Die Versorgung mit Mobilfunk soll gut sein, aber wo soll der Funkmast hin? Mit dieser Frage hat die Gemeinde Hohenfels schon seit Jahren zu tun, seit die Telekom einen Mobilfunkmast in der Gemeinde errichten will. Bereits im Juni kam das Thema wieder auf die Tagesordnung des Gemeinderats. Jüngste Etappe in der Diskussion: ein Informationsabend der Gemeindeverwaltung in der Hohenfelshalle.

Mit zugelassenen 77 Personen war die Hohenfelshalle in Liggersdorf bei der Informationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk bis auf den letzten Platz besetzt.
Mit zugelassenen 77 Personen war die Hohenfelshalle in Liggersdorf bei der Informationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk bis auf den letzten Platz besetzt. | Bild: Reinhold Buhl

Corona-bedingt durften nur 77 Personen teilnehmen, doch die zuvor eingereichten Fragen zeigten, dass das Thema die Menschen weiter umtreibt. „Bei diesem Thema gibt es nur schwarz oder weiß und keine Grautöne dazwischen“, sagte Bürgermeister Florian Zindeler zur Eröffnung. Zindeler bekräftigte seinen Satz mit dem Hinweis, dass es schließlich auch keine halben Mobilfunkmasten gebe. Und eben um diese Mobilfunkmasten drehte sich der Info-Abend.

Das könnte Sie auch interessieren

Zindeler und sein Gemeinderat hatten zwei Referenten eingeladen, die das Thema aus zwei sehr unterschiedlichen Sichten beleuchteten. Auf der einen Seite sprach Jörn Gutbier als Vertreter einer Verbraucherschutzorganisation schwerpunktmäßig über die Risiken, die mit dem Mobilfunk verbunden sind, während Walter Berner von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) die Vorteile der technischen Entwicklung auf diesem Gebiet ansprach und dabei die besonderen Vorzüge eines 5G-Netzes ansprach. Beide waren sich jedoch schlussendlich einig, dass dieses Thema sehr kontrovers diskutiert werde und es zahlreiche auseinander gehende Risikobewertungen gebe.

Transparenter Prozess bevorzugt

Bürgermeister Zindeler strebt einen transparenten und neutralen Prozess an, der mit Entscheidungen enden sollte, die alle Seiten mittragen könnten. Aber gerade dies scheint kein einfacher Weg zu sein. Denn die eine Seite sagt, dass Strahlung für den Menschen sehr gefährlich sein könne, eine Meinung, die durch die „Bürgerinitiative zum Schutz unserer strahlungsarmen Gemeinde“ stark vertreten wird, während die andere Seite von der Ungefährlichkeit derselben spricht.

Skepsis in der Bevölkerung

Um diesen Knackpunkt drehte sich letztendlich jeder Wortbeitrag des Abends. So schätzten laut einer Umfrage 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Strahlung tatsächlich als gefährlich ein, und trotzdem nehme die Nutzung des Netzes ständig zu, erklärte Gutbier. Und das bei zunehmender Skepsis seitens der Bevölkerung. Ein Tatbestand, der nicht einfach zu verstehen sei.

Videos sind die Datentreiber

Dies unterstrich auch Berner, der bestätigte, dass sich das Datenvolumen deutschlandweit innerhalb von zwei Jahren verdoppelt habe. „Videos sind die Datentreiber, nicht die Telefonate“, unterstrich Berner, und appellierte an die Anwesenden, sich häufiger zu überlegen, ob all die abgerufenen Videos letztendlich auch notwendig seien. „Wir haben es selbst in der Hand, durch unser Verhalten, Strahlung zu vermeiden.“

Wo kommt der Mobilfunkmasten hin?

Und das ist letztendlich auch die Frage für die Gemeinde Hohenfels: Wie viel Strahlung nehmen wir in Kauf, um die Bevölkerung mit den gewünschten Datenmengen zu versorgen, also dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden? Wo sieht man die Notwendigkeit, den Bürger vor Strahlung zu schützen? Konkret stellt sich für die Gemeinde die Frage des Standorts oder eventuell der Standorte von Mobilfunkmasten. Das scheint keine einfache Aufgabe zu sein, wenn man bedenkt, dass die Lösung sowohl für Liggersdorf als auch für Mindersdorf befriedigend sein muss.

Die Frage der Haftung

In der anschließenden Diskussion, in welcher vorher von Gemeinderat und Bürgerinitiative eingereichte Fragen von den Referenten abgearbeitet wurden, ging es unter anderen auch um die Risikominimierung bei der Strahlungsintensität. „Diese könne man minimieren, indem man statt eines Masten mehrere kleine aufstellt“, erklärte Berner, der jedoch die dann entstehenden Mehrkosten nicht unerwähnt ließ. Ein weiterer interessanter Aspekt warf die Frage auf: Wer haftet für Strahlungsschäden, die eventuell in der Bevölkerung auftreten könnten? „Es gibt keine Versicherung gegen Strahlungsschäden“, sagte Gutbier. Der Verbraucherschutzexperte folgerte daraus, dass die Gemeinde Hohenfels in dieser Hinsicht überhaupt keine Verträge mit Mobilfunkanbietern abschließen dürfte.

Gemeinderat beauftragt Ingenieurbüro mit einem Gutachten

Nur einen Tag nach der Informationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk beschäftigte sich auch der Gemeinderat von Hohenfels mit dem Thema.

  • Das sagt der Bürgermeister: Bürgermeister Florian Zindeler appellierte daran, der Telekom alternative Standorte zu bieten. „Wenn wir hier nichts machen, laufen wir Gefahr, dass sich die Telekom auf dem freien Markt umschaut“, sagte er. Dann hätte die Gemeinde keinen Einfluss mehr. „Wir sollten dort auf der Hut sein“, sagte Bürgermeister Zindeler weiter.
  • So sieht es der Gemeinderat: Karl Schmid (FUW) sprach sich dafür aus, beim Glasfaserausbau einen Zahn zuzulegen. „Wir müssen das schaffen, bevor uns andere Anbieter dieses Themenfeld streitig machen“, sagte er. Für Karlheinz Lehmann (FUW) habe die Infoveranstaltung gezeigt, dass es durchaus Rädchen gebe, an denen die Gemeinde drehen könne, damit sich die Belastung reduziere. Sebastian Schmidt (FUW) betonte, dass Hohenfels nicht um einen Mobilfunkmast drumherum kommen werde. „Aber wenn, dann zu unseren Bedingungen“, forderte er.
  • Der Beschluss: Einstimmig beschloss der Gemeinderat, das Ingenieurbüro Funktechanalyse.de zur Durchführung eines Immissionsgutachtens für Liggersdorf und Mindersdorf als mögliche Standorte zu beauftragen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 9500 Euro. (mgu)

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €