Es ist ein deutliches Nein: Die Hohenfelser wollen laut der Bürger­umfrage der Gemeinde keinen Mobilfunkmasten mitten in Liggersdorf haben und der Gemeinderat sieht es genau so. Die Abstimmung fiel einstimmig aus, allerdings ging eine längere Diskussion voraus und die Verwaltung hat nun den Auftrag, sich gemeinsam mit der Telekom um eine Alternative zu bemühen. Das Ziel: Wildwuchs auf Privatdächern vermeiden und eine Lösung außerorts finden, die eine Abdeckung aller Hohenfelser Ortsteile böte.

Bürgermeister Florian Zindeler stellte zunächst die Ergebnisse der Umfrage vor und schickte voraus: "Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder etwas anderes interpretieren kann." Genau dies zeigte sich dann auch. Der Rücklauf der Fragebögen lag bei 37,31 Prozent, wobei viele ungültig waren, so dass die gültige Beteiligung auf 25,37 Prozent sank (siehe Text rechts). Zindeler präsentierte neben den Zahlen und Tortengrafiken zu einzelnen Antworten auch exemplarisch Meinungen von Bürgern. So sprach sich ein Teilnehmer zum Beispiel dafür aus, dass der Mast einen Standort haben sollte, der mehrere Orte abdecken könne. Andere wiesen auf Gesundheitsgefahren hin und wieder andere sprachen die Attraktivität und Zunkunftsfähigkeit von Hohenfels an – das könne die Gemeinde mit einem Funkloch nicht haben. "Man sieht, wie unterschiedlich die Meinungen sind", fasste Zindeler zusammen. In der Umfrage sei am klarsten gewesen, dass 80 Prozent gegen einen Mast in der Nähe von Schulen und Kindergärten sind. In Liggersdorf selbst waren es 82,69 Prozent, "ein deutliches Signal", so Zindeler.

Karlheinz Lehmann (FUW) bedauert, "dass die Telekom uns die Pistole auf die Brust gesetzt hat. Wir können jetzt nur zwischen Pest und Cholera entscheiden." Er fand es ebenfalls schade, dass in dieser Sitzung weniger Vertreter der neu gegründeten Bürgerinitiative für ein strahlungsarmes Hohenfels gewesen seien. Lehmann könnte sich einen erhöhten Punkt für den Masten vorstellen, um eine bessere Netzverbindung für alle Ortsteile zu bekommen. Er sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde bei der Ablehnung eines Masten in der Ortsmitte einen Weg offen hält, eine weitere Standortsuche mitsteuern zu können. Ein Kompromiss sei wichtig. Lehmann sieht durch die Umfrageergebnisse den klaren Auftrag der Bürger an die Verwaltung, einen Funkmasten von Kindergarten und Schule fernzuhalten. Sein Fraktionskollege Karl Schmid verwies ebenfalls auf die Auswertung, aus der er eindeutig sehe, dass die Bürger keine weiteren Masten wollen. "Telefonieren ist möglich", sagte er. Es komme nur auf den Anbieter an.

"Die Telekom ist etwas spät dran", sagte Anita Moser (BLH) und warf ein, dass die Gemeinde eine Million Euro in Glasfaser investiert habe. Sie sei gegen einen Funkmasten, da die Gemeinde abgedeckt sei. Walter Benkler (BLH) betonte, dass das Gemeinwohl Priorität habe. Es sei eine moderne Infrastruktur nötig, damit die Gemeinde zukunftsfähig bleibe und Mobilfunk gehöre dazu. Er wunderte sich, dass es beim DSL Kritik gegeben habe, dass es nur einen einzigen Anbieter gebe, dies aber nun beim Mobilfunk plötzlich um 180 Grad gedreht werde und ein Anbieter reichen solle. Außerdem fügte er noch hinzu, dass Glasfaser nicht mit Mobilfunk vergleichbar sei. Sein Vorschlag: Das Gespräch mit der Telekom suchen. Diese solle sich "an den vorhandenen Masten hängen". Hierzu passte auch ein Vergleich, den Schmid zog: "Man baut auch nicht für jeden Autohersteller eine eigene Autobahn."

Am Ende stimmten die Räte getrennt über zwei Punkte des Beschlussvorschlags ab. Sie entschieden sich einstimmig, die Kooperation mit der Telekom für einen Funkmasten im Zentrum von Liggersdorf abzulehnen. Dann gingen die Meinungen auseinander: Acht der zehn anwesenden Räte sprachen sich für eine Verhandlung über Alternativen außerorts aus, und dass ein solcher Standort die gesamte Gemarkung abdecken können sollte. Zwei waren dagegen. Die Priorität der Gemeinde ist nun, mit der Telekom zu sprechen, ob diese nicht den vorhandenen Masten, der knapp auf Stockacher Gemarkung liegt, mitnutzen könnte.

 

Resonanz und Antwortbeispiele

  • Beteiligung: Die Gemeinde hat 1817 Bürger ab 16 Jahren angeschrieben. 678 Fragebögen (37,31 Prozent) kamen zurück, davon waren 461 so ausgefüllt, dass sie gültig sind. 217 waren ungültig. Die gültige Gesamt-Beteiligung lag somit bei 25,31 Prozent. In den einzelnen Ortsteilen sah sie so aus: 29,59 Prozent in Liggersdorf, 14,29 Prozent in Mindersdorf, 33,33 Prozent in Selgetsweiler, 28,67 Prozent in Kalkofen, 20,88 Prozent in Deutwang.
  • Eindeutigste Zahlen: Die Auswertung schlüsselt die Antworten nach den einzelnen Orten sowie Altersgruppen in der Gesamtgemeinde auf. Der Bürgermeister hob vor allem zwei hervor. In der Altersgruppe 16 bis 25 Jahre (Gesamtgemeinde) gaben 79,55 Prozent an, Funkmasten nicht grundsätzlich abzulehnen, bei den Bürgern 66plus waren es 58,12 Prozent. Von den Jüngeren gaben 36,36 Prozent ein Nein für Funkmasten auf kommunalen Dächern, bei den Ältesten waren es 59,97 Prozent. Funkmasten in der Nähe von Schule und Kindergarten stießen auf Ablehnung: 68,18 Prozent bei den 18- bis 25-Jährigen und 80,34 Prozent bei den Bürgern, die älter als 66 sind. Durch alle Alter in Hohenfels waren es 79,18 Prozent.
  • Kritik: Silvia Figel von der Bürgerinitiative für ein strahlungsarmes Hohenfels merkte in der Bürgerfrageviertelstunde an, dass sie die Fragen teils missverständlich empfand. Unter den Räten gab es Kritik zum kurzen Zeitfenster und dass die Bürger nicht sicher waren, ob der Fragebogen von der Gemeinde oder der Telekom war.