Die Freude bei Karl Gäng ist groß: Seine Firma im Liggersdorfer Gewerbegebiet hat den ersten Glasfaseranschluss in der ganzen Gemeinde Hohenfels. Gäng war nach einer Infoveranstaltung der erste, der sich sofort für schnelles Internet per Glasfaserkabel entschieden hatte. Jetzt führt das erste Kabel mit Lichtwellensignal ins Gebäude von Gäng Case. Andere Firmen folgen bald. Und auch sonst ist der Internetausbau auf Kurs.

"Hohenfels hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert", sagte Bürgermeister Florian Zindeler beim Startschuss für das schnelle Internet im Gewerbegebiet Bruck. 380 Haushalte und Firmen hätten seit Jahresbeginn die Möglichkeit, Glasfaserinternet zu beantragen. Das sei eine Riesennummer und decke fast 50 Prozent der Haushalte und Firmen auf der Gemarkung Hohenfels ab. Es gebe bereits 180 Bestellungen, erklärte er weiter. "Ein gutes Zeichen, dass die Investitionen richtig und wichtig sind." Es sei schön, dass es nun einen aktiven Anschluss im Gewerbegebiet Bruck gebe. "Dies freut mich für unsere Gemeinde, die Bürgerinnen und Bürger und die Gewerbetreibenden. Es stärkt unsere Attraktivität“, so Zindeler. Glasfaser biete eine Bandbreite, von der man auf dem Land sonst nur träume. Hohenfels sei ein Vorreiter im Landkreis Konstanz und ganz vorne dabei, fasste Zindeler zusammen. "Wir sind stolz darauf, was wir in kurzer Zeit hinbekommen haben", ergänzte er.

Für die Verwirklichung von Glasfaserinternet arbeitet die Gemeinde mit der Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen mbH & Co. KG (BLS) zusammen, bei der sie einer der ersten Gesellschafter und Mitgründer ist. Netcom BW ist der Netzbetreiber für das schnelle Internet und kann – zumindest im gewerblichen Bereich – Geschwindigkeiten bis 10 Gigabit pro Sekunde bieten. "Es ist eine beliebige Bandbreite bestellbar", sagte Michael Lisa von Netcom BW.

Wieviele Kabel wo möglich sind, hänge von der Spleis-Planung ab, erklärte Andreas Gräfe von BLS. Spleisen bedeutet das Verbinden, also Zusammenschweißen, der einzelnen Glasfasern. Damit entstehe eine Art Schaltplan. Diese Glasfaserkabel, von denen ein einzelnes nicht dicker als ein Haar ist, werden als Bündel mit Luftdruck in Leerrohre eingeblasen.

Zindeler ergänzte den Termin noch mit einen Überblick darüber, was die Gemeinde bereits geschafft hat. In der ersten Ausbau-Phase, die eine FTTC-Versorgung (Glasfaser bis zu den Straßen-Verteilerkästen) für die Gemeinde Hohenfels gewesen sei, seien zwischen 2009 und 2012 bereits 650 000 Euro (davon 157 000 Euro Fördermittel) aufgewendet worden. Dies habe zu einer durchschnittlichen Versorgung von 25 Megabit pro Sekunde und einer recht komfortablen Situation im ländlichen Raum geführt. "Der Gemeinderat hat sich trotz dieser guten Ausgangssituation dazu entschieden, weiter in das Glasfasernetz zu investieren und eine gute Basis für die Zukunft zu schaffen." So sei in großen Bereiche der Ortsteile Deutwang, Mindersdorf und Liggersdorf bereits die Infrastruktur für den Glasfasereinzug bis ins Haus geschaffen worden. Dies eröffne die Möglichkeit für schnelles Internet bei privaten und gewerblichen Kunden. Die Gesamtausgaben seit 2009 inklusive der noch geplanten Maßnahmen belaufen sich laut Zindeler auf rund 2,66 Millionen Euro. Davon sind rund 843 000 Euro Zuschüsse.

Und wie geht es nun in Hohenfels weiter? Es sei nun eine genaue Planung der Anschlüsse nötig, damit alles klappe, so Zindeler. "Wenn die steht, können wir das Einblasen in die Leerrohre ausschreiben." Für den Wirtschaftsstandort Hohenfels sei es wichtig, dass die Gemeinde die Grundlagen für die Unternehmen schafft. Im Herbst sei auch der Anschluss des Gewerbegebiets Weidenäcker in Selgetsweiler geplant und das interkommunale Gewerbegebiet Egelsee, dessen Erweiterung gerade geplant werde, profitiere davon ebenfalls.

Verzögerungen in anderen Orten

  • Stand in Eigeltingen/Mühlingen: Beim Glasfaser-Ausbau in Eigeltingen und Mühlingen dauert es etwas länger. "Wir sind nicht die Ursache des Problems, wir versuchen es zu lösen", sagt der Eigeltinger Bürgermeister Alois Fritschi auch im Namen seines Amtskollegen. Nachdem die ursprüngliche Planungsfirma ausgefallen ist, musste die Gemeinde Ersatz suchen.
  • Bisherige Arbeiten: Was bisher in Eigeltingen gemacht wurde, erläuterte Frischi in einer Pressemitteilung: "Der Tiefbau von insgesamt 49,1 Kilometern Leerrohre in alle Ortsteilen von Eigeltingen konnte fertiggestellt werden. Zudem sind die Kabelverteilerschächte und die Verteilergehäuse angebracht worden. Die notwendige Sicherung der Kabelverteiler der Telekom über eine Kollokation (Mitnutzung von Ressourcen) wurde erfolgreich an 13 Standorten durchgeführt. Aktuell hat die Gemeinde für den Tiefbau und die Schächte/Gehäuse eine Summe von rund 4,2 Millionen Euro Finanzmittel ausgegeben." Zudem habe die neue Planungsfirma eine umfangreiche Plausibilitätsprüfung des Leerrohrnetzes in Abstimmung mit dem zukünftigen Betreiber Netcom gemacht.
  • Weitere Schritte: Nun müssten einzelne Schächte und Kabelverteiler nachträglich auf Wunsch des Providers Netcom nochmals aufgerüstet und erweitert werden. Die Ausschreibungsarbeiten laufen auf Hochtouren, so die Mitteilung. Die Ausschreibung für das Einblasen von 49 Kilometer Glasfaserleitungen sei im September und die Vergabe könne bis Ende Oktober erfolgen. Die Glasfasern würden bis spätestens Mai 2019 eingeblasen sein. Fritschi rechnet mit Kosten von rund 2,9 Millionen Euro. Anschließend müssen die Glasfaserkabel noch in einem umfangreichen Verfahren verspleist (verbunden) werden. Das Lichtwellensignal könne vermutlich Ende Oktober 2019 fließen. (sch)