Dieses Jahr ist für die Gemeinde Hohenfels von ganz besonderer Bedeutung, denn es jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag und zum 100. Mal der Todestag von Korbinian Brodmann. Sieben Veranstaltungen soll es daher in diesem Jahr im Museum geben, normal sind laut Organisator Jochen Goldt eher ein bis zwei pro Jahr. Obwohl Brodmann nach seinem Wegzug als junger Erwachsener nicht mehr nach Hohenfels zurückkehrte, ist er laut Goldt der berühmte Sohn der Gemeinde. "Man ist sich seiner besonderen Rolle hier sehr bewusst", sagt Goldt. Einigen Menschen sei Brodmann vielleicht kein fester Begriff – außer als Namensgeber der hiesigen Grundschule. Doch für die Fachwelt der Hirnforschung sind seine Erkenntnisse auch heute noch die Basis für die weitere Erforschung des Hirns.

Brodmann hat als Erster die gesamte sogenannte Großhirnrinde zytoarchitektonisch untersucht und bearbeitet. Seine Einteilung in Areale und Kennzeichnung dieser mit Zahlen hat heute noch Gültigkeit – man spricht weiter von 52 Bordmann-Arealen des Gehirns. Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Großhirnrinde des Menschen, wie auch anderen Säugtieren, auf einen sechsschichtigen Grundtypus zurückgeführt werden kann. Seit den 1960er Jahren hat sich durch verbesserte Untersuchungsmöglichkeiten die Brodmannsche Unterteilung der Hirnrinde bestätigt und führte so zur einer wahren Renaissance seiner Lehre. Im Jahr 1909 veröffentlichte Brodmann seine Ergebnisse unter dem Titel "Vergleichende Lokalisationslehre der Großhirnrinde in ihren Prinzipien dargestellt auf Grund ihres Zellenbaues".

Heute untersuchen andere mit modernster Technik die Funktionen der von Brodmann erstmals beschriebenen Gehirnareale: Im Hirnforschungszentrum Jülich wird ein Hirnatlas erstellt, der die Brodmann-Karte aus dem Jahr 1909 Schritt für Schritt ersetzen soll. Hierzu sagte Professor Dr. Karl Zilles vom Hirnforschungszentrum Jülich vor einigen Jahren: „Es gibt nur wenige wissenschaftliche Werke, die in unserer schnellebigen Zeit und in der naturwissenschaftlichen Medizin so lange ihre Bedeutung behalten wie das Werk von Korbinian Brodmann“. Einige von Brodmanns Zeichnungen mit Beschriftung werden jetzt erstmals großformatig im Museum ausgestellt.

Wer denkt, dass dieser Wissenschaftler aus einer Gelehrtenfamilie stammt, der irrt: Korbinian Brodmann war unehelich geboren. Er kam am 17. November 1868 in Liggersdorf als drittes Kind einer Magd und als Sohn eines Gast- und Landwirts auf die Welt.

Ortspfarrer gab ihm seinen Namen

Seine Mutter, eine Tochter aus der Familie Benkler, durfte ihm nicht einmal seinen Namen geben, wie Hermann Strohmaier über Brodmann erfahren hat. Der einstige Hohenfelser Schulleiter hat jahrelang über den Mediziner geforscht und eine Biografie zusammengestellt. Demnach übernahm die Namensfindung der Ortspfarrer, wie es damals im 19. Jahrhundert in streng katholischen Gegenden üblich war. Seine Herkunft und sein nicht ortsüblicher Name stigmatisierten den jungen Korbinian und belasteten seine Schulzeit. Erst als die Familie nach München zog und die Eltern heirateten, durfte sich Korbinian dann auch Brodmann nennen. Der Vater Josef Brodmann aus dem südlich von Liggersdorf gelegenen Gast- und Gutshof Schernegg sorgte dafür, dass sein Sohn Korbinian weiterführende Schulen besuchen konnte.

Nach dem bestandenen Abitur in Konstanz studierte er Medizin an den Universitäten von München, Würzburg, Berlin und Freiburg, wo er im Jahre 1895 seine Approbation als Arzt erhielt. Im Jahr 1896 begann er sich der Erforschung des menschlichen Gehirns zu widmen, was ihn bis zu seinem frühen Tod am 22. August 1918 beschäftigte.

Wenig Zeit konnte er mit seiner Tochter verbringen: Ilse wurde am 19. Januar 1918 geboren und wuchs nach dem Tod der Mutter Margarethe, die am 4. Dezember 1918 starb, bei Verwandten als Vollwaise auf. Nur wenige Erinnerungsstücke an ihre Eltern verblieben der Tochter, die sie nach einem Kontakt mit Hermann Strohmaier im Jahr 1986 der Gemeinde Hohenfels vermachte. "Hermann Strohmaier ist eigentlich der Vater des Ganzen", sagt Jochen Goldt. Auf ihn gehe das Gedenkzimmer in der ehemaligen Schule zurück, das im heutigen Museum im Rathaus mündete. Strohmaier wiederum sagt über Brodmann: "Er war ein Pionier seiner Zeit."

Das Museum ist auf Anmeldung geöffnet, Kontakt per Telefon (0 75 57) 9 20 60 (Rathaus) oder (0 75 57) 92 91 20 (Privat) sowie per E-Mail an jochen.goldt@t-online.de

Veranstaltungen

Erstes Angebot im Gedenkjahr ist ein Lichtbildvortrag am 8. Mai, wo Schüler etwas über Brodmann erfahren und dann das Museum besuchen. Am 7. Juni berichtet Almut Grüner vom Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck über "Das Leben zur Zeit von Brodmanns Jugend" und am 19. Juli spricht Professor Robert Illing über das Thema "Werden wir das Gehirn verstehen? Von Karten und Funktionen". Nach dem Tag der offenen Tür im Museum am 23. September arbeitet das Team auf den 17. November, Brodmanns Geburtstag, hin, dann gibt es den Hauptgedenktag mit Programm.