Mehrere Bagger rollen und graben derzeit am alten Klärwerk in Kalkofen. Der umfangreiche Umbau der Anlage für die Mischwasserbehandlung läuft auf vollen Touren. „Es ist jetzt ganz schön Bewegung drin“, sagte Bürgermeister Florian Zindeler bei einem Baustellenbesuch. In der Anlage, die vom Abwasserzweckverband Stockacher Aach betreut werde, fließe Wasser aus Hohenfels zusammen.

Ein Blick auf die Baustelle: Links ist das Regenüberlaufbecken, rechts ist ein Teil des Klärbeckens zu sehen.
Ein Blick auf die Baustelle: Links ist das Regenüberlaufbecken, rechts ist ein Teil des Klärbeckens zu sehen. | Bild: Löffler, Ramona

In der vergangenen Woche kamen tonnenschwere Bauteile in vorbereitete Gruben. Neben dem Klärbecken wurde ein Drosselbauwerk gesetzt, das rund 24 Tonnen wiegt. Dafür sei ein Autokran im Einsatz gewesen, erzählt Adrian Delhey von der Firma Delhey. Ein rechteckiges Überlaufbauwerk an anderer Stelle wiegt knapp 22 Tonnen. „Wir haben bisher 600 bis 700 Kubikmeter Erde bewegt“, fasste er zusammen. Das Material werde direkt vor Ort mit Erdkalk aufbereitet und wiederverwendet. So müsse es nicht weggefahren und woanders gemacht werden.

1,2 Millionen Euro Kosten

Der Umbau ist ein Millionenprojekt: Die Baukosten betragen 1 205 241 Euro inklusive Nebenkosten, erklärte Ingenieur Harald Güthler auf SÜDKURIER-Nachfrage. Die Gemeinde erhalte Zuschüsse vom Land. Güthler zählt auf, was gemacht wird: Die Erneuerung des Überlaufbauwerks und der Außenanlage sowie der Einbau eines neuen Drosselbauwerks. „Das Überlaufbauwerk erhält einen Feinsieb-Rechen“, so Güthler in einer schriftlichen Antwort auf verschiedene Fragen.

Im Drosselbauwerk werde eine technische Ausrüstung zur Abflussdrosselung und -messung eingebaut. Die Regenüberlaufbecken werden mit Lamellenabscheider/Schrägklärer ausgerüstet. Ein Abscheider dient dazu, Biomasse aus dem Wasser zu entfernen, so die Internetseite www.wasser-wissen.de.

Für die Mischwasserbehandlung

„Alle bautechnischen Maßnahmen dienen der richtlinienkonformen Mischwasserbehandlung im Regenwetterfall“, erklärt Güthler. „Dabei wird bei stärkeren Regenereignissen in Regenüberlaufbecken der erste Schmutzstoß aufgefangen. Der Überlauf gelangt in den vorhandenen Bach.“ Damit im Entlastungsfall keine Schwimmstoffe nach außen getragen werden, gebe es eine Vorreinigung durch den geplanten Feinsieb-Rechen.

In der Baugrube beim Klärbecken liegt das neue Drosselbauwerk, das 24 Tonnen schwer ist.
In der Baugrube beim Klärbecken liegt das neue Drosselbauwerk, das 24 Tonnen schwer ist. | Bild: Löffler, Ramona

Allerdings, so erklärt der Ingenieur weiter, sei das vorhandene Regenüberlaufbecken (RÜB) zu klein und konnte die notwendigen Anforderungen nicht erfüllen. „Daher wird das alte Klärwerksbecken (KWB) nun umgebaut, sodass zusätzliches Volumen für die Mischwasserbehandlung geschaffen werden kann“, erläutert Güthler. Er beschreibt die Maßnahme folgendermaßen: „Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssen zusätzlich in die Becken Lamellenabscheider/Schrägklärer eingesetzt werden, durch welche Sedimentationsprozesse begünstigt und somit die Leistungsfähigkeit der Anlage erhöht wird. Dadurch müssen nicht zusätzlich neue teure Beckenvolumen gebaut werden.“

Das neue Überlaufbauwerk in der Nähe des Überlaufbeckens, in das aus einem Kanal (rechts) Regenwasser einfließen wird.
Das neue Überlaufbauwerk in der Nähe des Überlaufbeckens, in das aus einem Kanal (rechts) Regenwasser einfließen wird. | Bild: Löffler, Ramona

Derzeit laufen nun zunächst die Erdarbeiten rund um die alte Kläranlage. Das dauert noch mehrere Wochen, so Adrian Delhey. Im Anschluss installiere eine andere Firma die technischen Anlagen, erklärt Florian Zindeler.

Corona und Baufortschritt

Und könnte die derzeitige Corona-Krise Probleme beim Baufortschritt an der alten Kläranlage machen? Bisher gebe es keine Behinderungen, erklärt Harald Güthler. „Hinsichtlich der technischen Ausrüstung hat die Firma die Tätigkeiten vor Ort verschoben, ist aber innerbetrieblich tätig mit den Arbeitsvorbereitungen, sodass nach Fertigstellung der bautechnischen Maßnahmen die technische Ausrüstung installiert werden kann“, antwortet er schriftlich.

Der Zeitplan des Großprojekts sieht derzeit vor, dass bis Ende Oktober der Umbau und die Erweiterung fertig werden sollen. Anschließend soll die Anlage in Betrieb gehen.