Ihre Arbeit ist für Familie Hautzinger Herzenssache. Diplom-Psychologin Charis Hautzinger, ihre Söhne Casey und Jesse sowie zehn Mitarbeiter begleiten im Kinderhaus Bodensee des gleichnamigen Vereins Kinder ein Stück auf ihrem Lebensweg. Die kleinen Schützlinge sind im Alter von drei bis neun Jahren und können nicht bei ihren eigenen Eltern leben. Die Gründe sind zum Beispiel Gewalt, Missbrauch oder Sucht. "Alle kommen aus gebeutelten Familien", fasst Erzieher und Politologe Casey Hautzinger zusammen.

 Es besteht großer Bedarf 

Die Kinder seien unterschiedlich lange in Mindersdorf. Ein Mädchen lebe bereits seit vier Jahren bei den Hautzingers. In einem anderen Fall sei ein Kind nur sechs Wochen da gewesen, weil es eine andere Betreuung gebraucht habe. "Wir sind Pioniere auf diesem Gebiet", sagt er. Seine Mutter ergänzt, dass das Kinderhaus den kleinen, familiären Rahmen habe, und als einzige Einrichtung im Süden rein auf die Altersgruppe von drei bis neun Jahren spezialisiert sei. Es sei wichtig, den Kindern in den entscheidenden Jahren Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Der Bedarf sei so groß, dass auch Kinder aus Bayern oder Thüringen in das Kinderhaus Bodensee kommen.

Im Idealfall sei das Ziel, die Kinder wieder in ihre Familien zurückzugliedern, erklären die Hautzingers. Bisher gingen aber alle in Einrichtungen mit älteren Kindern weiter, weil dies nicht möglich gewesen sei. Seit der Öffnung des Kinderhauses im Herbst 2013 haben dort 26 Kinder gewohnt – die aktuellen Bewohner ausgenommen. Das Kinderhaus bietet Platz für acht Kinder und hat ein neuntes Bett für Notfälle. Es sei mit acht Kindern wie eine richtige Familie, sagt Casey Hautzinger. Seine Mutter erzählt auch, dass sie selbst in den USA in einer sehr großen Familie aufgewachsen sei.

Das braune Tor in der Mitte ist ein Bastelraum, links ist der ehemalige Schweinestall, der eine Werkstatt werden soll. Obendrin ist ein Büro geplant. Bild: Ramona Löffler
Das braune Tor in der Mitte ist ein Bastelraum, links ist der ehemalige Schweinestall, der eine Werkstatt werden soll. Obendrin ist ein Büro geplant. | Bild: Löffler, Ramona

Eins-zu-eins-Betreuung

Die 69-Jährige bedauert, dass Deutschland kein Kinderrecht hat. Hier dauere es deswegen teilweise lange, bis Kinder aus Problemfamilien herausgeholt würden. "Andere Länder haben das im Griff, nur Deutschland nicht", sagt sie. Die Kinder, die bei den Hautzingers leben, kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, aber hätten durchschnittlich sieben leibliche Geschwister. In Mindersdorf bekommen sie eine Eins-zu-eins-Betreuung – das Kinderhaus hat zehn Mitarbeiter.

In dem alten Bauernhof gibt es im Erdgeschoss Küche und Wohnzimmer, eine Jungen-Etage, ein Stockwerk für die Mädchen und ein Büro. Charis Hautzinger hat ihre Wohnung nebenan in einem anderen Teil des Hauses. Ihr Sohn Casey pendelt zwischen Mindersdorf und Berlin hin und her.

Die Hautzingers haben alles in Eigenleistung und mit Hilfe von Freunden, Bekannte und Nachbarn kernsaniert und eingerichtet. "Meine Brüder und ich haben anfangs auf der Baustelle gelebt", erinnert sich Casey Hautzinger. Das Kinderhaus gibt es bereits seit Herbst 2013, doch es gibt baulich immer etwas zu tun. Familie Hautzinger hat noch einige Pläne, die ausnahmslos ihren Schützlingen zugute kommen sollen. Das nächste Projekt ist der Umbau des ehemaligen Schweinstalls in einen Raum, in dem die Kinder nach Herzenslust werkeln können. Der Speicher darüber solle zu einem Personalzimmer werden.

So sah es im Schweinestall früher aus. Die Konstruktion in der Mitte ist inzwischen entfernt und die Wände sind für neuen Putz gerichtet. Bild: Casey Hautzinger
So sah es im Schweinestall früher aus. Die Konstruktion in der Mitte ist inzwischen entfernt und die Wände sind für neuen Putz gerichtet. Bild: Casey Hautzinger | Bild: Casey Hautzinger

Jedes Jahr kommt ein Raum dazu

"Wir haben schon alles entkernt und neue Fenster eingebaut", erzählt Casey Hautzinger. "Wir versuchen jedes Jahr einen neues Raum zu realisieren." 2018 sei es der Bastelraum gewesen, nun stehe der Werkraum an. "Das klappt, wenn wir gut wirtschaften, oder mit Hilfe von Spenden." Die Familie ist auch den Handwerkern sehr dankbar, die sie unterstützen.

In den kommenden Jahren soll der ehemalige Kuhstall noch zur Turnhalle werden und die Hautzingers möchten einen Pferdestall so umbauen, dass vielleicht auch Eltern dort wohnen und parallel zu ihren Kindern betreut und therapiert werden könnten. Dazu müsse dort das Dach kernsaniert werden, weil es rein regne.

Auf einem weitläufigen Grundstück hinter dem Haus haben die Kinder verschiedene Spielmöglichkeiten. Es gibt auch einen Hühnerstall und Hochbeete. "Wir haben von der ehemaligen Schlossschule Fußballtore bekommen", erzählt Casey Hautzinger. Die Nachbarn seien dem Kinderhaus wohlgesonnen und böten Hilfe an.

Und wie kam das Kinderhaus überhaupt nach Hohenfels? "Wir haben uns vier Objekte angeschaut und wegen einem Kredit durchgerechnet", sagt Casey Hautzinger. Es sei ein Start bei Null gewesen, aber die Bank sei kooperativ gewesen. In Hohenfels sahen die Hautzingers das meiste Potenzial auf dem Areal mit der großen Grünfläche.

Casey Hautzinger steht im ehemaligen Schweinestall, der bereits entkernt und bereit für den Ausbau zur Werkstatt für die Kinder ist. Bild: Ramona Löffler
Casey Hautzinger steht im ehemaligen Schweinestall, der bereits entkernt und bereit für den Ausbau zur Werkstatt für die Kinder ist. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona