Einen sicheren Schulweg wünscht sich wohl ein jeder für sein Kind. Um einen solchen bemüht sich die Gemeinde Hohenfels aktuell wieder einmal für ihre jüngsten Bürger, denn im Ortsteil Liggersdorf liegen die Korbinian-Brodmann-Grundschule und ein Kindergarten.

Alexander Nöth erläutert sein Vorhaben

So entbrannte in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Hohenfelshalle emotional aufgeladene Diskussion zu diesem Thema mit der Präsentation eines besorgten Vaters, Alexander Nöth. Er steht im engen Kontakt mit dem Elternbeirat von Schule und Kindergarten in Liggersdorf und hat gemeinsam mit diesen Gremien in einer Begehung einzelne Gefahrenpunkte im Hohenfelser Ortsteil Liggersdorf identifiziert und Lösungsvorschläge ausgearbeitet.

Seit Jahrzehnten ein Thema

Der Frust in der Gemeinde ist groß, weil man seit Jahrzehnten versucht etwas zu erreichen, aber immer wieder an den Straßenverkehrsbehörden kläglich scheitert, die das Problem auf die kommunale Ebene abwälzen.

In seiner Präsentation stellte Alexander Nöth vier Gefahrenstellen entlang der Hauptstraße vor: An der doppelten T-Kreuzung Hauptstraße/ Brunnenstraße/ Im Ehrenloh / Im Winkel sei in der Brunnenstraße der Gehweg nur einseitig ausgebaut. Der natürliche gerade Straßenverlauf verleite zu einer höheren Geschwindigkeit als die dort erlaubten 50 Stundenkilometer. Zudem werde nicht auf die Gefahrenstelle der unübersichtlichen S-Kurve hingewiesen, die sich um die Kirche windet.

Wo es Gefahrenstellen gibt

Da der Fußweg an Hauptstraße 29 ende, sagte Alexander Nöth, seien Fußgänger an dieser sehr unübersichtlichen Stelle gezwungen, die Straße zu überqueren. Die maximale Sichtweite, einen Fußgänger an dieser Stelle zu erblicken, sei genauso weit wie der Anhalteweg eines Autos mit Tempo 50 in beide Richtungen: 40 Meter. Weitere Gefahrenpunkte seien an der doppelten Y-Kreuzung von Hauptstraße und Ortsstraße bei Rathaus und Brunnen sowie auch bei der T-Kreuzung von Selgetsweiler Straße und Hauptstraße zu finden.

Gehsteige oft nur einseitig ausgebaut

Hauptsächlich, so erläuterte Nöth, seien in Liggersdorf also Kombinationen verschiedener Gegebenheiten für die Gefährdung von Fußgängern, jungen wie alten, verantwortlich. Bürgersteige seien vielfach nur einseitig ausgebaut, so dass man mehrfach die Straße überqueren müsse, um sein Ziel zu erreichen.

Die Geschwindigkeit betrage im Ortsteil durchgängig 50 Stundenkilometer, nur in Wohngebieten sei das Tempo auf 30 limitiert. Die Straßenführung sei häufig unübersichtlich durch Kurven oder topographische Anhöhen. Es seien keinerlei Hilfsmittel zur Straßenüberquerung vorhanden, wie Zebrastreifen oder Ampeln. Die Maßnahmen zur Gefahrenminderung beschränkten sich auf zwei „Achtung Fußgänger“- und „Runter vom Gas, Kinder“-Schilder und ein mobiles Geschwindigkeitsdisplay für vier Ortsteile, das man sich bisher mit einer anderen Gemeinde teile. Hier bestehe also dringender Handlungsbedarf, sagte Alexander Nöth.

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In den vergangenen Jahren habe es mehrere Anläufe für die Verbesserung der Sicherheit von Fußgängern in Liggersdorf gegeben, berichtete der Hohenfelser Bürgermeister Florian Zindeler. Immer wieder habe man diese Themen bei den Behörden vorgetragen. Allerdings gebe es Schwierigkeiten: „Diese sind bei einer Kreisstraße immer die Zuständigkeiten. Bevor man über die Kosten von Verbesserungsmaßnahmen redet, müssen erst die Eigentumsfragen geklärt sein“, sagte Zindeler.

Die Gemeinde Hohenfels ist bei Kreis- und Landesstraßen nicht der Baulastträger und dieser sehe keinen Handlungsbedarf. Bei den jüngsten Verkehrsschauen sei wegen der Pandemie die Anzahl der Kinder in Grundschule und Kindergarten nicht repräsentativ gewesen.

Verkehrsschau bezieht sich nur auf Schule und Kitas

Außerdem gebe es die Verkehrsschauen immer nur zum Punkt der Grundschule und des Kindergartens, sagte Nöth. Der Schulweg eines Kindes müsse jedoch in voller Länge betrachtet werden. Nöth, der vor 20 Jahren in Hamburg selbst einmal einen Unfall hatte, bei dem ein Kind touchiert wurde, sagte: „Ich wünsche niemandem, dass er in einen Unfall mit einem Kind involviert ist. Das war ein sehr schlimmes Erlebnis. Darum habe ich mich bereit erklärt, mich mit diesem Thema zu beschäftigen.“ Es sei ein sehr emotionales Thema und es müsse etwas geschehen, „bevor etwas passiert“.

Kampf um Zebrastreifen

Dieser Meinung waren auch viele andere Mitglieder des Gemeinderats. Karlheinz Lehmann (FUW) sagte: „Wir kämpfen hier in Hohenfels schon jahrelang dafür, dass Zebrastreifen und verkehrsberuhigte Zonen entstehen. Es ist schlimm, dass wir uns damit so schwer tun. Wir bauen Häuser, in denen Familien einziehen sollen. Aber die Kinder, die dort wohnen, kennen Zebrastreifen nur vom Besuch bei Oma und Opa in der Stadt. Wir, Bürgermeister und Gemeinderat, werden immer von der Straßenverkehrsbehörde abgebügelt, und es heißt, so etwas könne man hier nicht bauen. Das ist ein Armutszeugnis.“

Gefahrenstellen gibt es überall

Morten-Adrian Wagner (FUW) bedankte sich bei Nöth für die Ausarbeitung des Referats, betonte aber, dass es auch in anderen Ortsteilen ähnliche Gefahrenstellen gebe, etwa in Mindersdorf. Stefan Bezigkofer (BLH) bedauerte, dass die Gemeinde Bittsteller sei.

Alexander Nöth forderte: „Wir brauchen einen Experten, der sich die Verkehrslage im Detail und mit Expertenwissen anschauen, evaluieren und analysieren kann sowie Vorschläge zur Gefahrenminimierung innerhalb einer erneuten Verkehrsschau oder eines Workshops mit den Straßenverkehrsbehörden macht.“ Er äußerte sich optimistisch vor den Räten, dass sich manchmal der Verlauf eines Projekts ändere, wenn man neue Beteiligte ins Spiel bringe. Beharrlichkeit zahle sich aus und könne etwas bewegen.