Fünf Jungstörche in einem Nest gibt es selten. Im ganzen Landkreis Konstanz hat dieses Jahr nur ein einziges Nest diese kleine Sensation zu bieten: der Horst auf dem Strommast bei der Kirche in Mindersdorf im Garten von Josef Martin. Dort war Storchenexperte Wolfgang Schäfle jüngst zur Beringung der geflügelten Bewohner. Die kleinen Störche sind groß genug und machen bereits Flugübungen, sind aber noch nicht flugfähig. Genau dieses Zeitfenster gilt es bei der Beringung immer abzupassen.

Zwei Jungstörche in einem Nest auf einem Strommast mitten in Zoznegg haben deshalb noch etwas Zeit. Die beiden sind noch zu jung für die Beringung. „Sie sind eine Spätbrut“, erklärt Storchenexperte Wolfgang Schäfle aus Böhringen. Schäfle ist jedes Jahr mit den örtlichen Feuerwehren oder Mitarbeitern der Stromdienstleister unterwegs. Bei Nestern auf Strommasten unterstützt ihn immer der zuständige Energiedienstleister. Das ist Routine, aber neu ist in diesem Jahr, dass nicht mehr komplett alle Jungstörche, deren Nester mit Drehleitern oder Hebebühnen erreichbar sind, beringt werden.

Jetzt gibt es für alle Storchenbeauftragten bei den Ringen erstmals begrenzte Kontingente. Im Landkreis Konstanz sind es eigentlich 80 Stück. Doch Wolfgang Schäfle hat noch einige Ringe aus dem vergangenen Jahr übrig und kann so mehr Beringungen machen. „Ich habe jetzt schon über 100 Jungstörche beringt“, erzählte er nach der Aktion in Mindersdorf. Die Zoznegger Jungstörche werden auf jeden Fall auch noch dabei sein, wenn sie groß genug sind. „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt Schäfle. Dort ist das Nest auf dem Strommast neu und die Brut war erfolgreich. Was Josef Martin über die Störche in seinem Garten in Mindersdorf sagt, trifft zum Beispiel auch in Zoznegg, Wahlwies und der Stockacher Oberstadt zu: "Denen gefällt's mitten im Ort bei den Leuten."

In Nenzingen steht die Beringung noch aus. Dort gab es im vergangenen Jahr die kleine Sensation mit fünf Jungstörchen in einem Nest. Dieses Jahr sind es dort drei. Wolfgang Schäfle war aber bereits in Wahlwies zum Beringen unterwegs. Dort gibt es inzwischen neun Nester. Im Horst auf dem Erlenhof sind zum Beispiel zwei kleine Störche, auf dem Glockenturm der evangelischen Kirche sind drei, erzählt er. Insgesamt sind es 17 Jungstörche im Ort. Einer der beiden kleinen Störche im Nest in der Straße "Im Bindt" ist neulich aus dem Nest gefallen und wurde von Schäfle wieder aufgepäppelt.

In Espasingen auf dem Schornstein der Brauerei sowie in Stockach auf dem Gefallenendenkmal gibt es dieses Jahr keinen Nachwuchs. Der Stockacher Storch Hans und seine neue Partnerin hatten keinen Bruterfolg. Da sie ringlos ist, ist nicht bekannt, ob sie schon alt genug fürs Brüten wäre. Von Hans' ursprünglicher Partnerin Nelli gibt es bisher noch keine Spur. Wolfgang Schäfle vermutet, dass Nelli nicht mehr lebt. Er weiß aus Erfahrung: "Wenn zwei Störche so erfolgreich an einem Ort gebrütet haben, ist es unwahrscheinlich, dass einer nicht mehr kommt. Die trennen sich dann nicht." 2017 hatten Hans und Nelli, die Erstbrüter waren, vier Küken, von denen zwei groß wurden.