Die meisten Motorradfahrer sind vernünftig und halten sich an Regeln. Sie nehmen auch Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Doch einige Motorradfahrer ticken eben auch anders. So erreichte die Gemeindeverwaltung in Hohenfels ein anonymer Brief von Kalkofer Bürgern, die genau auflisteten, zu welcher Uhrzeit welches Motorrad mit welchem Kennzeichen vorbeifuhr. Zudem hatten Bürger am Ostermontag die Bushaltestelle mit Stöcken blockiert und „No Bikes“ mit einem Verbotszeichen aufgesprüht, damit hier nicht gehalten und gewendet werden konnte.

Bürgermeister Florian Zindeler signalisierte in der jüngsten Sitzung des Hohenfelser Gemeinderats zwar Verständnis für die Verzweiflung, die zu der Aktion geführt haben musste. Er musste sie allerdings auch verurteilen: „Das war ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Durch herumfliegende Stöcke hätte jemand verletzt werden können.“ Viel Zustimmung und Verständnis gab es aus dem Gemeinderat für die Bürger, denn die Zweiradfahrer fahren nicht einfach durch Kalkofen durch.

„Der Lärm der Motorräder ist aufgrund der Drehzahlen eine erhebliche Belastung für die Anlieger.“ Florian Zindeler, Bürgermeister
„Der Lärm der Motorräder ist aufgrund der Drehzahlen eine erhebliche Belastung für die Anlieger.“ Florian Zindeler, Bürgermeister | Bild: SK

Einige nutzen die Serpentinenstrecke der Kalkofer Steige (Landesstraße 194) zwischen Kalkofen und dem Stockacher Ortsteil Mahlspüren im Tal mehrfach und hätten zudem ihren Auspuff getunet. Was dem einen ein Wohlklang ist, ist für den anderen aber einfach Lärm. „Der Lärm der Motorräder ist aufgrund der Drehzahlen eine erhebliche Belastung für die Anlieger, wobei es kaum Möglichkeiten der direkten Einflussnahme seitens der Gemeinde Hohenfels gibt“, erklärte Zindeler.

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Die Gemeinde habe wenig Handlungsspielraum, bedauerte Florian Zindeler. Er habe das Gespräch mit der Polizei gesucht, die versprach, verstärkt Präsenz zu zeigen. Lärm- und Geschwindigkeitsmessungen würden wahrscheinlich nicht das erhoffte Ziel bringen, da sich die Motorradfahrer untereinander vernetzen würden und dann entweder eine andere Strecke suchen würden oder sich kurzfristig an die Beschränkungen halten würden. „Polizeipräsenz und Schilder, die auf Lärmbelästigung und Gefährdung durch überhöhte Geschwindigkeit hinweisen, erreichen nicht alle“, befand Gemeinderätin Anita Moser (BLH), „doch regen sie trotzdem viele zum Nachdenken an.“

„Sie müssen alles mit Zeitangabe und Kennzeichen dokumentieren, eventuell auch ein Video drehen oder Fotos machen und dann Anzeige erstatten.“ Karlheinz Lehmann, FUW
„Sie müssen alles mit Zeitangabe und Kennzeichen dokumentieren, eventuell auch ein Video drehen oder Fotos machen und dann Anzeige erstatten.“ Karlheinz Lehmann, FUW | Bild: SK

Gemeinderat Karlheinz Lehmann ist selbst bekennender Motorradfahrer. Doch versteht er, dass das Verhalten einiger zu Problemen führt. Er fordert die Kalkofer Bürger auf: „Sie müssen alles mit Zeitangabe und Kennzeichen dokumentieren, eventuell auch ein Video drehen oder Fotos machen und dann Anzeige erstatten. Das geht nicht anonym, denn die Polizei braucht Zeugen.“ Dem schlossen sich der Gemeinderat und der Bürgermeister an. Eventuell werde Hohenfels eine eigene, mobile Geschwindigkeitsanzeige anschaffen, die dann nicht nur in Kalkofen zum Einsatz komme. Bisher teile man sich ein solche mit Stockach. Ein Lärmmessgerät oder ein fest installiertes Geschwindigkeitsmessgerät verursache hohe Kosten und bringe dafür wenig Nutzen.

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So wird die Lautstärke bei Geschwindigkeiten von 30 bis 50 Stundenkilometern gemessen. Dabei werden Grenzwerte meist eingehalten. Im Standgas kann der Geräuschpegel aber bis zu 100 Dezibel erreichen. Gemeinderätin Daniela Jage (BLH) regte an, der Initiative Motorradlärm in Baden-Württemberg beizutreten. Diese vertritt Forderungen von Kommunen und Landkreisen gegenüber dem Bund und der EU. Es sind schon Gemeinden der Region beigetreten. Dies ergebe Sinn, auch wenn Hohenfels keinen direkter Einfluss habe.

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