche Veranstaltung soll laut einer Pressemitteilung der Polizei am Samstag, 7. November, in Hohenfels stattgefunden haben. Nachdem ein Zeuge den Beamten einen erhöhten Personenverkehr beim Schloss gemeldet habe, habe man bei der Überprüfung festgestellt, dass im großen Saal des Schlosses eine „Multiplikatoren-Schulung/Tanzveranstaltung„ abgehalten worden sei. Die Verantwortlichen hätten keine Teilnehmerliste vorweisen können. Soweit die Mitteilung der Polizei. Dem widersprechen allerdings Veranstalter Benedikt Lux und der Vermieter und Besitzer des Schlosses, der Verein Eos-Erlebnispädagogik, vehement.

„Keine Tanzveranstaltung„

Benedikt Lux, der nach eigener Auskunft bundesweit künstlerische Fort- und Weiterbildungen gibt, berichtet in einer schriftlichen Erklärung, die dem SÜDKURIER vorliegt, es habe sich ausdrücklich um keine Tanzveranstaltung, sondern um eine berufliche Weiterbildung für Pädagogen gehandelt, in der es um die theoretische Darlegung der Besonderheiten unterschiedlicher Kulturen aus aller Welt ging – darunter auch Musik und Tanz. Die Weiterbildung sei in Referatsform und mithilfe von Film- und Musikbeispielen vor einer kleinen Teilnehmergruppe abgehalten worden. Eine Kontaktliste habe man erstellt. Abstände seien eingehalten worden, beim Betreten und Verlassen des Gebäudes sowie in den Pausen habe man zudem Masken getragen.

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Auf Nachfrage erklärt Lux, seitens der Polizei sei während des Einsatzes keine „konkrete Aufforderung der Darlegung unseres Corona-Konzeptes“ erfolgt. Sie habe laut Lux lediglich festgestellt, dass am Eingang keine Desinfektionsmittel vorhanden und dass die Fenster zu dem Zeitpunkt nicht gänzlich gekippt gewesen seien. Allerdings hätten die Beamten den Raum durch einen Nebeneingang betreten – „Desinfektionsmittel standen jedoch am Haupteingang sowie auch das aufgehängte Hygienekonzept.“ Den 20 Teilnehmern habe außerdem eine Fläche von 130 Quadratmeter zur Verfügung gestanden, genügend Abstand habe man für diese Art der Veranstaltung also einhalten können.

Weiterbildung habe unter Corona-Bedingungen stattgefunden

Zudem habe die Polizei über die Corona-Bestimmungen für private Veranstaltungen, für die eine Beschränkung auf zehn Personen aus zwei Haushalten gilt, aufgeklärt. Er habe versucht, zu erklären, dass es sich um eine Weiterbildung handle, so Lux – diese dürften mit bis zu 100 Personen derzeit durchgeführt werden. „Dennoch wurde die sofortige Beendigung dieser Weiterbildung angeordnet.“ Durch den plötzlichen Abbruch „wurde die vorhandene Teilnehmerliste von mir wie auch von der Polizei nicht mehr angesprochen, beziehungsweise von ihr nicht mehr zur Ansicht angefordert“, schildert Lux.

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Wie die Geschäftsführung von Eos mitteilt, habe man sich im Vorfeld mit dem Veranstalter über die sorgfältige Einhaltung der Maßnahmen verständigt und nehme die Corona-Regelungen sehr ernst. Die Veranstaltung sei ihres Wissens nach „vollkommen coronakonform abgelaufen“. Laut Auskunft von Fachanwälten obliege es im Übrigen nicht dem Betreiber eines Tagungshauses, Fremdveranstaltungen zu kontrollieren oder beaufsichtigen, so Eos. „In unserem eigenen Interesse und aus Gründen der Fürsorge gegenüber den Mitmenschen sorgen wir jedoch dafür, dass Veranstaltungen in unserem Hause nach den aktuellen Corona-Maßnahmen durchgeführt werden.“ Man wolle „weiterhin die geltenden Corona-Verordnungen bewusst einhalten und weiter im Rahmen des rechtlich Erlaubten unsere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.“ Damit wolle man auch einen Beitrag dazu leisten, dass Kulturschaffende überleben können.

Die Ermittlungen laufen noch

Wieso kam es dann zur Annahme der Polizei, es habe sich um eine „unerlaubte Tanzveranstaltung„ gehandelt? Genaue Angaben kann Polizeisprecherin Tatjana Deggelmann derzeit nicht machen. Wie sie mitteilt, sind die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich sei es aber so, dass die Polizei lediglich Aussagen und Beobachtungen aufnehme und es dem Entscheidungsträger – in diesem Fall der Bußgeldbehörde der Stadt Stockach – überlasse, anhand der gesammelten Informationen über den Ausgang eines Falls zu entscheiden. Deggelmann betont aber: „Die Polizei ermittelt in alle Richtungen“, man habe keine vorgefertigte Meinung. Aussagen aller Beteiligten – in diesem Fall also auch jene von Eos und Benedikt Lux – werden aufgenommen und berücksichtigt.