Zur möglichen Bebauung im Gebiet Josenberg-Kratellen gehen die Meinungen extrem auseinander. Die Gemeinde sieht Bedarf für neuen Wohnraum im Teilort Kalkofen, die eigens gegründete Bürgerinitiative „Rettet den Josenberg“ ist vehement dagegen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es um den städtebaulichen Entwurf für den Bebauungsplan und die nächsten Schritte. Nach mehreren Äußerungen der BI und einiger Gemeinderäte stimmte das Gremium sowohl dem städtebaulichen Entwurf wie auch der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit zu.

Präsentation von Stand und Zusatzangebot

Bürgermeister Florian Zindeler schlug eine frühzeitige Offenlage auf Basis dieses Entwurfs vor, da eine Ortsteilversammlung Corona-bedingt aktuell nicht möglich sei. Die BI fürchtete, dass damit die Planungen im Hintergrund vorangetrieben werden, ohne auf die Stimmen der Bürger zu hören. In einer Präsentation erklärte Zindeler das Verfahren und erläuterte, diese erste Offenlage sei ein zusätzliches Angebot. Er stellte den Zuhörern das Konzept vor. So könne man besser über Greifbares sprechen.

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Während der Geltungsbereich ursprünglich eine Fläche von 1,96 Hektar umfasste, weist der Entwurf eine viel kleinere Fläche von etwa 0,8 Hektar mit zehn möglichen Bauplätzen aus. Zindeler versprach, die mehrfach zugesagte Ortsteilversammlung werde auf jeden Fall vor einer möglichen Offenlage eines detaillierten Plans inklusive Bauvorschriften stattfinden.

Er bat auch Christian Herrmann, den Sprecher der BI, nach vorne ans Mikrofon. Er wolle ihn zwischendurch fragen, ob es Unstimmigkeiten gebe. Herrmann fühlte sich überrumpelt: „Ich werde herzitiert, so geht das nicht. Jetzt ist Schluss.“

Bürger machen ihrem Unmut Luft

Ingo Sielmann meldete sich mit einer klaren Aussage zu Wort: „Wir haben die BI gegründet, um das Bebauungsgebiet ganz sterben zu lassen. Beim runden Tisch haben wir uns große Mühe gegeben, dem Gemeinderat mit Vorträgen die Aspekte zu zeigen, warum wir das Bebauungsgebiet nicht haben wollen. Wir haben inzwischen 160 Unterschriften von Kalkofener Bürgern, die nicht wollen, dass das Landschaftsbild so verändert wird.“

Er habe lange nichts gehört und gehofft, dass der Gemeinderat das Ganze im Sande verlaufen lässt. „Wie kann das von Bürgern gewählte Gremium die Stimmen von einem Viertel der Bürger von Kalkofen ignorieren?“ fragte er. Eine Bürgerbeteiligung sei recht und gut, das Anliegen der BI sei aber, dass überhaupt nicht gebaut werde.

Rechts ist der Josenberg zu sehen – ein Naherholungsgebiet. Der Bebauungsplan bezieht sich auf einen kleinen Bereich zwischen letzter Häuserreihe und Wald in der Mitte. Bild: SK-Archiv
Rechts ist der Josenberg zu sehen – ein Naherholungsgebiet. Der Bebauungsplan bezieht sich auf einen kleinen Bereich zwischen letzter Häuserreihe und Wald in der Mitte. Bild: SK-Archiv | Bild: SK Archiv

Lydia Tollkühn von der BI betonte, der Josenberg sei das einzig zugängliche Naherholungsgebiet von Kalkofen und müsse so erhalten werden, wie er ist. Sie wollten in einer Ortsteilversammlung, die dem ganzen Prozess vorgelagert ist, Argumente vorbringen, um den Josenberg zu schützen. Die Bürgerversammlung müsse vor den Beteiligungsprozessen stattfinden, forderte sie.

Auch Antje Teichmann bekräftigte, die Mitglieder der BI hätten nicht zusammengefunden, um Randgrundstücke zu erhalten, sondern um diesen Josenberg als Landschaftsbild für Gemeinde und Region zu erhalten: „Ich erlebe mit Bedauern, dass die sehr vielen Unterschriften, die Aussage für sich sein sollten, am Gemeinderat irgendwie vorbeigehen.“

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Vorausschauende Entwicklung der Ortsteile

Laut Zindeler sei die vorausschauende Entwicklung der Ortsteile und der Gesamtgemeinde die Hauptaufgabe des Gemeinderats. Daher müssten sich bietende Chancen gründlich und im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel überprüft werden. „Und die Visualisierung zeigt, dass der Großteil des Josenbergs weiter der Naherholung dient.“

Auf die Aussage von BI-Sprecher Christian Herrmann, die Ortsteilversammlung sei ihnen zugesagt worden und extrem wichtig, um mit den Bürgern von Kalkofen und dem Gemeinderat ins Gespräch zu kommen, versicherte der Bürgermeister: „Wir werden Wort halten und es steht jedem frei, daran teil zu nehmen.“

Was die Gemeinderäte sagen

Mitglieder des Gemeinderats machten nochmals deutlich, dass mit der frühzeitigen Offenlage lediglich der Entwurf und Möglichkeiten gezeigt, jedoch keine Fakten geschaffen würden. Karl Schmid (FUW) sagte, eine Ortsteilversammlung sei immer Teil der Gespräche gewesen: „Wir müssen klarstellen, dass diese stattfindet. Die BI kann sich den Entwurf auch angucken und Gedanken machen.“

Zindeler stimmte zu: „Wir hatten schon einen Termin fixiert, der Corona-bedingt abgesagt werden musste.“ Ralf Sigmund (BLH) betonte: „Wir müssen eine frühzeitige Beteiligung machen, dann sprechen wir in der Ortsteilversammlung alle über das Gleiche.“

Auf Nachfrage des SÜDKURIER erläuterte Florian Zindeler, die Offenlage des städtebaulichen Entwurfs werde gegen Ende Dezember oder Anfang Januar bekanntgemacht. Die Unterlagen könnten in einem festgelegten Zeitraum auch online eingesehen werden. Innerhalb dieser Frist könnten Stellungnahmen bei der Gemeindeverwaltung abgegeben werden, die gesammelt und in öffentlicher Sitzung abgewogen würden.

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