Die Quartiersentwicklung in Hohenfels nimmt weiter an Fahrt auf. Im Rahmen eines Bürgerinformationsabend in der Hohenfelshalle läutete Bürgermeister Florian Zindeler die nächsten Schritte für das Projekt „Wir. Für mehr Lebensqualität in Hohenfels„ ein. Gemeinsam mit den Bürgern soll im Rahmen des Förderprogramms Quartierimpulse für mehr Lebensqualität in Hohenfels gesorgt werden. Und das Thema Bürgerbeteiligung sei den Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung wichtiger denn je, wie Zindeler in seiner Begrüßung hervor hob: „Wir alle sind Hohenfels und gestalten ein gemeinsames Konzept“, macht er deutlich. Er forderte die Bürger dazu auf, sich auch weiterhin aktiv an der Entwicklung zu beteiligen. Um zu erfahren, was die Bürger bewegt, wurde deshalb im vergangenen Juli eine Bürgerumfrage ins Leben gerufen. Ihre Ergebnisse dienen nun als Grundlage für die weiteren Schritte. Sie wurden den mehr als 150 interessierten Bürgern, die an diesem Abend in die Hohenfelshalle gekommen waren, von Pablo Rischard von der AGP Sozialforschung Freiburg vorgestellt.

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Eine hohe Rücklaufquote

Bürgermeister Florian Zindeler zeigte sich wegen der hohen Rücklaufquote der Bürgerbefragung erfreut: „Insbesondere durch die Rücklaufquote von 32 Prozent können wir spannende und sehr aufschlussreiche Ergebnisse ableiten.“ Pablo Rischard pflichtete dem Hohenfelser Rathauschef bei. Normalerweise rechne man bei Gemeinden in der Größe von Hohenfels zwischen zehn und 15 Prozent an Rückläufern. „Die Identifikation der Hohenfeler mit ihrer Gemeinde ist sehr hoch.“ 54 Prozent der Teilnehmer waren Frauen, 46 Prozent Männer. Aus allen Altersgruppen seien Teilnehmer dabei. Damit habe man eine sehr gute Repräsentativität erreicht.

Eine Post und Apotheken fehlen

Wie Rischard weiter ausführte, wird die Grundversorgung in Hohenfels insgesamt positiv bewertet; allerdings: eine Apotheke und eine Post fehlen laut den Umfrageergebnissen. Gerade im Bereich der Apotheken bemängelten 83 Prozent die derzeitige Situation. Allerdings werde, so Rischard, zwischen den Ortsteilen unterschieden. So werde die Bedarfsdeckung in Deutwang, Kalkofen, Mindersdorf etwas schlechter bewertet als in Selgetsweiler und Liggersdorf. Edmund Bronner kommt aus Liggersdorf. Er bemängelte im Laufe des Abends genau diesen Umstand, dass es keine Post mehr gebe. „Wer beim Liefertermin nicht daheim ist, muss sein Pakete in Stockach abholen“, kritisiert er. Er könne sich eine kleine Filiale im Rathaus vorstellen. Bürgermeister Zindeler schob diesem Wunsch, bei allem Verständnis, einen Riegel vor: „Eine Postfiliale muss ganzjährig, ganztägig besetzt sein. Dies können wir im Rathaus gerade am Wochenende nicht anbieten.“ Auch vom Personal her sei dies nicht zu stemmen.

Direkt beim Informationsabend in der Hohenfelshalle konnten sich die Bürger für die geplanten Bürgertische einmelden. Bilder: Matthias Güntert
Direkt beim Informationsabend in der Hohenfelshalle konnten sich die Bürger für die geplanten Bürgertische einmelden. | Bild: Matthias Güntert

Starke Verwurzelung der Bürger

Der Wunsch, zuhause alt zu werden, ist in Hohenfels stark ausgeprägt – auch bei Pflegebedarf. Wie Pablo Rischard weiter ausführte, könne dies mitunter an der hohen Eigentumsquote von 86 Prozent und an der starken Verwurzelung der Bürger liegen. „53 Prozent der Einwohner leben seit der Geburt beziehungsweise seit über 30 Jahren in der Gemeinde“, so Rischard.

Nicht genug Gastronomie

Auch im Bereich Familie und Soziales wird die Angebotslage insgesamt gut bewertet. Es gibt aber auch Bereiche, in denen die Hohenfelser Verbesserungsbedarf sehen. Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche wurden von den Befragten nicht als ausreichend bewertet. Zudem werden Treffpunkte und spezifische Angebote für Ältere, aber auch für Jung und Alt vermisst. „Es besteht Interesse an mehr gastronomischen Angeboten. Insbesondere in Kalkofen, Selgetsweiler und Mindersdorf schätzen rund ein Viertel der Befragten das gastronomische Angebot nicht als ausreichend ein“, sagt Pablo Rischard.

Mangelnde Busverbindungen

81 Prozent der Teilnehmer an der Bürgerbefragung wünschen sich eine bessere Busverbindung – vor allem auch außerhalb der Schulzeiten. Eine von ihnen ist Lydia Tollkühn aus Kalkofen. „Das Angebot in diesem Bereich ist nicht das beste“, sagt sie. Damit gehört sie zu den 48 Prozent, die den öffentlichen Nahverkehr mehr nutzen würden, wenn das Angebot besser wäre. Gerade am Wochenende würde der Bus, laut Tollkühn, eingespart und durch das Anruf-Sammeltaxi ersetzt. Wie aus der Befragung allerdings hervorging, kritisierten 40 Prozent der Befragten die fehlenden Informationen zu diesem Angebot, betont Pablo Rischard. Bürgermeister Florian Zindeler sicherte zu, dass das Busangebot im Gemeinderat Thema sei.

Drei Schritte zu den Bürgertischen

  1. Wie? Gleich mit einer Reihe an Bürgertischen sollen die Themen aus der Bürgerbefragung in Hohenfels aufgearbeitet werden. Dazu kündigte Bürgermeister Florian Zindeler vier Bürgertisch-Schwerpunkte an. Den Auftakt macht der runde Tisch zum Thema „Soziales Netzwerk und Begegnung aktiv“ (am Dienstag, 5. November, Mittwoch, 20 November, und Dienstag, 3. Dezember). Danach folgen „Attraktives, lebenswertes Hohenfels“ (am Dienstag, 12. November, Donnerstag, 28. November, und Donnerstag, 12. Dezember), „Zuhause leben“ (am Dienstag, 14. Januar 2020, und Donnerstag, 23. Januar 2020) und die Wohnwerkstatt (am Montag, 20. Januar, 2020, Mittwoch, 29. Januar 2020, und Donnerstag, 6. Februar 2020).
  2. Wer? Moderiert werden die Bürgertische von Sarah Gärtner und Peter Beck von der Vinzenz Service GmbH. Beck hob bei im Rahmen des Bürgerinformationsabends noch einmal hervor, wie wichtig eine Teilnahme seitens der Bürger ist: „ Sie sind die Experten in Ihrer Gemeinde.“ Er betonte aber auch, dass nicht jeder Wunsch sofort umgesetzt werden könne. „Der Gemeinderat gibt das Tempo vor“, sagte er.
  3. Wann? Die Bürgertische finden jeweils von 19 bis 21.15 Uhr statt. „Der Veranstaltungsort wird je nach Anmeldezahlen noch bekannt gegeben“, sagte Bürgermeister Florian Zindeler. Anmeldungen sind bis zum Montag, 28. Oktober, im Rathaus möglich. Laut Peter Beck sollen die Ergebnisse und eine entsprechende Prioritätenliste im kommenden Sommer vorliegen. (mgu)